Bremer Sportsenatorin Stahmann zweifelt an Geisterspielen

Teile der Bevölkerung haben das Vertrauen in den Profifußball verloren, sagt Anja Stahmann. Die Grünen-Politikerin rechnet mit zeitnahen Lockerungen für Sportaktivitäten im Freien.

Blick über die Mittellinie des menschenleeren Weser-Stadions
Geisterspiele hat es im Weser-Stadion bisher noch keine gegeben. Bild: Imago | foto2press

Bremens Sportsenatorin Anja Stahmann (Grüne) sieht sich nach dem Video von Hertha-Profi Salomon Kalou in ihren Zweifeln an Geisterspielen in der Fußball-Bundesliga bestätigt. Der Spieler habe mit seinem selbstgedrehten Video der Bundesliga einen "Bärendienst" erwiesen, sagte sie am Dienstag in einer Pressekonferenz des Senats. Stahmann, die aktuell auch als Vorsitzende der Sportministerkonferenz der Länder fungiert, habe den Eindruck, dass sich in der Kabine niemand an die Hygiene-Etikette halte. Das habe sie im DFL-Konzept anders gelesen, und sie sei davon ausgegangen, dass das den Teams auch vermittelt worden sei.

Bremens Sportsenatorin Anja Stahmann von den Grünen.
Sportsenatorin Anja Stahmann betrachtet die neuesten Entwicklungen im Profifußball mit Skepsis. Bild: DPA | Nordphoto

Kalou hatte am Montag über Facebook ein Video veröffentlicht. Dies zeigte unter anderem, wie er immer wieder Mitspielern oder Vereinsmitarbeitern die Hand gab und damit gegen die von der DFL in ihrem Konzept gemachten Vorgaben verstieß. "Das Video ist viral gegangen und das nicht ohne Grund", so Stahmann. Außerdem erklärte sie, dass es nicht gerade ihr Vertrauen in die Vereine stärke, wenn sie höre, dass Spieler, die positiv auf das Corona-Virus getestet wurden, einen Maulkorb erhielten. Die Grünen-Politikerin habe einen großen Vertrauensverlust in den Profifußball festgestellt. Dieses Thema solle daher ihrer Ansicht nach die Ligachefs und Rechteanbieter mindestens genauso umtreiben wie die Frage, ob ein Geisterspiel am 15., am 23. oder am 30. Mai stattfinden könne.

Die schwierige Diskussion über Geisterspiele lebt auch davon, dass es eine höchstmögliche Transparenz in der Liga gibt. Wir hören viel Kritik aus der allgemeinen Bevölkerung und uns wird wiederholt die Frage gestellt, ob die Bundesliga in dieser Pandemie nicht die Bodenhaftung verloren hat.

Anja Stahmann, Sportsenatorin

Die Sportminister der Länder hatten in der vergangenen Woche mitgeteilt, dass Geisterspiele unter bestimmten Auflagen vorstellbar seien. "Ich bleibe aber bei meiner sich verstärkenden Skepsis, seit ich das gestrige Video gesehen habe", betonte Stahmann, die ankündigte, dass das Thema Geisterspiele am Mittwoch in der Telefonschaltkonferenz der Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erörtert werde.

Stahmann rechnet mit Lockerungen

Weiterhin geht die Sportsenatorin davon aus, dass es im Anschluss an das Bund-Länder-Treffen zu weiteren Lockerungen kommt, "was das Bewegen an der frischen Luft angeht". Aktuell sind auf Sportanlagen nur kontaktarme Sportarten wie Laufen, Tennis oder Golf erlaubt. Ihre Ausübung ist zudem nur unter den vorgegeben Kontaktbeschränkungen gestattet. "Alle Sporvereine lechzen nach Bewegung", so die Sportsenatorin. Die Botschaft der Klubs sei in jedem Fall angekommen, sagte Stahmann und kündigte an: "Wir haben gute Erfahrungen mit Eigenverantwortung gesammelt, daran wollen wir anknüpfen."

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Video vom 24. April 2020
Stephan Schiffner steht als Experte neben Moderator Felix Krömer im buten un binnen Studio.

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Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 5. Mai 2020, 18:06 Uhr