Maradona in Bremen: Der Tag, als ich die "Hand Gottes" berührte

Sportblitz-Reporter Dino Bernabeo hatte 2001 als Teenager eine unvergessliche Begegnung mit Diego Maradona bei einem Auftritt bei "Wetten, dass..?". Eine Erinnerung.

Diego Maradona unterschreibt 2001 bei der Saalwette ein Trikot, das Dino Bernabeo trägt. (Archivbild)
Moment für die Ewigkeit: Der heutige Sportblitz-Reporter Dino Bernabeo (links) bekam als 14-Jähriger ein Autogramm von Diego Maradona bei "Wetten, dass..?". Bild: Imago | Teutopress

Es war im Januar 2001. "Wetten, dass..?" war in Bremen zu Gast. Ich guckte die Show mit meinen Eltern im Fernsehen, wie 15,46 Millionen andere Deutsche. Als Gast auf dem Sofa: Diego Maradona. Ein kleines Pummelchen mit pinkfarbenem Pulli und einem Stirnband. Ich war 14. Damals gab es noch kein Youtube, aber klar hatte ich Diego schon mal im Fernsehen gesehen, seine Tricks, seine Finten, seine Tore. Ich wusste, dass er wie Pelé und Beckenbauer in die Reihe der besten Fußballer aller Zeiten gehörte. Doch in den Augen meines Vaters sah ich: Diego ist der Größte von allen.

Relativ früh hat Thomas Gottschalk die Saalwette vorgestellt. Die ging ungefähr so: 'Wetten, dass es keine 50 Bremer gibt, die ein Alfred-Biolek-Kochbuch, eine Sabrina-Setlur-CD und entweder ein Trikot von Lothar Matthäus oder Diego Maradona haben.' Die vier waren Gäste an dem Abend. Mein Daddy guckte mich an und sagte zu mir: "Du gehst da hin!" Ich war unschlüssig. Was sollte ich da?

Mit Maradona-Trikot und Napoli-Schiebermütze

Gäste bei Moderator Thomas Gottschalkauf dem "Wetten, dass..?"-Sofa 2001 in Bremen: Alfred Biolek, Sabrina Setlur, Diego Maradona, Lothar Matthäus und Stefan Raab.
Illustre Gäste 2001 bei "Wetten, dass..?": Alfred Biolek (von links), Sabrina Setlur, Diego Maradona, Lothar Matthäus, Moderator Thomas Gottschalk und Stefan Raab. Bild: Imago | Teutopress

Meine Ma drückte mir ein Kochbuch und eine CD in die Hand, mein Vater kramte ein altes Neapel-Trikot aus dem Schrank. Werder Bremen hatte den SSC Neapel 1989 im Achtelfinale des UEFA-Cups rausgeworfen. Das Trikot war aus der Zeit, aus Baumwolle, mit Diegos Nummer 10 hinten drauf – es war perfekt. Dazu setzte mir meine Mutter noch eine hellblaue Napoli-Schiebermütze auf den Kopf, mein Vater fuhr den Wagen vor und zehn Minuten später stand ich alleine vor der Stadthalle. 

Ich ging zum Hintereingang und klopfte. "Wie alt bist du?", fragte mich ein Mann. Ich sagte: "14". Der Mann zögerte. Nach 22 Uhr dürften keine Jugendlichen unter 16 Jahren im TV auftreten, erklärte er mir. Die Saalwette kam immer ganz am Schluss der Sendung und ein Markenzeichen von "Wetten dass..?" war, dass sie die Sendezeit regelmäßig überzog. Doch ich war der erste Bremer mit einem Maradona-Setlur-Biolek-Ensemble und so sagte der Typ: "Komm rein". Ich wartete hinter den Kulissen. Insgesamt kamen noch 13 weitere Leute.

Saalwette verloren, aber Autogramm bekommen

Diego Maradona wischt sich bei einem Auftritt der Sendung "Wetten, dass..?" mit einem Tuch den Schweiß von der Stirn.
Schweißtreibender Auftritt in der Bremer Stadthalle: Diego Maradona. Bild: Imago | Sven Simon

Die Frau hinter der Bühne verteilte Mikrofone an die Leute, die auf der Bühne mit Gottschalk sprechen sollten. Drei Typen aus dem Umland, die sich ganz witzig fühlten, bekamen eins. Sie hatten sich kurzfristig das aktuelle argentinische Nationaltrikot beflocken lassen. Einer mit "Diego", einer mit "Armando" und der Dritte mit "Maradona". Haha. Ich hatte das Shirt an, mit dem er im Weser-Stadion zwölf Jahre zuvor mit 1:5 baden gegangen ist. Ich durfte nichts sagen. Das ärgerte mich. Aber ich war ja erst 14. Gegen 23 Uhr gingen wir auf die Bühne.

Das Publikum klatschte, Gottschalk witzelte, die drei Typen drehten sich nacheinander um. Maradona lachte. Die Saalwette ging trotzdem verloren. Gottschalk winkte die Gäste heran. Sie sollten den 14 Bremern wenigstens noch ein paar Autogramme geben. Diego Maradona kam zu mir. Gab mir die Hand und kniete sich vor mich. Er sagte nichts, aber unterschrieb sehr sauber, ganz zentral vorne auf das hellblaue Neapel-Trikot.

Lothar Matthäus bekommt eine Abfuhr

Diego Maradona und Lothar Matthäus posieren auf dem Sofa der Sendung "Wetten, dass..?" aus Bremen.
Fußball-Stars unter sich: Diego Maradona (links) mit Rekordnationalspieler Lothar Matthäus bei "Wetten, dass..?" im Januar 2001 in Bremen. Bild: Imago | Teutopress

Ich bilde mir noch heute ein, dass wenigstens er gecheckt hat, dass er in diesem Trikot hier in Bremen mal gespielt hat. Dann kam Lothar Matthäus. Er unterschrieb auch auf den Argentinien-Trikots bei den drei Typen aus dem Umland und wollte gerade bei mir ansetzen. Da winkte ich ab. "Nein, danke", sagte ich ihm. Der deutsche Rekordnationalspieler sollte mir nicht mein Maradona-Trikot kaputt machen.

Obwohl es gar nicht 'mein' Trikot ist, sondern eigentlich meinem älteren Bruder gehört. Aber diesen Streit haben wir inzwischen beigelegt. Es ist sein Trikot gewesen, aber ich habe es veredelt, also gehört es 'uns'. Das unterschriebene Shirt hängt momentan eingerahmt bei ihm im Wohnzimmer. Neuerdings garniert mit einem Foto. Ich habe vor ein paar Monaten im Netz nach dem Auftritt bei "Wetten, dass..?" gesucht. Inzwischen gibt es bei Youtube ja fast alles. Ich bin aber nur über zwölf Bilder bei einer Foto-Datenbank gestolpert. Viele Nahaufnahmen von Diego, er mit Lothar, auf dem Sofa. Und ein Foto, wo er einem Jungen mit Neapel-Trikot und hellblauer Schiebermütze kniend ein Autogramm gibt – mir. 

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  • Dino Bernabeo Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Die Rundschau, 26. November 2020, 8 Uhr