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Coming-Out im Fußball: Ein Bremer erzählt

Heute vor fünf Jahren outete sich der ehemalige Nationalspieler Thomas Hitzlsperger als homosexuell. Eine Ausnahme im Profifußball. Ein Hobbykicker und Fanbetreuer bei Werder ist denselben Weg gegangen.

Fußballer Jermaine Greene im Interview.

Er ist der Abräumer der dritten Herren bei der TSG Seckenhausen-Fahrenhorst, südlich von Bremen. Jermaine Greene ist 32 Jahre alt und homosexuell. Vor zwei Jahren hat er sich als schwul geoutet – und geht nun mit einem Interview mit der ARD Radio-Recherche Sport an die breite Öffentlichkeit. Sein Outing vor zwei Jahren lief gut.

"Die Reaktion war eher so: Wieso gehörte ich nicht zu denen, denen du das vorher gesagt hast: Wir waren doch dicke?! Ich musste erstmal ein paar Erklärungen abgeben. Es gab keine negativen Reaktionen, eher im Gegenteil, dass das Verhältnis noch besser war, weil ich die Leute in meinen Kreis geholt habe", erzählt Greene heute.

Hitzlsperger über Greene: "Schönes Beispiel"

Thomas Hitzelsperger
Thomas Hitzlsperger freut sich über jedes Coming-Out von Fußballern. Bild: Imago | Eibner

Was Jermaine Greene gemacht hat, hat sich bis heute noch kein aktiver Profifußballer getraut. Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger hat es erst nach seiner Karriere getan. Fünf Jahre nach seinem Coming-Out sieht er Fortschritte. Das Thema Homosexualität im Fußball sei kein Tabu mehr wie damals, erzählt er und freut sich über Jermaine Greenes Schritt. "Alle, die daraus Mut schöpfen und sagen, sie trauen sich jetzt auch sich zu outen, ob das im Amateursport oder im Profisport ist, freut mich sehr, und deswegen ist das ein schönes Beispiel."

Man möchte einem gewissen Bild entsprechen, und das Bilder der Homosexualität passt nicht rein, und das ist für einen Profisportler schlimmer oder ein größeres Problemfeld als für einen Amateurkicker.

Jermaine Greene, Fanbeauftragter bei Werder und homosexuell

Jermaine Greene ist wie Hitzlsperger früher beruflich auch in der Bundesliga zu Hause – als Fanbeauftragter von Werder Bremen. In den Fankurven war seine Homosexualität bisher nie ein Problem, sagt er. Und auch nicht in der Kreisklasse. Sein privates Umfeld hat er früh eingeweiht, alle anderen erst vor zwei Jahren über die sozialen Medien. Er selbst hat lange gebraucht, sich als schwulen Mann zu akzeptieren. "Das war im ersten Moment eine Schwäche und mit einer Schwäche gehe ich nicht raus und sage: Hey, ich habe diese Schwäche. Dass es keine Schwäche ist, selbstredend. Aber ich glaube, man möchte einem gewissen Bild entsprechen, und das Bilder der Homosexualität passt nicht rein, und das ist für einen Profisportler schlimmer oder ein größeres Problemfeld als für einen Amateurkicker."

Stahmann will Thema offensiv angehen

Bremens Sport-Senatorin Anja Stahmann sieht das ähnlich. Sie hat gerade den Vorsitz der Sportministerkonferenz für zwei Jahre übernommen und will das nutzen, um das Thema Homosexualität im Fußball offensiv anzugehen. "Darüber wird wenig gesprochen. Ich glaube, dass es wichtig ist, dass man sich darüber austauscht, und dass man auch Signale sendet von Seiten der Vereine, der Öffentlichkeit, dass es okay ist, wenn Menschen schwul oder lesbisch sind. Darüber wollen wir diskutieren", so Stahmann.

Bei der TSG Seckenhausen-Fahrenhorst hat das Coming-Out von Greene gut funktioniert. Hier ist der Mittelfeld-Abräumer Jermaine Greene einfach Jimmy. "Mit ihm kannst du gut quatschen, er ist ein sehr verständnisvoller Mensch, humorvoll. Was interessiert einen da die sexuelle Gesinnung?", findet Kapitän Marco Schwanz.

Ich war positiv überrascht, dass er sich so geäußert hat. Für mich hat sich nichts geändert.

Sven Fenchl, Mitspieler von Jermaine Greene

Greenes Trainer Hauke Janssen indes hat eine Veränderung bemerkt, seit Greene sich vor zwei Jahren geoutet hat. "Das tut ihm gut. Man merkt ihm schon eine Veränderung an. Inwiefern? Er läuft nicht mehr mit einem mentalen Rucksack rum."

Seit diesem Interview mit der ARD Radio-Recherche Sport weiß es jetzt nicht nur ein kleiner Kreis. Jetzt weiß es die weite Öffentlichkeit. Ganz bewusst. "Ich möchte einfach anderen Mut machen, auch im Fußballbereich, dass ein Outing auch ganz entspannt und ziemlich cool ablaufen kann."

  • Niko Schleicher

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 8. Januar 2019, 18:06 Uhr