Glück im Unglück für die Fischtown Pinguins

Nach Playoff-Ausfall: Der DEL-Saisonabbruch ist für die Bremerhavener mehr als enttäuschend. Aus finanzieller Sicht aber hätte es wesentlich schlimmer kommen können.

Jan Urbas wird von seinem Gegenspieler aufs Eis gecheckt.
Ausgebremst: Trotz der Qualifikation für die Playoffs endete die DEL-Spielzeit für die Fischtown Pinguins und ihren Torjäger Jan Urbas (links) nach dem Saisonabbruch vorzeitig. Bild: Imago | Nordphoto

Nach der erfolgreichsten Hauptrunde der Vereinsgeschichte war bei den Fischtown Pinguins die Vorfreude groß, auch in den Playoffs für Furore zu sorgen. Doch einen Tag vor Beginn der Pre-Playoffs folgte am Dienstagabend die große Ernüchterung: Die DEL beendete ihre Spielzeit wegen der Ausbreitung des Coronavirus vorzeitig. Geisterspiele wie im Fußball waren keine Option. Die Playoffs fallen somit aus, erstmals in ihrer Historie bleibt Deutschlands höchste Eishockeyliga ohne Meister.

Playoffs sind das Salz in der Suppe, aber Playoffs ohne Fans sind undenkbar. Das wäre falsches Eishockey.

Gernot Tripcke, DEL-Geschäftsführer

In Bremerhaven war die Enttäuschung über den Beschluss der DEL riesig. Auch am Tag danach. "Jeder von uns ist noch geschockt", sagte Pinguins-Stürmer Justin Feser am Mittwoch. Trotz des kleinsten Etats der Liga waren die Pinguins dank des sechsten Ranges in der Hauptrunde erstmals auf direktem Weg in die Playoffs eingezogen. Im Viertelfinale wären sie auf die Straubing Tigers getroffen. Die Ambitionen waren groß: "Wir hätten das Zeug gehabt, für eine Überraschung zu sorgen. Wir waren hungrig, die Playoffs zu spielen", sagte Teammanager Alfred Prey. Dass die zusätzlichen Festspiele nun ausfallen, sei für die Fans und Spieler besonders bitter, sagte Geschäftsführer Hauke Hasselbring: "Die werden um den Lohn ihrer Arbeit gebracht."

Verständnis fürs Vorgehen der DEL

Die Entscheidung, die Spielzeit abzubrechen, sei jedoch "absolut nachvollziehbar und alternativlos". Ein Richtig oder Falsch gebe es nicht, denn die Gesundheit der Spieler, Fans und Mitarbeiter gehe vor, so der 50-Jährige. Nachdem Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am vergangenen Sonntag empfahl, Großveranstaltungen mit mehr als 1.000 Besuchern abzusagen, ging Hasselbring davon aus, dass es zum vorzeitigen Saisonende kommen musste.

"Das ist einfach für alle großer Mist."

Hauke Hasselbring, Geschäftsführer der Fischtown Pinguins

Das Gedankenspiel, die Playoffpartien vor leeren Rängen auszutragen, stieß auch bei den Pinguins nur auf wenig Gegenliebe. Zum einen wegen der fehlenden Atmosphäre, zum anderen aus finanzieller Hinsicht: Im Gegensatz zu den anderen DEL-Teams sind die Playoffs für die Bremerhavener ohnehin kein "Moneymaker", wie Hasselbring sagt. Und ein Geisterspiel sogar ein Verlustgeschäft.

Rund 3100 Dauerkarten

Einnahmen und Ausgaben halten sich in den Playoffs bei den Pinguins für gewöhnlich in etwa die Waage. Dem Geld, das Ticketverkäufe bei Heimspielen einspielen, stehen Kosten für Hallenmiete sowie Mitarbeiter und die Anfahrt, Verpflegung sowie Unterbringung bei Auswärtspartien gegenüber. Grund dafür sind die etwa 3100 Dauerkarten, die nicht nur für die Begegnungen der Hauptrunde, sondern auch für Playoffspiele gelten – und somit keine zusätzlichen Einnahmen erbringen. Da die Bremerhavener Eishalle über eine Kapazität von etwa 4600 Plätzen verfügt, bleiben nur etwa 1500 Tickets für den Tagesverkauf. Jedes Heimspiel spüle laut Hasselbring daher einen Betrag zwischen "25.000 und 30.000 Euro" in die – im Vergleich zu den anderen DEL-Vertretern – schmale Pinguins-Kasse. Wäre es zu Geisterspielen gekommen, hätte der Verein also finanzielle Einbußen hinnehmen müssen, da sich Einnahmen und Ausgaben nicht mehr gedeckt hätten.

Änderung zur neuen Spielzeit

Nun aber ist genau das eingetreten, was die Pinguins-Macher jedes Jahr aufs Neue einplanen: Das Saisonende nach der Hauptrunde. Allerdings trat dieses Szenario in der soeben beendeten Saison das erste Mal ein; in den vorherigen drei Spielzeiten, die der Verein in der höchsten Liga bestritten hatte, erreichten sie stets die Pre-Playoffs.

In der kommenden Saison passen die Bremerhavener ihr Ticketmodell jedoch an das der meisten anderen Teams der Liga an. Denn dann werden die Dauerkarten für zwei Playoffspiele gültig sein, sollten weitere Partien hinzukommen, gelten die Saisontickets nicht mehr. Umso besser es für die Pinguins läuft, desto teurer wird es für die Dauerkarteninhaber – was diese wohl verkraften dürften, vermutet Hasselbring.

Rückgabe der Playoff- Tickets
Im Hinblick auf bereits erworbene Einzeltickets für Spiel 2 und Spiel 4 des Playoff-Viertelfinales gegen die Straubing Tigers kommt folgende Vorgehensweise zum Tragen:
Wer ein Einzelticket für die geplanten Heimspiele des Playoff- Viertelfinals gekauft hat, bekommt den vollen Kaufpreis ab Donnerstag, 12.03.2020 dort erstattet, wo er/sie das Ticket erworben hat. Das Originalticket muss dafür zwingend mitgebracht und vorgelegt werden.
#WirsindBHV

Fischtown Pinguins - 11. März 2020, 15:11 Uhr.

Saison-Aus für Fischtown Pinguins

Video vom 11. März 2020
Leere Zuschauer Bänke in der Eishalle.

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 11. März 2020, 18:06 Uhr