Kommentar

Kohfeldt ist "schuld": Werder im Europa-League-Modus

Vor 140 Tagen war Werder am Tiefpunkt der Saison. Jetzt hat die Mannschaft einen Riesenschritt Richtung Klassenerhalt gemacht. Mehr noch, findet unser Redakteur Thorsten Reinhold. Werder beeindruckt.

Florian Kohfeldt
Er hat gut lachen: Es läuft rund bei Werder-Trainer Florian Kohfeldt und seiner Mannschaft. Bild: Imago | DeFodi

Ich sag es gleich vorweg: Ich bin schwer beeindruckt. Schwer beeindruckt davon, wie Werder im Moment Fußball spielt. Werder ist gerade im Europa-League-Modus. Nicht mit dem Blick auf die Tabelle. Denn noch ist Werder nicht (ganz) durch. Aber mit dem Blick auf das Wie. Nämlich wie Werder Fußball spielt. Das war vor 140 Tagen noch ganz anders. Da habe ich das schlimmste Werder-Spiel seit Jahren im Weser-Stadion gesehen. 0:3 das Ergebnis. Der Gegner: Augsburg. „Werder im Halloween-Modus: Gruselig“. Das war mein Fazit. Im eigenen Stadion zerlegt von Augsburg. Das Aus für Alexander Nouri.

Wie zu besten Schaaf-Zeiten

Jetzt, gut viereinhalb Monate später, verzückt mich Werder regelrecht. Beim 3:1-Sieg gegen Augsburg habe ich mich dabei ertappt, wie ich innerlich geschwärmt habe. Von der Spielidee. Wie zu besten Schaaf-Zeiten. Werder spielt offensiv, greift an, teilweise überfallartig. Werder will das Spiel dominieren, spielt Pressing, spielt oft direkt, spielt die Tore heraus – aber vor allem: Werder S P I E L T Fußball. Werder ist wieder eine Fleischeinlage in der Bundesliga-Suppe.

Nach dem Grusel-Auftritt gegen Augsburg in der Hinrunde, hatte Werder gerade einmal fünf Punkte und drei Tore geschossen. Vorletzter in der Tabelle. Und jetzt? Werder ist auf dem Weg ins Mittelfeld. Nimmt man nur die Rückrunde, ist Werder sogar im oberen Tabellendrittel. Werder spielt nicht wie eine Mannschaft, die gegen den Abstieg kämpft. Werder spielt wie ein Europa-League-Aspirant.

Vielversprechende Aussichten

"Die Mannschaften aus der Hinrunde und die von heute haben nichts mehr miteinander zu tun", stellte Florian Kohfeldt vor dem Augsburg-Spiel fest. Stimmt. Und er ist schuld daran. Im positivsten Sinne. 1,65 Punkte hat er im Schnitt mit Werder geholt. Laut transfermarkt.de schon jetzt besser als Thomas Schaaf (1,62) zu seinen Werder-Zeiten. Besser war nur Otto Rehhagel (1,77). Rechnet man Kohfeldts Punkteschnitt auf eine ganze Saison hoch, würde Werder auf 56 kommen. In der vergangenen Saison hätte das für Platz 5 gereicht. Europa League. 

  • Thorsten Reinhold

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 18. März 2018, 19:30 Uhr