Diese Bremerhavenerin will Japans Fußball-Liga rocken

Bild: Radio Bremen

Bei Werder war Cindy König das weibliche Pendant zu Claudio Pizarro: Rekordtorschützin. Nun hat sie sich ins Abenteuer beim Erstliga-Klub in Sagamihara gestürzt.

An die Wolkenkratzer und die Häuserschluchten in Sagamihara musste sich Cindy König erst einmal gewöhnen. Mit ihren 28 Jahren hat die Bremerhavenerin das 113.000-Einwohner-Städtchen an der Nordseeküste eingetauscht gegen die 700.000-Einwohner-Großstadt auf der Hauptinsel Japans.

"Das war ein kleiner Kulturschock, muss ich ehrlich zugeben", erzählt König dem Sportblitz bei einer Stippvisite in der Heimat. Ihre Welt ist der Fußball und 13 Jahre lang war diese Welt bei Werder Bremen.

"Ausland war schon immer mein Traum"

Ex-Werder-Spielerin Cindy König strahlt beim Interview auf dem Deich in Bremerhaven.
Cindy König war auf Stipvisite zu Hause in Bremerhaven. Bild: Radio Bremen

Seit 2007 hatte König an der Weser gespielt, doch 2020 wollte sie ihren Horizont erweitern und wechselte zum portugiesischen Erstligisten Sporting Braga.

Aber es reizte sie der ganz große Sprung und so stürzte sie sich im vergangenen Sommer ins Abenteuer Japan.

Das war tatsächlich immer schon mein Traum, im Ausland professionell Fußball zu spielen. Aber ich hatte keine Ahnung, was da auf mich zukommt.

Cindy König im Gespräch mit dem Sportblitz

Bessere Bezahlung im Frauen-Fußball

Fremde Sprache, neue Kultur – und der nächste Kulturschock, allerdings im Positiven: Denn hier werden weit höhrere Gehälter im Frauen-Fußball gezahlt als in Deutschland.

Schön, zu sehen, dass es Anerkennung in Japan gibt und die Spielerinnen professionell bezahlt werden, dass sie davon leben können.

Cindy König im Gespräch mit dem Sportblitz

Zum japanischen Erstliga-Klub Nojima Stella Kanagawa Sagamihara gehört König nun und ist nur eine von zwei ausländischen Spielerinnen im Team. Das macht neugierig. "Anfangs wurde ich gefragt, ob es stimmt, dass ich zwei Mal Torschützenkönigin war in der 2. Liga in Deutschland und dass ich so lange bei so einem großen Verein gespielt habe", erzählt sie. Zwischen 2013 und 2015 hatte König tatsächlich zwei Mal die Torjägerinnen-Krone geholt.

Sportlich läuft es noch nicht

Ex-Werder-Spielerin Cindy König in Aktion in einem Spiel in der japanischen Fußball-Liga.
Bisher konnte Cindy König ihr Können auf dem Fußballplatz noch nicht richtig zeigen. Bild: Radio Bremen

In insgesamt 208 Pflichtspielen schoss sie 99 Tore für Werder, das ist nach wie vor Vereinsrekord. Man könnte also sagen, König ist so etwas wie das Pendant zu Claudio Pizarro im Frauen-Fußball. Doch in Sagamihara will es bisher noch nicht so rund laufen: Meist sitzt König auf der Bank.

Sechs Einsätze in neun Spielen hatte sie bisher, ihr Klub ist Vorletzter. Die Stadien in Japan sind deutlich größer, das sportliche Niveau jedoch noch nicht so hoch wie hierzulande. Ein halbes Jahr lang läuft ihr Vertrag mit Nojima noch und eigentlich würde König gerne noch etwas länger bleiben. Nicht nur, weil sie bereits erste Worte auf Japanisch beherrscht. Das Abenteuer war es wert.

Ich nehme diese Erfahrung fürs Leben mit, die kann mir keiner nehmen. Und ich bin ein Stückweit stolz, dass ich diesen Schritt gemacht habe.

Cindy König im Gespräch mit dem Sportblitz

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Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 18. Januar 2022, 18:06 Uhr