Interview

Nur die DEL ist weiter auf Eis gelegt: Das sagt der Pinguins-Kapitän

Fußball, Basketball, Handball – überall geht trotz Corona der Spielbetrieb wieder los. Nur beim Eishockey nicht. Mike Moore aus Bremerhaven über die schwierige Lage der Profis.

Seit 2016 spielt Mike Moore bei den Fischtown Pinguins, der 35-jährige Kanadier ist der Kapitän des Bremerhavener Eishockey-Teams. Moore hat in seiner Karriere schon viel erlebt, doch auch für ihn ist die Corona-Pandemie eine völlig neue Herausforderung. Lange sieben Monate sind seit dem letzten Heimspiel der Pinguins inzwischen vergangen, die Playoffs wurden im März abgesagt und damit der Rest der Saison. Die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) kam abrupt zum Stillstand und liegt bis heute auf Eis.

Während im Fußball, Handball oder Basketball bereits die neuen Spielzeiten gestartet wurden, hängen die Eishockey-Profis weiter in der Warteschleife. Kaum eine Liga ist bei der Finanzierung so auf Zuschauereinnahmen angewiesen wie die DEL. Da mit der Politik keine Einigung für finanzielle Unterstützung erzielt werden konnte, wurde der Saisonstart erneut verschoben. Vor Dezember fliegt kein Puck übers Eis – am Montag einigte sich etwa die Hälfte der DEL-Klubs auf ein Turnier im November, doch vom echten Saisonstart scheint man meilenweit entfernt zu sein.

Wie die Profis mit dieser schwierigen Situation umgehen und worin die Hoffnung für den Neustart besteht, erzählt Moore im Interview mit dem Sportblitz.

Mike Moore von den Fischtown Pinguins
Mike Moore ist seit vier Jahren Kapitän der Fischtown Pinguins und das Gesicht der Mannschaft. Bild: DPA | Gladys Chai von der Laage
Mike Moore, Ihre Sportart liegt quasi als einzige noch auf Eis. Wie frustrierend ist das?
Wir können das nicht ändern. Und klar ist es frustrierend, wenn man sieht, dass es in anderen Sportarten jetzt irgendwie weitergeht und bei uns nicht. Aber Eishockey ist ein bisschen anders, bei den DEL-Klubs sind die Probleme komplexer. Und jeder Klub hat seine eigenen Probleme, die gelöst werden müssen. Aber wir hoffen, dass vielleicht Lösungsansätze aus den anderen Sportarten helfen können, dass es auch bei uns bald weitergeht.
Der Saisonstart der DEL wurde gerade erneut verschoben. Vielleicht geht es erst vor Weihnachten wieder los.
Ja, man kann das als gutes Zeichen sehen, denn sie versuchen ja, die Saison stattfinden zu lassen und sie nicht abzusagen. Sie stecken Arbeit hinein. Aber jedes Mal, wenn der Start wieder verschoben wird, denkt man auch: 'Oh nein, vielleicht klappt es doch nicht mehr.'
Während dieser Zeit hat sich eine Spielergewerkschaft gegründet. Sie hat unter anderem kritisiert, dass die Saison ohne konkreten Starttermin verschoben wurde. Gehen Sie da mit?
Ich war in Nordamerika damals in der Spielergewerkschaft aktiv, das ist eine gute Sache. Wenn die Spieler mit einer Stimme sprechen, hat das großen Einfluss. Und gerade, wenn wir unsere Sichtweise einbringen können, ist das genauso wichtig. Wenn die Spielergewerkschaft mit der Liga zusammenarbeitet und wir eine Lösung finden, wäre uns allen geholfen. Gesunde Kritik ist gut, sie motiviert. Und so lange wir alle die gleichen Ziele haben, werden wir sie auch erreichen – und bestenfalls wieder spielen.
Der Kapitän der Fischtown Pinguins Mike Moore.
Gerne in Bremerhaven unterwegs, aber erstmals so viele Monate am Stück: Pinguins-Kapitän Mike Moore. Bild: Radio Bremen
Mit dem Spielbetrieb dauert es also noch – wie erleichtert sind Sie, dass die Fischtown Pinguins in Kurzarbeit sind?
Das ist wirklich ein gutes Programm und hilft uns sehr. Natürlich wollen wir alle spielen, aber so lange das nicht geht, ist es toll, dass wir und unsere Familien von diesem System unterstützt werden. Wir können uns wirklich glücklich schätzen, dass es das in Deutschland gibt und uns erlaubt, unsere Leben weiterzuführen. Wir sind da wirklich privilegiert, nicht überall gibt es ja so ein System, bei dem sich umeinander gekümmert wird.
Wie schwierig waren die vergangenen sieben Monate für Sie persönlich?
Es ist hart, keine Frage. Aber wenn man sich den Kontext klarmacht, dann rückt das die eigene Perspektive zurecht: Wir stecken da alle gemeinsam drin. Ich versuche, positiv zu bleiben. Wir können die Lage nicht ändern und wenn man zu viel drüber nachdenkt, dann überwältigt es dich und mental laugt es dich aus. Ich habe versucht, eine neue Routine für den Alltag zu finden.
Wie haben Sie das gemacht?
Ich habe mir Hobbys gesucht, um mich abzulenken. Ich bin zum Beispiel meine alten Bücher vom College durchgegangen. Damals hatte ich Ingenieur-Kurse belegt, das ist wirklich schon lange her (lacht), aber ich habe mein Wissen aufgefrischt. Aber falls in Zukunft mal ein Job auf mich wartet, bin ich wieder vorbereitet. Außerdem haben wir ja noch unseren 13 Monate alten Sohn Huxley, der hat uns ganz schön auf Trab gehalten. So lange waren wir tatsächlich noch nie am Stück in Bremerhaven.
Kapitän der Fischtown Pinguins Mike Moore mit seiner Familie vorm Weihnachtsbaum
Happy family: Die Moores mit ihrem kleinen Sohn Huxley. Bild: Radio Bremen
Die Kurzarbeit bedeutet auch, dass Sie und die Mannschaft nicht trainieren dürfen. Was ist denn erlaubt?
Ja, das Traning, die Spiele, selbst die Fahrten zu den Auswärtsspielen fehlen. Alles, was das Teamleben ausmacht, findet nicht statt. Aber wir haben Glück, dass wir ein Fitnessstudio benutzen dürfen. Es ist nicht das größte, daher sind wir nicht alle gleichzeitig dort. Wir haben uns zweimal auf Corona testen lassen, daher können wir uns dann zumindest im gleichen Bereich aufhalten, wenn wir uns sehen. Wir versuchen alles, um gesund zu bleiben, tragen Masken. Man kann sich zumindest etwas austauschen und wir versuchen, bereit zu sein, wenn es wieder los geht.
Was vermissen Sie im Moment besonders?
Man vermisst die Nervosität vor einem Spiel, die Aufregung während des Spiels und das Wissen, dass man sich auf die Teamkollegen verlassen muss, um gemeinsam zu gewinnen. Es gibt nicht viele Bereiche im Leben, in denen man diese Intensität spürt, in denen das Herz in drei Mal 20 Minuten so rast – ach, ich merke schon diese Energie, wenn ich nur darüber rede! Und diese Spannung hatten wir jetzt seit sieben Monaten nicht mehr. Ich vermisse es, Eishockey ist einfach meine Leidenschaft.

Das Interview wurde geführt von Niko Schleicher und aufgezeichnet von Petra Philippsen.

Saisonstart erneut verschoben: Das sagen die Fischtown Pinguins

Video vom 4. Oktober 2020
Der Geschäftsführer der Fischtown Pinguins, Hauke Hasselbring, im Sportblitz-Studio
Hauke Hasselbring ist Geschäftsführer der Fischtown Pinguins aus Bremerhaven. Bild: Radio Bremen

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Autor

  • Niko Schleicher Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen mit Sportblitz, 11. Oktober 2020, 19:30 Uhr