Rassismus-Vorfall beim Spiel zwischen Oldenburg und Oberneuland?

Audio vom 26. Oktober 2021
Oberneulands Ebrima Jobe diskutiert vehement mit einem Oldenburg-Spieler.
Bild: Imago | Nordphoto
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Bei der Partie in der Regionalliga-Nord kassierte FC Oberneuland-Stürmer Ebrima Jobe eine rote Karte. Im Anschluss sollen ihn Zuschauer rassistisch beleidigt haben.

Eine knappe Stunde war am Sonntag zwischen dem gastgebenden VfB Oldenburg und dem FC Oberneuland gespielt, als es plötzlich hitzig wurde: Nach einem Schubser gegen Stürmer Ebrima Jobe vom FC Oberneuland kam es zu einer Rudelbildung, in der gleich mehrere Bremer und Oldenburger eifrig mitmischten. Als sich die Gemüter wieder beruhigt hatten, kassierte Jobe die rote Karte. Doch die Diskussionen gingen weiter.

Auf Veranlassung des Schiedsrichters meldete sich schließlich der Stadionsprecher zu Wort. Über Lautsprecher gab er bekannt, dass "jegliche Auswüchse von Rassismus und Beleidigungen" im Marschwegstadion nichts zu suchen hätten. Erst danach pfiff der Referee die Regionalliga-Nord-Partie, die mit einem 3:1-Sieg für Oldenburg endete, wieder an. Was war passiert?

FCO-Stürmer Jobe leistet sich Tätlichkeit

Oberneuland-Spieler Ebrima Jobe erhält die rote Karte.
Für seine Tätlichkeit erhielt FCO-Stürmer Ebrima Jobe die rote Karte. Bild: Imago | Nordphoto

Wenige Minuten zuvor hatte sich Gästeangreifer Jobe ein Wortgefecht mit seinem Gegenspieler geliefert. Oldenburg-Verteidiger Marcel Appiah griff in den Disput ein und stellte sich zwischen die Streithähne, wobei er Jobe anrempelte. Daraufhin trat der Gambianer dem mehr oder minder erfolgreichen "Streitschlichter" vors Schienbein. "Eine Unbedachtheit, für die er völlig zu Recht die rote Karte gesehen hat", sagte Uwe Piehl auf Nachfrage von buten un binnen. Der Vizepräsident des FCO hatte das Spiel von der Zuschauertribüne aus verfolgt.

Unmittelbar nach Jobes Tätlichkeit hallten Pfiffe von den Rängen, gefolgt von einzelnen "Auf die Fresse!"-Rufen. Nach FCO-Angaben wurden dabei jedoch Grenzen überschritten. So seien aus einer Gruppe von vier mittelalten VfB-Anhängern, die im Umfeld von Piehl saßen, rassistische Beleidigungen gegenüber Jobe ausgerufen worden. Mehr noch: Schon zuvor sei es zu einem ähnlichen Ausfall von der Tribüne aus gekommen. "Die Rufe kamen von zwei Stellen aus dem Zuschauerbereich", so Piehl.

Stadionsprecher erhält Applaus

Aufseiten der Verantwortlichen des Gastgebers habe man von derartigen Beleidigungen nichts mitbekommen. "Auch die, mit denen wir gesprochen haben, haben nichts mitbekommen", sagte Oldenburg-Geschäftsführer Michael Weinberg zu buten un binnen. Zudem betonte er, dass der Verein sowohl für seine Flüchtlingsarbeit als auch für sein Engagement gegen Rassismus bekannt sei.

Beim Publikum des am Sonntag mit rund 1.100 Zuschauern gefüllten Marschwegstadion stieß die Durchsage des Stadionsprechers auf klaren Zuspruch: Nach dem Statement gegen Rassismus erklang Applaus, "Nazis raus!"-Gesänge ertönten. Inzwischen haben die beteiligten Vereine beschlossen, eine gemeinsame Erklärung herauszugeben. Der Tenor: "Zeigt Rassismus die rote Karte."

Solch ein Verhalten gilt es zu verurteilen, man muss es brandmarken.

Uwe Piehl, Vizepräsident des FC Oberneuland, zu buten un binnen

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Bild: Radio Bremen
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Autor

  • Helge Hommers Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 25. Oktober 2021, 23:30 Uhr