Wildes Werder-Spektakel: "Das war maximal dumm von uns"

Acht Tore und ein packendes Hin und Her – das Freitagabendspiel in Wolfsburg hatte es in sich. Doch Werder-Trainer Kohfeldt wusste, warum es mit 3:5 verloren ging.

Theodor Gebre Selassie enttäuscht nach dem Spiel auf dem Rasen mit dem Trikot vors Gesicht gezogen.
Erster Rückschlag nach sieben Spielen ohne Niederlage: Werder kassierte ein 3:5 in Wolfsburg. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Das gewaltige Gebrüll von Wout Weghorst schien noch lange nach dem Abpfiff durch die leeren Zuschauerränge der Wolfsburger Arena zu echoen. "Ich hab's doch gesagt!", brüllte der wuchtige Stürmer martialisch heraus, als er im Torrausch die Eckfahne malträtierte.

Zwei Treffer mit Ansage – Weghorst erlebte mit Wolfsburg einen "wunderschönen Abend", der mit 5:3 endete. Auf Seiten der Bremer sah die Gefühlslage nach dem wilden Spektakel am Freitagabend natürlich deutlich abgekühlter aus.

Das war maximal dumm von uns, dass wir heute hier nicht gewonnen haben. Die Möglichkeiten waren mehr als da, das zu gewinnen. Ich ärgere mich brutal. Als Trainer dreht man natürlich durch, wenn man sieht, was möglich gewesen wäre.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt

Werder wackelt wieder in der Defensive

Florian Kohfeldt gestikuliert in Wolfsburg an der Seitenlinie, die andere Hand in der Hosentasche.
Musste in Wolfsburg viele Fehler seiner Defensive mitansehen: Werder-Coach Florian Kohfeldt. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Woran es gelegen hatte, dass Werders Serie nach fünf 1:1-Remis in Folge und sieben Spielen ohne Niederlage gegen Wolfsburg gerissen war, schien für Werder-Coach Florian Kohfeldt schnell erklärt: "Die Analyse ist heute, glaube ich, ziemlich einfach. Wir haben schlecht verteidigt, daran hat es gelegen."

Von seinen Spielern gab es bei dieser Analyse keinen Widerspruch, im Gegenteil. "Wir haben es verschenkt", ärgerte sich Innenverteidiger Ömer Toprak: "In den entscheidenden Szenen waren wir zu spät oder nicht da." Defensivmann Marco Friedl monierte: "Wir haben uns selbst geschlagen. Wir haben zu Zeitpunkten und auf Art und Weisen Tore kassiert, wie es nicht passieren darf." Und auch Leonardo Bittencourt brachte es auf den Punkt: "Wenn du auswärts drei Tore machst, dann solltest du schon mehr mitnehmen als gar nichts."

"Bin schon sehr sauer über die Niederlage"

Die in dieser Saison eigentlich recht stabile Bremer Defensive hatte gegen Wolfsburg erstaunlich viel zugelassen. Ridle Baku in der 22. Minute, John Anthony Brooks (25.), Wout Weghorst (37. und 76.) und Bartosz Bialek (90.+5) nutzten ihre Chancen eiskalt.

Die Zuschauer haben ein schönes Fußballspiel gesehen. Mir hat's nicht so gut gefallen. Es muss halt auch mal wehtun im Zweikampf und das haben wir heute weggelassen. Ich bin schon sehr sauer über die Niederlage, wir müssen uns an die eigene Nase fassen.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt beim Streamingdienst Dazn

Niederlagen mag Kohfeldt noch weniger als dauernde 1:1-Ergebnisse, das gestand er ein. Doch mit dieser musste der ehrgeizige Bremer Coach leben und wollte an diesem Abend auch nicht nur schwarz sehen: "Die Leidenschaft ist total dagewesen. Wir haben die Riesenchance auf das 4:3 (durch Bittencourt), da müssen wir das Spiel in unsere Richtung biegen. Ich nehme ein paar gute Sachen mit." Dazu zählt auch, dass der Fast-Absteiger der vergangenen Saison mit elf Punkten immer noch ein kleines Polster auf den Tabellenkeller hat. Und Kohfeldt überzeugt ist, dass "das Polster bis Weihnachten halten" wird.

Werder-Coach Kohfeldt: "Die Fußball-Fans hatten Spaß. Ich nicht"

Video vom 28. November 2020
Florian Kohfeldt sitzt vor der Werbewand in Wolfsburg bei der Pressekonferenz nach dem Spiel.
Bild: Radio Bremen

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Autorin

  • Petra Philippsen Redakteurin und Moderatorin und Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Die Fußball-Bundesliga, 27. November 2020, 20:30 Uhr