Infografik

50 Jahre "Tor des Monats" – und Werder schlenzte munter mit

557 Mal wählten die Zuschauer schon ihr Lieblingstor in der Sportschau, 23 Mal begeisterten Treffer von Werder-Profis. Jürgen Röber machte 1979 spektakulär den Anfang.

Werder-Profi Jürgen Röber steht 1979 im ARD-Studio neben Moderator Helmuth Poppen und erhält seine Auszeichnung für sein "Tor des Monats".
Studiobesuch für den Gewinner: Werder-Profi Jürgen Röber (links) wurde im Januar 1979 für sein "Tor des Monats" von ARD-Moderator Helmuth Poppen ausgezeichnet. Bild: Radio Bremen

Jeder, der sich ein bisschen für den Fußball-Sport begeistert, kennt es: das "Tor des Monats" in der Sportschau. Ein halbes Jahrhundert lang schon wird von den Zuschauern der kurioseste, spektakulärste, beliebteste Treffer gekürt.

557 Mal ist das nun schon passiert und alles war dabei: wagemutige Schüsse aus der Distanz, Volleys aus der Luft, akrobatische Fallrückzieher, kesse Heber, kühne Ecken, mutige Kopfbälle, furchtlose Sololäufe, gezirkelte Freistöße und clevere Hackentreffer. 23 Mal schoss sich dabei ein Werder-Spieler in die Herzen der meisten Sportschau-Zuschauer. Und der 50. Geburtstag des "Tor des Monats" ist nun Anlass genug, diese historischen Werder-Treffer noch einmal Revue passieren zu lassen.

"Kriegen Sie eigentlich noch Ihr Gehalt?"

Werder-Profi Jürgen Röber 1979 zu Gast im Sportschau-Studio, um den Gewinner für sein "Tor des Monats" aus großen Postsäcken zu ziehen.
Und der Gewinner ist...: ARD-Moderator Helmuth Poppen (links) mit Jürgen Röber im Studio, der aus den Postkarteneinsendungen einen Gewinner ziehen soll. Bild: Radio Bremen

Jürgen Röber machte damals den Anfang, in einer Zeit, als der Fußball noch ein wenig purer und ein bisschen dreckiger unterwegs war.

Im Dezember 1978 spielte Werder gegen den 1. FC Nürnberg und Röber schraubte sich in der 59. Minute auf der rechten Seite des Fünfmeterraums hoch und katapultierte die hohe Flanke per Seitfallzieher zum 3:1-Treffer ins Netz. Das Weser-Stadion bebte.

Es war sein Spiel, das 2:1 hatte Röber auch schon geschossen. Nur nicht ganz so spektakulär.

So schoss Jürgen Röber das 1. "Tor des Monats" für Werder Bremen

Video vom 26. März 2021
Werder-Torschütze Jürgen Röber reckt glücklich den rechten Arm hoch zum Jubel.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Dann war es natürlich Usus, dass der auserwählte Torschütze zur feierlichen Medaillenübergabe ins ARD-Studio kam, das machte Röber für sein "Tor des Monats" im Januar 1979 natürlich auch. Damals waren Fernsehauftritte aber noch harte Arbeit für Fußballer. Und die Fragen etwas sehr direkt: "Musste man das Tor so schießen?", fragte Moderator Helmuth Poppen damals gleich bei der Begrüßung und schloss mit: "Kriegen Sie eigentlich noch Ihr Gehalt?" Das lag zwar nahe nach einer zwangsverlängerten Winterpause, doch die Frage kam so frostig rüber wie das Bremer Rekord-Winterwetter mit zu viel Eis und Schnee für Profi-Fußball.

Viele tausend Postkarten und schwere Säcke

Alte Grafik beim Tor des Monats der Sportschau mit der gelben Vier und einem kleinen, gezeichneten Männchen daneben.
Der alte Sportschau-Klassiker: Die bunten Grafiken zählten Jahrelang beim "Tor des Monats" dazu. Bild: Radio Bremen

Dazwischen war Einsatz gefragt. Aus den fünf großen Jute-Säcken mit den Postkarteneinsendungen der Zuschauer musste mit Glücksfee Röber ein Gewinner ermittelt werden. Moment – Postkarten, ja, das muss man den Jüngeren wohl kurz erklären. Ein Relikt aus analogen Tagen. Ein leeres, rechteckiges Stück Pappe ohne Urlaubsmotive, auf das man die Nummer des Wunschtores schrieb, also dieses Mal die Nummer vier, dann die Adresse der ARD und eine Briefmarke aufklebte, die man noch anlecken musste. Klingt komisch, war aber so. Und tausende Fans machten Monat für Monat mit.

Röber zog also erst einmal an einem Schnürchen, das die Nummer des Postsacks ermittelte, dann schleppte er ihn persönlich herüber zu einem leeren Aquarium und schüttete die Postkarten hinein. Ohne Aufsicht des obligatorischen Ziehungsbeamten wurde Gewinner gezogen, Name und Adresse laut im Live-Fernsehen vorgelesen – damals dachte man sich noch nichts mit Datenschutz.

Wer war eigentlich dieser TED?

Nahaufnahme der Medaille, die Werder-Profi Jürgen Röber 1979 für sein Tor des Monats von der ARD erhält.
Die begehrte Medaille: Der Torschütze des "Tor des Monats" erhielt als Auszeichnung stets eine geprägte Medaille von der Sportschau. Bild: Radio Bremen

Etwas später konnten die Zuschauer dann auch über TED abstimmen, und nein, das war damals noch kein frecher, sprechender Teddy. Es war die Abkürzung für Tele-Dialog, ein Televoting-System für Abstimmungen. Ein Anruf vom Hausapparat, der in deutschen Haushalten meist an der Schnur im Flur auf einem hübsch-hässlichen Brokat-Deckchen stehend zu finden war, kostete 23 Pfennig. Der Anruf von einer Telefonzelle kostete nur 20 Pfennig. Moment, also Telefonzellen waren ... – aber das führt zu weit.

Röber machte den Anfang für Werder in diesem bis heute doch prestigeträchtigen Wettbewerb und Serge Gnabry blieb 2016 bisher der letzte, der sich die besondere Medaille für die Grün-Weißen abholen durfte. Werders Dauerbrenner Theodor Gebre Selassie kann sich an den furiosen Volleyschuss Gnabrys im Spiel gegen Borussia Mönchengladbach noch gut erinnern.

Das war ein sehr schönes Tor von Serge. Ich habe damals gedacht: Was macht er da? Warum schießt er den direkt? Aber es passte, das war ein geiles Tor.

Werder-Verteidiger Theodor Gebre Selassie

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Autorin

  • Petra Philippsen Redakteurin und Autorin

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 26. März 2021, 18:06 Uhr