Die Leiden des alten Pizarro

Claudio Pizarro trifft am Montag auf seine alte Liebe Werder, doch die Wiedersehensfreude ist getrübt. Denn in Köln läuft es für den Stürmer nicht wie erhofft.

Claudio Pizarro schaut nachdenklich durch die Maschen des Tornetzes.
Er will doch nur Tore schießen: Claudio Pizarro erzielte erst im letzten Spiel gegen Stuttgart seinen ersten Saisontreffer. Bild: Imago | Eduard Bopp

Irgendetwas fehlte. Etwas, das Claudio Pizarro doch immer ausgemacht hatte. Sein kesses, lausbübisches Grinsen, mit dem der Peruaner jeden sofort für sich einzunehmen vermag. Dieses südamerikanische "Pure-Lebensfreude"-Lächeln, das so ansteckend ist. Keine Spur davon. Pizarro wurde unter der Woche in Köln von einem Medientermin zum nächsten weitergereicht. Klar, es geht am Montag gegen seine alte Liebe, den SV Werder Bremen.

Natürlich ist es ein besonderes Spiel für mich. Ich werde alte Freunde und viele Fans treffen. Aber wir wollen gewinnen und ich möchte Tore machen.

Claudio Pizarro, FC-Stürmer

Aber Werders einstiger Publikumsliebling hatte sich das alles irgendwie anders vorgestellt. In Bremen mit seinen 39 Jahren ausrangiert, hoffte Pizarro, zumindest den gebeutelten "Geißböcken" im Abstiegskampf mit reichlich Toren noch helfen zu können. Er wollte doch nur spielen. Aber sehr oft ließ man ihn nicht. Mal verletzt, dann nur auf der Bank. Hin und wieder Kurzeinsätze. Seit Pizarro Ende September bei den Kölnern anheuerte, bekam er insgesamt nur 257 Minuten Spielzeit. In den ersten sieben Partien des neuen Jahres durfte der einstige Weltklassestürmer einmal zwei, einmal drei und einmal fünf Minuten lang das Spielfeld betreten. Da lohnt hinterher kaum das Duschen.

Claudio Pizarro bejubelt ausgelassen seinen ersten Treffer für Köln.
Endlich wieder Grund zum Jubeln: Pizarro nach seinem ersten Saisontor. Bild: Imago | Laci Perenyi

Doch dann, am vergangenen Spieltag gegen Stuttgart, da durfte Pizarro für eine ganze Stunde mitmischen und ihm gelang endlich sein erlösendes erstes Saisontor: "Es war sehr wichtig für mich, dass ich mal getroffen habe. Ein Stürmer braucht Selbstvertrauen." Aber so richtig freuen konnte sich Pizarro nicht. Nicht einmal darüber, dass er gerade als viertältester Bundesliga-Torschütze in die Geschichte eingegangen war und in jedem Kalenderjahr der vergangenen 20 Jahre mindestens ein Tor erzielt hatte. Es spielte keine Rolle, schließlich hatte Köln das Spiel gegen Stuttgart am Ende noch mit 2:3 verloren.

Es ist sehr schwierig. Wir haben sehr gut gespielt, aber in den letzten fünf Minuten der ersten Halbzeit war der Kopf nicht mehr da und wir bekommen zwei Tore. Das tut richtig weh.

Claudio Pizarro, leidender FC-Stürmer

Für Werder hat Pizarro in 206 Partien 104 Tore erzielt, das waren die guten alten Zeiten. Jetzt, auf den letzten Metern seiner beeindruckenden Karriere, wird vieles mühsamer, als es sich die Frohnatur gewünscht hatte. Abgestiegen ist Pizarro noch nie, und diese Erfahrung möchte er sich gerne ersparen. Dafür müsste er mit den Kölnern jedoch am Montagabend im Weser-Stadion punkten.

Claudio Pizarro hält beim Werder-Training vergnügt den Ball hoch.
Grün-Weiße Vergangenheit: Bis Ende Juni 2017 stand Pizarro bei Werder unter Vertrag. Bild: Andreas Gumz

"Es wird nicht einfach", meinte Pizarro im "Express", "wir können nur versuchen, zu kämpfen und Punkte zu holen. Ich fahre dahin, um zu gewinnen. Tore will ich auch schießen, nur jubeln werde ich nicht." Ein Punkt würde den Kölnern schon reichen, um die Rote Laterne an den Hamburger SV weiterzureichen. Ein Sieg wäre noch besser, um zu Mainz und Wolfsburg aufzuschließen. Aber dagegen haben die Bremer etwas, denn die möchten nicht, dass die Heimserie unter Coach Florian Kohfeldt reißt (fünf Siege, drei Remis).

Ich liebe Bremen und die Menschen dort, aber ich spiele für den FC und will für Köln alles geben. Ich glaube, dass mich die Menschen dort genau deswegen lieben, weil ich immer alles gebe.

Claudio Pizarro, ehemaliger Werder-Stürmer

Und Kohfeldt hat selbst auch eine klare Wunschvorstellung, wie das Wiedersehen mit Pizarro am Montagabend aussehen wird. "Ich freue mich sehr, Claudio wiederzusehen. Wir werden ein paar nette Worte wechseln – nach dem Spiel. Ich hoffe, er wird uns dann zum Sieg gratulieren." Es würde die Leiden des alten Pizarros sicherlich noch verschlimmern.

Mehr zu diesem Thema:

  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: buten un binnen mit Sportblitz, 11. März 2018, 19:30 Uhr