Eggestein: "Habe immer versucht, an meine Stärken zu glauben"

Werders Aufsichtsratsboss Marco Bode lobt Maximilian Eggestein als Überraschung der Hinrunde. Im Sportblitz-Interview spricht Eggestein über seinen Lauf.

Werderspieler Maximilian Eggestein
Maximilian Eggestein, Aufsichtsratsboss Marco Bode hat Sie gerade als Überraschung der Hinrunde gelobt und dass ihn Ihre Entwicklung besonders beeindruckt hat. Freut Sie das?
Klar freut mich das. Aber ich weiß, dass es eine Momentaufnahme ist. Es ist schön, dass es zuletzt so gut für mich gelaufen ist, aber ich muss es jetzt in der Rückrunde wieder beweisen. Wir müssen als Mannschaft zeigen, dass wir in der Tabelle dort nicht hingehören, und dazu will ich meinen Beitrag leisten.
Besonders hängengeblieben sind Ihre furiosen Laufleistungen der letzten Wochen. Sogar die 14 Kilometer Bestmarke der Liga haben Sie geknackt. Sind Sie auf einmal ein Laufwunder?
Also, ich nehme mir nicht vorher vor, so viel zu laufen. Aber ich spiele jetzt meist auf der Position Acht und da kann ich mich etwas mehr entfalten. Als Sechser musste ich immer diszipliniert hinten bleiben. Aber jetzt sind mehr tiefe Läufe dabei und das bringt dann die Kilometer.
Maximilian Eggestein beim Pressegespräch in Alicante.
Maximilian Eggestein wechselte im Juli 2011 zu Werder Bremen und begann in der U17. Bild: Andreas Gumz
Aber die 14 Kilometer in einem Spiel hat sonst niemand in der Liga geschafft…
Ich erinnere mich, das war das Spiel gegen Leverkusen – das war nicht unser bestes Spiel, und wir hatten nicht so viel Ballbesitz. Vielleicht lag es daran, dass wir mehr laufen mussten. Und ich habe in dem Spiel auch auf verschiedenen Positionen gespielt und musste sehr viel gegen den Ball arbeiten – vielleicht lag es daran, dass es am Ende 14 Kilometer wurden.
Diese neue, laufintensive Spielweise von Trainer Florian Kohfeldt mit viel Gegenpressing – kommt Ihnen die entgegen?
Ich denke schon. Und wir haben einige Spieler in der Mannschaft, die viel laufen können. Wir haben unter Alexander Nouri viel in dem Bereich gearbeitet und dementsprechend sind wir fit. Und ich muss sagen: Mit dem Ball und gegen den Ball – weil man ihn ja schnell wiederhaben will – laufe ich gerne. Aber außerhalb des Fußballs bin ich jetzt nicht der Läufertyp (lacht).
Wenn Sie schon kein Läufertyp sind, dann sind Sie zumindest ein erstaunlich ruhiger Typ, der sehr abgeklärt für sein Alter wirkt.
Das höre ich oft und es freut mich dann, aber ich kann auch unruhig sein – das bekommen nur nicht so viele mit. Ich versuche, mir nicht so viel Druck zu machen. Das ist mein Anspruch. Ich war mir immer ziemlich sicher, dass, wenn ich an mir arbeite, die nächsten Entwicklungsschritte kommen werden.
Maximilian Eggestein
Wieder fit: In Algorfa lag Maximilian Eggestein einen Tag mit Magenproblemen flach. Bild: Andreas Gumz
Das ist ein gutes Stichwort. Sie sind ruhig geblieben, als es nicht so lief. Sie spielten bei den Profis, mussten dann zurück in die U23 und sind wieder bei den Profis. Wie war das für Sie?
Ich habe immer versucht, an meine eigene Stärke zu glauben. Auch, wenn das oft nicht ganz einfach war. Und ich habe daran geglaubt, dass ich ein Spieler bin, der in der Bundesliga spielen kann. Aber ich wusste auch, dass ich an gewissen Dingen noch arbeiten muss. Das habe ich mir während der Zeit bei der U23 vorgenommen, und dort habe ich viel Spielpraxis bekommen. Und rückblickend war es ein wichtiger und richtiger Schritt für mich, der mich wieder dorthin zurückgebracht hat, wo ich schon einmal war.
Sind Sie in dieser Hinsicht ein Vorbild für Ihren Bruder Johannes? Geben Sie ihm Ratschläge?
Ich würde sagen, dass mein Bruder eigentlich noch ruhiger ist als ich. Ich sage ihm immer, dass er sich nicht zu sehr von äußeren Dingen beeinflussen lassen und sich nicht zu viel Druck machen soll. Alles kommt mit der Zeit. Aber der Schritt von der Jugend zum Herrenbereich ist doch relativ groß. Und gerade in seinem Fall wurde das ziemlich unterschätzt. Man sollte ihm einfach die Zeit geben, dann wird er seinen Weg machen.
Maximilian Eggestein am Ball beim Training in Alicante.
Engagiert und laufstark: Eggestein beim Training in Algorfa. Bild: Andreas Gumz
Als es nicht so gut lief, haben Sie da auch mal überlegt, den Verein zu wechseln, um in der Bundesliga spielen zu können?
Man muss schon ehrlich zu sich selbst sein und irgendwann kommen solche Gedanken schon auf. Aber ich war mir immer sicher, dass ich hier meinen Weg machen möchte und es den Leuten zeigen möchte, dass ich mich hier durchsetzen kann und in der Bundesliga spielen kann. Das freut mich, dass das gelungen ist.
Sie sind sich in vielen Dingen sicher – auch mit Werders Klassenerhalt?
Ja, auf jeden Fall. Wir sind uns da als Team einig, und wir haben einen klaren Plan. Wenn wir hart arbeiten, dann wird der in Erfüllung gehen.

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  • Dino Bernabeo

Dieses Thema im Programm: buten un binnen mit Sportblitz, 7. Januar 2018, 19:30 Uhr