Kann Kohfeldt das Wechselkarussell kontrollieren?

Zum Saisonende kursieren Wechselgerüchte, auch um Werder-Spieler. Trainer Florian Kohfeldt hat jedoch einen klaren Plan, wen er behalten will – und wen nicht.

Trainer Kohfeldt ruft und gestikuliert an der Seitenlinie, hinter ihm hocken Werder-Spieler auf der Ersatzbank.
Nicht alle können immer spielen: "Es ist eine Form des Respekts der Gruppe gegenüber, das mitzutragen, wenn man nicht spielt. Persönliche Enttäuschung muss man im Fußball wegstecken können." Bild: Andreas Gumz

Noch ist die Saison nicht ganz zu Ende, doch seine Feuertaufe hat Florian Kohfeldt bereits bestanden. Er übernahm eine Mannschaft, die vor dem elften Spieltag mit fünf Punkten Tabellenvorletzter war, und führte sie vorzeitig zum Klassenerhalt. Zudem gelang es Kohfeldt, dabei in all seinen Heimspielen ungeschlagen zu bleiben. Für einen Bundesliga-Debütanten auf dem Cheftrainerposten ist das keine Selbstverständlichkeit. Seine Vorgänger Alexander Nouri und Viktor Skripnik sind dafür wohl die besten Beispiele.

Doch die nächste große Herausforderung steht Kohfeldt bereits bevor: Er muss in Abstimmung mit Sportchef Frank Baumann einen Kader für die nächste Saison zusammenstellen. Einen, der so gut ist, dass Werder nicht mehr in Abstiegsnot gerät. "Ich bin mir absolut sicher, dass wir zum Saisonstart eine sehr schlagkräftige Mannschaft zusammen haben werden", betonte Kohfeldt nach dem Spiel gegen Leverkusen. Leicht wird diese Aufgabe allerdings nicht, denn das Bremer Personal-Karussell hat längst Fahrt aufgenommen. Und die Frage ist: Wie viel Kontrolle hat er wirklich darüber, wer bleibt und wer geht?

"Klare Vorstellung, wie wir die Mannschaft sehen wollen"

Bisher hatte man Florian Kohfeldt stets als eloquenten, sympathischen Trainer wahrgenommen, der sich immer vor "seine Jungs" stellte und ein neues "Wir-Gefühl" in der Mannschaft etablierte. Der Eindruck ist nicht falsch, doch Florian Kohfeldt ist sicher nicht einfach der nette Herr Kohfeldt, für den man ihn halten könnte. Der 35-Jährige hat einen klaren Plan, wie er spielen lassen will. Er hat eine klare Kommunikation mit den Spielern, und obwohl er Leistungsträger wie Max Kruse in seine Entscheidungen mit einbindet, lässt er nie einen Zweifel daran, wer am Ende die Entscheidung fällt. Und so dürfte ihn das Wechsel-Karussell nun auch nicht aus dem Konzept bringen. Ishak Belfodil, Thomas Delaney, Luca Caldirola – sie alle könnten Zlatko Junuzovic noch folgen, der Werder im Sommer verlässt.

"Frank Baumann und ich haben schon eine sehr klare Vorstellung davon, wie wir die Mannschaft in der nächsten Saison sehen wollen. Es entsteht immer so der Eindruck: Die Spieler wollen nicht", meinte Kohfeldt: "Aber vielleicht gibt es ja auch Spieler, wo wir nicht mehr wollen." Klare Worte. Und bei Caldirola und wohl auch bei Robert Bauer will man nicht mehr. Und bei Belfodil sorgen die streitlustigen Bemerkungen seines Beraters sicherlich für das baldige Ende der Zusammenarbeit mit Werder.

Belfodil, Delaney und Caldirola im Wechsel-Karussell

"Klar liest man so etwas nicht gerne in der Zeitung", erklärte Kohfeldt. Zuletzt wurden in der "Bild"-Zeitung sogar abfotografierte Vertragsinhalte veröffentlicht. "Die Aussagen kommen vom Berater und nicht von Ishak", fügte er hinzu. Doch völlig trennen lässt sich das natürlich nicht. Kohfeldt suchte vor dem Leverkusen-Spiel das Gespräch mit Belfodil, und der Stürmer betonte dabei, keinerlei Probleme mit der Mannschaft oder mit ihm, dem Trainer, zu haben. Beldfodil stand im Kader, spielte jedoch nicht. Damit wollte Kohfeldt ihn jedoch "auf keinen Fall abstrafen", stellte er klar.

Trainer Kohfeldt steht an der Seitenlinie, während die Ersatzspieler um Caldirola und Belfodil zur Auswechselbank zurückkehren.
Nicht die erste Wahl bei Werder: Caldirola (von links), Belfodil und Bauer beim Warmlaufen. Bild: Andreas Gumz

Doch der Werder-Trainer ist bei aller Freundlichkeit keiner, der sich auf der Nase herumtanzen lässt. Und auch keiner, der Geschenke verteilt. Caldirola gönnte er am Samstag keinen Abschied im Weser-Stadion, denn es sei ein normales Ligaspiel gewesen, das man gewinnen wollte. "Da kann ich nicht andere Maßstäbe ansetzen, nur weil jemand eventuell geht", sagte Kohfeldt, "Luca hat noch einen Vertrag." Delaney würde man dagegen gerne halten, doch sollte nach der WM ein lukratives Angebot kommen, wäre der Däne kaum an der Weser zu halten. Kohfeldt ist sich bewusst, dass vielleicht nicht alle Personalwünsche für die nächste Saison in Erfüllung gehen werden. Doch er wird um seine Vorstellungen kämpfen. Und er scheut sich nicht vor den mitunter unangenehmen Entscheidungen, die er in den kommenden Wochen treffen muss. "Ich mache mir das als Trainer und als Person nicht leicht", sagte Kohfeldt, "aber ich fühle mich da nicht unwohl, dass ich Entscheidungen treffen muss. Entscheidungen nicht nur darüber, ob jemand spielt oder nicht, sondern ob man weiter zusammenarbeitet oder nicht."

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  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 4. Mai 2018, 18:06 Uhr