Pizarros Pech ist Werders Glück

Claudio Pizarro hätte die Kölner gegen Bremen wieder ins Spiel bringen können, doch er vergab eine Riesen-Chance. Seine alten Teamkollegen waren erleichtert.

Claudio Pizarro als begossener Pudel im Kölner Trikot und Bremer Regen.
In der 76. Minute hatte es Claudio Pizarro in der Hand, zum 2:2 für seine Kölner auszugleichen. Osakos Treffer zum 1:2 bereitete Pizarro vor. Bild: Andreas Gumz

Es war eine herzerweichende Szene. Da stand er, Claudio Pizarro. Allein im Strafraum, die Hände verzweifelt vors Gesicht geschlagen. Er konnte es nicht fassen. Und die Menschen im Stadion auch nicht. Diesen Kopfball, für den man ihn jederzeit nachts um drei hätte wecken können und den er mit traumwandlerischer Sicherheit eingenetzt hätte, den hatte Pizarro am Bremer Tor vorbeigeköpft. Er verharrte einen Moment in seiner Verzweiflung. Seine große Karriere, seine Titelsammlung, sein außergewöhnliches Talent – was zählte das jetzt schon, denn er war mit seinen 39 Jahren mit dem 1. FC Köln auf Abstiegskurs. Einen wie Pizarro muss das schmerzen.

Claudio Pizarro schlägt nach einer vergebenen Torchance verzweifelt die Hände vor das Gesicht.
Das darf nicht wahr sein: Claudio Pizarro kann nicht glauben, dass er das Tor nicht getroffen hat. Bild: Imago | Eduard Bopp

Plötzlich klangen Gesänge durch das Weser-Stadion. Erst verhalten, dann immer lauter. "Pizarro, oh oh". "Pizarro, oh oh oh oh". In anderen Stadien hätte man das als Häme für einen abtrünnigen Spieler auffassen müssen. Aber Claudio Pizarro umhüllte dieser Gesang wie eine warme, tröstliche Decke. Sie lieben ihn in Bremen immer noch und das wird sich wohl auch nie ändern. Und das beruht auf Gegenseitigkeit. "Ich liebe den Verein, die Fans lieben mich. Ich fühle mich hier wie Zuhause."

"Neun von zehn Mal macht Claudio den rein"

Schon Minuten vor dem Abpfiff brandeten auf den Rängen wieder die Pizarro-Gesänge auf. Werder lag mit 3:1 vorne, das Spiel war gelaufen. Jetzt konnten die Bremer Fans ihren Liebling gefahrlos feiern, obwohl er das falsche Trikot trug. Der Schlusspfiff ertönte und Pizarro herzte seine alten Teamkollegen, die Betreuer und genoss die Welle der grün-weißen Zuneigung. Doch schnell hatte ihn der schale Geschmack der Niederlage wieder eingeholt und seine vergebene Chance aus der 76. Minute. Er hatte den 2:2-Ausgleich in der Hand gehabt, doch er köpfte aus zehn Metern vorbei. "Es ist schwer, dass ich das nicht gemacht habe. Normalerweise muss ich das machen", erklärte Pizarro: "Ich habe den Ball nicht gestoppt, weil ich dachte, da ist noch ein Mann hinter mir. Ich habe versucht, ihn an den ersten Pfosten zu köpfen, aber ich habe ihn nicht richtig getroffen."

Claudio Pizarro startet mit den Werder-Fans im Stadion eine Jubel-Welle.
Immer noch Werders Fan-Liebling Nummer eins: Claudio Pizarro lässt sich nach dem Abpfiff feiern. Bild: Imago | Jan Huebner

Bei den Werder-Spielern löste sein Fauxpas dagegen große Erleichterung aus. "Wir haben Glück gehabt – neun von zehn Mal macht Claudio den rein", meinte Florian Kainz. Und Maximilian Eggestein fügte hinzu: "Wir sind sehr erleichtert. Wenn Pizza das Tor macht, dann sieht es ganz anders aus." So aber hatten sich die Bremer ihren 3:1-Sieg erkämpft, das Glück auch ein wenig erzwungen. Nicht zuletzt dank des furiosen Milot Rashica, der kurzfristig für den erkrankten Philipp Bargfrede in die Startelf gerückt war. Trainer Florian Kohfeldt kann mit seinem Kader variieren, das ist geradezu ein Luxus im Abstiegskampf. Und dem sind die Bremer durch den Sieg ein weiteres Stück entrückt. Platz 13 klingt, als sei Werder als großer Gewinner des 26. Spieltages die gröbsten Sorgen los. Die Konkurrenz hat schließlich kollektiv verloren. Kohfeldt mahnte jedoch vor voreiliger Zufriedenheit. "Es ist noch nichts entschieden, alles kann im Fußball sehr schnell gehen – es sind nur fünf Punkte." Die Kölner mit ihrer Roten Laterne würde viel für diese fünf Punkte geben. Drei hätten ihnen gestern schon gereicht. Aber selbst ein Claudio Pizarro hat mal Pech.

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  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Die Bundesligashow, 12. März 2018, 20 Uhr