So schlägt sich Lennard Kämna bei der Tour de France

Der 22-Jährige aus Fischerhude bei Bremen hat die Hälfte seiner ersten Tour de France hinter sich – und freut sich extrem über den ersten Ruhetag nach zehn harten Etappen.

Lennard Kämna bei der Tour de France 2019
Lennard Kämna ist zur Halbzeit der drittbeste Deutsche bei der Tour de France. Bild: DPA | Roth/Augenklick

Einen Tag ausruhen, bevor es ab Mittwoch Richtung Pyrenäen geht: Für den jüngsten deutschen Fahrer im Feld der Tour de France kommt der Ruhetag genau richtig. Nach der zehnten Etappe am Montag von Saint Flour nach Albi in Südfrankreich, sagte Lennard Kämna im ARD-Sportschau-Interview: "Ich hatte heute Morgen als wir losgefahren sind auch richtig schlechte Beine, aber über den Tag wird es dann immer besser, und ich schaff das irgendwie. Aber ich freue mich richtig auf den Ruhetag, keine Frage." Höchstens eine Stunde wolle er am Ruhetag auf dem Rad die Beine lockern. "Mehr nicht", sagt er und lacht.

Kämna kam am Montag mit einer Minute Rückstand auf Etappensieger Wout van Aert ins Ziel. Der 22-Jährige hatte viel für seinen Teamkollegen und Sprinter Michael Matthews gearbeitet, der im Zielsprint dann aber nur als Vierter über die Linie fuhr.

Ich denke, wir haben wieder mal gezeigt, dass wir stark sind, haben viel gearbeitet, gerade im Finale. An sich können wir stolz darauf sein, was wir geleistet haben.

Lennard Kämna zum Finale der zehnten Etappe

Drittbester Deutscher im Gesamtklassement

Im Gesamtklassement hat Kämna derzeit 37:34 Minuten Rückstand auf den Führenden Julian Alaphilippe und ist damit auf Rang 59. drittbester Deutscher. Insgesamt sind elf deutsche Fahrer bei der Tour dabei. Bester Deutscher ist Emanuel Buchmann (Bora-hansgrohe) auf Rang 5.

Kämnas Aufgabe bei der Tour: Seinem Team Sunweb helfen, lernen, mitfahren, Rennhärte bekommen. Da der ursprüngliche Teamkapitän Tom Dumoulin kurz vor der Tour absagen musste, hat Sunweb keinen Anwärter auf den Gesamtsieg, mit dem Australier Michael Matthews aber einen starken Sprinter im Feld, der um Etappensiege und das grüne Trikot mitfahren kann. Mit Dumoulin hätte Kämna wohl etwas mehr Freiheiten im Rennen erhalten. Die Chance würde der deutsche Youngster auf zumindest einer Etappe gerne wahrnehmen: "Ich gehe davon aus, dass ich auch mal drankomme", sagte er im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst.

Doch ihm geht es auch um das Erlebnis Tour de France an sich. Die Teilnahme am berühmtesten und härtesten Rennen ist ein Kindheitstraum. Er will "alles aufsaugen, was drumherum passiert, ein paar schöne Erfahrungen machen."

Ich genieße jeden Moment. Mit meinen Leistungen bin ich bisher sehr zufrieden.

Lennard Kämna nach seiner ersten Woche

Für den 22-Jährigen ist der erste Start bei der Frankreich-Rundfahrt der vorläufige Höhepunkt einer Karriere, die mit vielen Vorschusslorbeeren begonnen hatte und ihm doch schon einige harte Prüfungen abverlangte. "In meinem ersten Jahr war überall eine gewisse Erwartungshaltung, aber ich war im Kopf noch nicht bereit für das Profibusiness", erinnert sich der Fischerhuder, der 2018 eine wochenlange Zwangspause einlegen musste.

Umso aufgeräumter und reifer wirkt das Ausnahmetalent inzwischen – und auch sein Potenzial hat Kämna klarer vor Augen. "Ich merke schon, dass mir Rundfahrten am besten liegen, und ich versuche, mich dahingehend zu spezialisieren", sagt der viertjüngste Starter im Tour-Peloton. Wohin das führt, lässt sich gleichwohl schwerlich prognostizieren, schließlich ist die 106. Frankreich-Rundfahrt nach der Vuelta 2017 erst die zweite Grand Tour seiner Laufbahn.

Rückblick: Porträt Lennard Kämna im Herbst 2014

Lennard Kämna Sieger der U19-WM 2014
Lennard Kämna Sieger der U19-WM 2014 Bild: imago | Panoramic International

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 16. Juli 2019, 23:30 Uhr