Kommentar

"Trainer, Fans und Mannschaft machen Mut"

Werder zwischen Abstiegsangst und Pokalträumen. Die Hinrunde hatte es in sich: Sieglos-Serie, Trainerentlassung, Pokalsieg. Doch es wird alles gut, glaubt Sportchef Ludwig Evertz.

Schlussjubel der Bremer Spieler mit den Fans.
Licht am Ende der Hinrunde: Werder entwickelt sich unter Trainer Kohfeldt bisher gut. Bild: DPA | GES-Sportfoto

"Berlin, Berlin! Wir fahren nach Berlin!" Das klingt mir heute noch in den Ohren von gestern Abend. Berlin? Könnte gut sein. Die Optimisten fahren am 19. Mai zum Pokalfinale in die Hauptstadt, die Pessimisten zum Zweitliga-Duell gegen Union Berlin. Beides ist möglich. Dazwischen gibt es aber noch diverse denkbare Varianten: Werder scheitert im Pokalhalbfinale an Bayern München, natürlich auswärts, und rettet sich in der Relegation vor dem Horrorabsturz in die Bedeutungslosigkeit. Ich war in den letzten Jahren bei fast allen Relegationsspielen vor Ort, in Hamburg, Frankfurt oder Hoffenheim. Diese "Alles-oder-Nichts-Spiele" wünscht man nur seinen ärgsten Feinden. Das ist brutal.

2017 endet versöhnlich. Werder steht unter den letzten acht im lukrativen DFB-Pokal und verdient sich mehr als eine Million für mögliche Verstärkungen. In der Liga klingt Platz 16 zwar bedrohlich, aber die Abstiegskonkurrenten Köln, Freiburg und der HSV sind genauso launisch und unbeständig wie Werder. Mal sehen, wer da unten die Nerven verliert…

Nouri hat sich ins Abseits manövriert

Die Spieler trugen gestern Abend ein Transparent mit der Aufschrift "Danke! Ihr seid ein Fest!" Stimmt uneingeschränkt. Auf die Fans ist Verlass, im Weser-Stadion sowieso, aber auch bei Auswärtsspielen. "Ihr seid ein Fest!" Das stimmt umgekehrt leider nur bedingt. Die Mannschaft bot zu viele Trauerspiele, traf zu selten, verlor zu oft. Vor allem unter Trainer Nouri, der sich ins Abseits manövrierte, als er beliebte, charismatische Persönlichkeiten wie Claudio Pizarro und Florian Bruns vom Hof bellte, um selber heller zu strahlen. Mit Florian Kohfeldt kehrte so ziemlich alles zurück in den Verein: Freude, Begeisterung, Uneitelkeit, Gesprächsbereitschaft und echter Teamgeist statt hochtrabender "collective responsibility" (Zitat Nouri).

Ich bin zuversichtlich, dass sich bei Werder 2018 alles zum Guten wendet. Mut machen mir der Trainer, die Fans und auch die Mannschaft. Vom Weihnachtsmann wünsche ich mir nicht weniger als eine Saison ohne Abstiegsangst und ohne Horrorverletzungen. Gute Besserung Fin Bartels! Ich fahre dann mal nach Berlin, bevor das nix wird mit Pokalfinale und 2. Liga.

  • Ludwig Evertz

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 21. Dezember 2017, 18:06 Uhr