Kommentar

Der Innensenator gewinnt gerade neue Freunde

Ist es richtig, dass die Deutsche Fußball Liga an den Kosten für Polizeieinsätze beteiligt wird? Ja, findet unser Kommentator Andreas Neumann. Er glaubt: Bremens Weg könnte Schule machen.

Weserstadion Polizei
Etappensieg für die Bremer Politik: Nach dem heutigen Urteil müsste die DFL die Kosten der Polizeieinsätze bei Hochrisikospielen mitragen. Bild: dpa | Anke Waelischmiller/Sven Simon

Lange war der Bremer Innensenator in seinem Kampf um Geld von der DFL ein sehr einsamer Mann. Seine Kollegen aus den anderen Bundesländern hatten sich schön weggeduckt. Nein, mit der mächtigen Liga, und noch schlimmer: mit den Vereinen wollte man sich auf keinen Fall anlegen. Es droht ja Liebesentzug durch Borussia Dortmund, Bayern München, RB Leipzig und Co., sobald man an die Milliardenkassen der Liga will.

Jetzt aber, wo der Bremer Politiker einen so klaren Etappensieg errungen hat, kommen die ersten aus der Deckung. Der rheinland-pfälzische Innenminister begrüßt das Urteil und findet es richtig, dass Polizeieinsätze nicht nur vom Steuerzahler bezahlt werden sollten. Und der Hamburger Innensenator gibt sich zwar an der Seite des HSV gelassen, will jetzt aber das Urteil immerhin mal genau prüfen.

Summen, die Spieler für einen Zweitwagen ausgeben

Das sollte er auch. Denn wenn Bremen mit seiner Linie auch vor dem Bundesverwaltungsgericht gewinnen sollte, dann werden die Dämme brechen. Dann werden der Bund der Steuerzahler und die Rechnungshöfe schon dafür sorgen, dass kein Bundesland das Geld für Polizeieinsätze weiter alleine bezahlt. Der Rechnungshof Baden-Württemberg hat übrigens schon vor Monaten die Landesregierung in Stuttgart aufgefordert, dem Beispiel Bremens zu folgen. Aber das Innenministerium dort fand das – so wörtlich – "nicht sachgerecht".

Nicht sachgerecht? Worüber reden wir denn hier? Doch nur davon, dass eine mit Geld vollgestopfte Liga wenigstens einen Teil der Kosten von Polizeieinsätzen übernehmen soll, mit denen ihre Veranstaltungen geschützt und überhaupt erst ermöglicht werden. Und wir sprechen von Summen, die viele der Spieler der Bundesliga mal eben für einen Zweitwagen ausgeben. Nein, es ist sehr sachgerecht, wenn der Bremer Innensenator da hart bleibt und sich auch der Erpressung der DFL nicht beugen will.

Wenn die Liga auch in letzter Instanz verliert, will sie die Rechnungen der Polizei ja an den Verein Werder Bremen weiterreichen. Und das würde dann in Bremen richtig schlechte Laune machen. Aber, wie gesagt, der Bremer Innensenator gewinnt ja gerade erste neue Freunde in anderen Bundesländern, und das wird ihn in der Sache noch unnachgiebiger machen als in den zurückliegenden Jahren der Einsamkeit.

  • Andreas Neumann

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 21. Februar 2018, 19:30 Uhr