Interview

Experte sicher: Bremer Kämna könnte Etappe der Tour de France gewinnen

Die 16. Tour-Etappe führt Lennard Kämna am Dienstag nach Nimes, dann geht es in die Alpen. Der 22-Jährige ist laut ARD-Experte Fabian Wegmann für eine Überraschung gut.

Lennard Kemna auf dem Fahrrad während der Etappe von Limoux nach Foix, bei der er am Sonntag den sechsten Platz belegte.
Bei der Etappe von Limoux nach Foix belegte Lennard Kämna den sechsten Platz. Sportschau-Experte Fabian Wegmann traut ihm am Donnerstag gar einen Etappensieg zu. Bild: DPA | 122540978
Herr Wegmann, Lennard Kämna hat mit seinem sechsten Platz am Sonntag für eine faustdicke Überraschung gesorgt. Hatten Sie ihm eine solche Leistung zugetraut?
Ja, zugetraut habe ich ihm einen solchen Erfolg schon. Lennard war schließlich auch in der Etappe zuvor lange in der Spitzentruppe dabei. Und das, obwohl er viel Arbeit für seinen Teamkameraden Michael Matthews leisten musste.
Wo liegen Kämnas Stärken?
Zeitfahren kann er auf jeden Fall. Da hat er ja auch schon einige Titel geholt. Am Sonntag hat er gezeigt, dass er auch in den Bergen richtig stark sein kann. Lennard kommt dabei zugute, dass er ein schmaler Fahrer ist. In den Bergen gilt: Je dünner, desto besser. Da spielt jedes Gramm eine Rolle.
Kämna hat 2018 eine längere Pause eingelegt. Hat ihm diese gut getan?
Geschadet hat sie ihm definitiv nicht. Der Druck auf Lennard war bereits sehr groß. Er ist ja bereits sehr früh auf einem richtig hohen Niveau gefahren und wurde als Mega-Talent gehandelt. Der Radsport ist ein sehr harter Sport. Da musst du wirklich hinter stehen. Da war es im Nachhinein sicherlich gut, dass Lennard sich noch einmal hinterfragt und am Ende für das Weitermachen entschieden hat.

Kann er eine große Karriere hinlegen?
Wie gesagt: Zeitfahren kann er definitiv. In den Pyrenäen hat er bewiesen, dass er auch ein guter Kletterer ist. Lennard muss weiterhin einen Schritt nach dem anderen gehen. Ich traue ihm aber definitiv zu, in die Richtung von Emanuel Buchmann zu gehen. Das Potenzial sehe ich absolut in ihm.
Kämna hat in den Pyrenäen überzeugt. Könnte er in den Alpen noch einen draufsetzen und vielleicht sogar einen Etappensieg holen?
Eine kleine Chance dafür sehe ich bereits am Dienstag in Nimes. Da geht es 15 Kilometer vor dem Ziel nochmal einen Berg hoch, an dem er attackieren könnte, falls er die Freigabe von seinem Team erhält. Ich gehe allerdings davon aus, dass er für Matthews wird arbeiten müssen. Dieser dürfte schließlich auch den Etappensieg holen wollen. Interessant dürfte der Donnerstag mit der Etappe von Embrum nach Valloire werden. Für Ausreisser-Truppen ist das eine tolle Etappe. Und Lennard traue ich zu, sich da ganz vorne einzureihen.
Kämna stammt aus Fischerhude bei Bremen, also vom flachen Land. Wie bereiten sich solche Fahrer am besten auf die Etappen in den Bergen vor?
Ich bin gebürtiger Münsteraner, deshalb ging es mir da früher nicht viel anders als Lennard (lacht). Die Grundlagen für die Berge werden vor allem in den Trainingslagern gelegt. Ein gern gewähltes Ziel der deutschen Fahrer ist dabei Mallorca. Außerdem kann die extreme Belastung auch zu Hause über die Hometrainer simuliert werden.

Lennard Kämna wird Etappen-Sechster bei Tour de France

Video vom 21. Juli 2019
Lennard Kämna im Interview.

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Autor

  • Karsten Lübben

Dieses Thema im Programm: buten un binnen mit Sportblitz, 21. Juli 2019, 19:30 Uhr