Interview

Kämna trainiert die Hitze: "Ich möchte nicht hinten wegfallen"

Der Bremer Radprofi peilt seine zweite Tour de France an - als Teil des deutschen Top-Teams Bora-hansgrohe. Im Interview spricht er über seine größte Schwäche, Reisestress und Erfolgsdruck.

Schatten eines Rennrades an einer Wand auf Mallorca
Mallorca gilt als idealer Trainingsstandort für Profi- und Hobbyradler. Berge, Sonne und gute Pisten. Bild: DPA | Roth/Augenklick
Es sind noch rund 6 Wochen bis zu ihrem möglichen Start bei der Tour de France. Wie sieht bis dahin die Vorbereitung aus? Stehen noch Rennen an?
Momentan bin ich auf Mallorca und versuche, etwas wettkampfspezieller zu trainieren. Vor allen Dingen bin ich hierher geflogen, um in der Hitze zu trainieren, weil das eine meiner größten Schwächen ist. Dass ich mich da ein bisschen anpasse. In zwei Wochen bei der Burgos-Rundfahrt wird es auch heiß, deswegen ist das keine schlechte Vorbereitung. Ich bin erst seit einigen Tagen da und habe es erstmal ruhig angehen lassen, gerade wegen der Hitze. Die hat mir am Anfang ganz schön den Stecker gezogen. Ich war gar nicht in der Lage, hier groß Intensitäten zu fahren. Es ging darum, sich an das Klima zu gewöhnen und das hat gut geklappt.

Es gibt bald auch Rennen, um in den Wettkampfmodus zu kommen. Das erste wird die Burgos-Rundfahrt in knapp zwei Wochen sein. Das wird der erste richtige Wettkampf nach der Corona-Pause.
Als Radprofi sind Sie immer viel unterwegs. Kommen Sie da gut mit klar oder vermissen Sie schnell Freundin und Familie?
Das viele Reisen macht mir momentan nicht so viel aus. Es ist etwas nerviger und mental anstrengender, wenn es das ganze Jahr ist, dann kann es schon aufreibend sein und dann vermisst man die Freundin und die Familie schon ein bisschen mehr. Jetzt momentan bin ich aber glücklich, dass es wieder losgeht, und dass ich mal wieder weg bin, ist gar nicht so verkehrt. Kontakt halte ich viel über Chats und Video-Anrufe.
Zu ihrem Team gehört mit Emanuel Buchmann der deutsche Rundfahrer der Stunde, der bei der Tour de France aufs Podium will. Spüren Sie als junger Fahrer extra Druck, Teil eines so starken Teams zu sein?
Ich empfinde da keinen extra Druck. Maximal mache ich mir selber ein bisschen mehr Druck in der Hinsicht, dass ich wirklich richtig, richtig fit sein möchte, weil das Team sehr, sehr stark ist, und ich da nicht hinten wegfallen, sondern ein guter Teil des Teams sein möchte. Meine Rolle im Rennen wird eine ganz normale Helferrolle sein, vielleicht habe ich hier und da mal die Chance auf eine Ausreißergruppe auf einer Überführungs- oder mittelschweren Etappe. Ansonsten wird es immer angepasst. Man schaut, wer zu welcher Zeit in der Rundfahrt wie drauf ist und welche Rolle zu welchem Fahrer gerade am besten passt.

Rad-Profi Kämna auf Mallorca: Coll dels Reis statt Ballermann

Video vom 18. Juli 2020
Lennard Kämna auf Mallorca
Bild: Lennard Kämna

Autorin

  • Maike Albrecht

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, 18. Juni 2020, 13:10 Uhr