Kruse, der Königsmacher

Anfangs war Max Kruse skeptisch, ob Florian Kohfeldt der richtige Werder-Trainer ist. Aber als er Kruse überzeugte, konnte Kohfeldts Erfolgskurs beginnen.

Max Kruse steht am Rande einer Trainingseinheit gut gelaunt neben Trainer Florian Kohfeldt.
Werders Wichtigster: Max Kruse (links) traf in dieser Saison in 29 Bundesligaspielen für die Bremer sechs Mal und war an acht Toren beteiligt. Bild: Andreas Gumz

Es war ganz leicht, am Samstagnachmittag im Fan-Block der Bremer Anhänger Schmähparolen gegen den HSV zu grölen, dazu Transparente mit hämischen Sticheleien zum besiegelten Abstieg zu entrollen. Es war ganz leicht, gegen den gestürzten Erzrivalen aus Hamburg nachzutreten und sich dabei wie die Größten zu fühlen. Aber es war auch ganz leicht, in diesem Moment zu vergessen, wie knapp Werder Bremen selbst diesem Horrorszenario entgangen war.

Florian Kohfeldt aber hatte nichts vergessen. Nicht die Daueranspannung während des zehrenden Abstiegskampfes, nicht die Sorgen. Und schon gar nicht die Zweifel, die ihm entgegengeschlagen waren, als er die Werder-Profis Ende Oktober 2017 von Alexander Nouri übernahm.

Schwerer Start als "1B-Lösung"

Werder-Trainer Kohfeldt feuert mit vollem Körpereinsatz von der Seitenlinie an.
Immer mit vollem Einsatz für Werder dabei: Trainer Florian Kohfeldt. Bild: Imago | Jan Huebner

"Da gab es am Anfang ja längst nicht nur positive Berichte", erinnert sich Kohfeldt an die Reaktionen. Als "1B-Lösung" wurde er betitelt, als billige Alternative zu einem namhaften Trainer. Pech für Kohfeldt, dass er nach Nouri und Viktor Skripnik eben der dritte Trainer in Folge aus Werders eigenem Nachwuchsbereich war. Statt Begeisterung gab es Vorbehalte. Nach zwei gescheiterten Versuchen war auch unter den Spielern die Skepsis gegen den Neuen groß. Das gibt Max Kruse ganz offen zu.

"Nachdem uns gesagt wurde, dass erstmal Florian Kohfeldt übernimmt, sagt man auch nicht gleich 'hurra, hurra'", meinte Kruse im ZDF, "der ein oder andere war sicherlich etwas skeptisch." Er ebenfalls. Die Mannschaft wünschte sich einen Trainer mit Erfahrung. Kohfeldt spürte die Zweifel unter den Spielern und suchte das Gespräch: mit Werders Leitwolf, mit Kruse. Eine Herausforderung. "Das ist als junger Trainer natürlich nicht die leichteste Aufgabe, direkt Max Kruse als Spieler zu bekommen", meinte Kohfeldt mit einem Augenzwinkern.

"Ich glaube, du bist skeptisch. Warum?"

Max Kruse breitet ratlos auf dem Spielfeld die Arme aus.
Max Kruse ist auf dem Platz der verlängerte Arm von Trainer Kohfeldt. Bild: Andreas Gumz

Kruse hat den Ruf, schwierig zu sein, wenn man ihn nicht an der langen Leine lässt. Wenn er das Profidasein nicht nach seinen eigenen Konditionen interpretieren darf. Er ist ein Wohlfühlspieler. Aber einer, der eine Mannschaft wie Werder tragen kann, wenn für ihn auf und neben dem Platz alles passt. Kohfeldt war sich bewusst, dass seine Pläne mit Werder nie klappen können, wenn er Kruse nicht von sich überzeugt – und damit auch alle anderen. "Ich habe ihm relativ direkt gesagt: 'Ich glaube, du bist skeptisch. Warum?'", erzählte Kohfeldt im ZDF, "und dann haben wir darüber geredet und angefangen, etwas zu entwickeln." Diese erste Woche als Werder-Trainer, erinnert sich Kohfeldt, habe die Basis zwischen ihnen beiden gelegt. Und dann waren auch die anderen Spieler bereit, sich auf Kohfeldts Strategie einzulassen.

"Flo hat es schnell hinbekommen, dass wir von seiner Philosophie überzeugt sind", fügte Kruse hinzu. Die Skepsis war verflogen, weil sich früh die ersten Erfolge einstellten. "Er hat uns zum Glück eines Besseren belehrt, und deswegen bin ich froh, dass der Verein so entschieden hat." Kohfeldt hat sich in Bremen den vollen Respekt erarbeitet. Und in seinem bis 2021 laufenden Vertrag gibt es keine Ausstiegsklausel, wie er kürzlich verriet. Er will etwas aufbauen bei Werder und genießt dabei den Rückhalt im Verein – und von den Spielern. Max Kruse sei in diesen ersten Monaten als Cheftrainer zu "einer extremen Vertrauensperson" für ihn geworden, betonte Kohfeldt. Doch Max Kruse ist noch mehr in der jungen Karriere des Florian Kohfeldt. Er ist der Königsmacher.

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  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: buten un binnen mit Sportblitz, 13. Mai 2018, 19:30 Uhr