Organisatoren: "Mit den Sixdays geht es weiter"

Das Sechstagerennen in Bremen hat eine Zukunft – auch über das Rennen 2018 hinaus. Veränderungen wird es aber wohl trotzdem geben.

Ein Mann im Interview.

Mit den heutigen Aussagen dürften Gerüchte um ein mögliches Ende des Bremer Sechstagerennens aus dem Weg geräumt sein: Eigentlich sollte es bei der Pressekonferenz zu den kommenden Sixdays vom 11. bis 16. Januar nur um das Programm bei Sport und Show gehen – in Gesprächen mit Radio Bremen sprachen die Macher aber auch über die Zukunft des Rennens.

Da der Vertrag mit der ESN (Event Sport Nord) GmbH nach dem Rennen 2018 ausläuft, war Unsicherheit über die Zukunft der Sixdays aufgekommen, über einen Ausstieg von Geschäftsführer Bührmann wurde in der Presse spekuliert. Als dann auch noch bekannt wurde, dass der Sixdays-Leiter und Hallenchef der Stadthalle Peter Rengel künftig bei Werder Bremen als Direktor Infrastruktur arbeiten wird, deuteten das viele als sein Verlassen des sinkenden Sixdays-Bootes.

"Erfolg heißt ja nicht, dass man nichts ändern kann"

Die Veranstalter des Sechstagerennens 2018 auf der Pressekonferenz
Blicken optimistisch auf die Zukunft des Sechstagerennens: Peter Rengel, Erik Weispfennig, Theo Bürmann junior und Hans-Peter Schneider (von links).

"Ich trete nicht die Flucht an, die gehen weiter, die Sixdays", stellte Rengel jedoch klar. Auch den Wehmut, bald nicht mehr dabei zu sein, könne er ausblenden. "Momentan bin ich zu hundert Prozent Sechstagerennen, und freue mich tierisch", so Rengel weiter. Trotz dieser Euphorie wechsle er aber zu Werder, da er etwas Neues ausprobieren wolle – schließlich sei er schon seit 20 Jahren bei der Stadthalle, und seit sieben Jahren beim Sechstagerennen.

Ebenfalls seit sieben Jahren in das Event involviert ist Theo Bührmann samt der Bührmann-Gruppe, die die Mehrheit an den Sixdays innerhalb der ESN hält. Er gibt ebenfalls eine Bestandsgarantie, auch wenn sich abzeichnet, dass er zukünftig vermutlich kürzer treten wird und sich die Macher neu sortieren werden, vermutlich weitere Gesellschafter ins Boot holen.

Es wird auch ein achtes Jahr geben und die Bührmann-Gruppe wird mit Sicherheit auch dabei sein, in welcher Kapazität werden wir dann sehen.

Theo Bührmann, Geschäftsführer Sixdays Bremen

Dass die Veranstaltung mit der bisherigen Organisation Erfolg habe, heiße ja nicht, dass man nichts ändern solle. "Erfolg heißt auch, dass man erfolgreich bleiben muss, und das kann man oftmals nach sieben Jahren und einem Tunnelblick nicht gewährleisten. Es ist wichtig, dass immer neue Leute, kreative Leute dazukommen, die Ideen haben", so Bührmann.

Hans Peter Schneider, der für die Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) die Messe unter seiner Fittiche hat, konnte dem nur zustimmen. "Die GmbH existiert, sie wird weiter existieren und wir werden auch mit diesen Partnern das weitermachen." Aber: Wenn man längerfristig am Markt bleiben wolle, müsse man daher auch von Jahr zu Jahr immer wieder Konzepte und Herangehensweisen überdenken, und sich dementsprechend neue Leute ins Boot holen. Fazit: Stühlerücken – wahrscheinlich. Aber die 54. Bremer Sixdays sind nicht die letzten.

Sixdays 2018: Mehr Sport, mehr Entertainment

Zumindest für Januar stehen aber auch mit der bisherigen Organisationsgruppe einige Veränderungen ins Haus. Bei den Frauen-Wettbewerben wird es nun auch ein "Madison", also ein Zweier-Mannschaftsfahren in einer Jagd geben. Der Grund: Madison ist ab 2020 wieder olympisch.

Wie gut die Neuerung auch international ankomme, sei laut Peter Rengel sofort deutlich geworden: Zahlreiche Spitzensportlerinnen aus verschiedensten Ländern hätten sich im Anschluss gemeldet, um mitzufahren.

Iljo Keisse und Marcel Kalz mit Blumen
Die Vorjahressieger werden wohl nicht dabei sein: Iljo Keisses (links) Start ist unwahrscheinlich, Marcel Kalz hat seine Profikarriere beendet.

Auch sonst ist das Teilnehmerfeld alles andere als klein. Über 200 Sportler gehen im Januar bei der 54. Ausgabe des Sechstagerennens an den Start, mehr als jemals zuvor. Darunter sind Topfahrer wie der Madison-Weltmeister Morgan Kneisky oder die Belgier Kenny de Ketele und Moreno De Pauw. Titelverteidiger Marcel Kalz aber wird das Rennen nur an der Bande verfolgen: Er hat seine Profikarriere im Herbst an den Nagel gehängt und absolviert derzeit eine Ausbildung bei der Polizei. Neben den Profis gibt es wie immer die U19- und U23-Fahrer, die Frauen und die Sprinter, außerdem wie in den vergangenen Jahren das Jedermann-Rennen, wo sich Hobby-Radfahrer messen können.

Fahrerlager in der Öffentlichkeit

Fahrerlager Sixdays
Das bisherige enge Fahrerlager in der Kurve.

Die Sportler sollen noch mehr in den Mittelpunkt gerückt, noch greifbarer gemacht werden. Dafür gibt es 2018 erstmals in den Messehallen ein neues Fahrerlager, das nicht nur größer, sondern auch offener und teils für Zuschauer zugänglich ist. Die Frage, ob die Sportler von der ständigen Aufmerksamkeit vielleicht genervt sein könnten, verneinte Weispfennig. "Viele haben uns gesagt, dass sie diese Fan-Nähe total motivierend finden. Und wenn die Sportler dann doch ihre Ruhe brauchen und sich zurückziehen wollen, können sie das auch tun."

Zu guter Letzt darf aber natürlich auch nicht das Programm vernachlässigt werden, das ansteht, wenn die Gummireifen mal nicht über die Steilwände brettern. Auch da sei vorgesorgt, versicherte Hans-Peter Schneider: Oli P gebe sich die Ehre, um für 90er-Feeling zu sorgen, für die Kleinen komme Moderatorin und Sängerin Singa und Sixdays-Dauergast Mickie Krause ist natürlich auch wieder dabei.

  • Jochen Duwe

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 23. November 2017, 18:06 Uhr