3 Gründe, warum Werder wieder da ist

Lange schien es, als würde sich Werder fast kampflos dem Abstieg hingeben. Doch seit zwei Spielen tritt das Team endlich als Einheit auf. Spät, aber noch rechtzeitig?

Florian Kohfeldt überwacht das Training, während zwei Spielern in der Unschärfe vor ihm sprinten.
Einer für alle, alle für einen: Seit dem Auswärtsspiel in Freiburg ziehen bei Werder endlich alle an einem Strang. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Zwischen Werders Auftritten gegen die Top-Klubs Leverkusen und Mönchengladbach lagen gerade einmal acht Tage. Und doch erinnerte am Dienstagabend im Weser-Stadion nichts mehr an die trostlose Bremer Leistung beim 1:4 gegen Bayer. Dort hatte sich der Tabellen-17. noch nahezu ohne Gegenwehr ergeben, gegen die Borussia stand dagegen eine Mannschaft auf dem Platz, die 90 Minuten lang um jeden Zentimeter auf dem Rasen kämpfte und am Ende sogar mehr verdient gehabt hätte als das 0:0.

Doch warum liefert die Kohfeldt-Elf erst jetzt eine solche Leistung ab? Warum hat man erst jetzt das Gefühl, dass das Team den Ernst der Lage erkannt hat und sich endlich als Einheit gegen den Sturz in die Zweitklassigkeit stemmt? Es scheinen drei Dinge zu sein, die die Profis vielleicht doch noch rechtzeitig wachgerüttelt haben.

1 Lebendig statt blutleer

Auch Bremens Trainer Florian Kohfeldt war die leblose Darbietung gegen Leverkusen nicht entgangen. Zwar stellte er sich danach öffentlich erneut vor seine Spieler, doch intern scheint Kohfeldt anders gesprochen zu haben. Denn es war gegen Gladbach schon sehr auffällig, wie sehr auch die Ersatzspieler und Team-Betreuer auf der Tribüne mitfieberten und die Mannschaft auf dem Platz lautstark unterstützten. "Es ist keine Anordnung von mir: Jetzt alle eine Kutte an und auf die Ersatzbank. Das muss vom Inneren kommen", sagte Kohfeldt: "Wir haben es geschafft, jetzt in die ganze Truppe Leben reinzubringen."

2 Ärger schweißt zusammen

Im sonst so ruhigen Bremen krachte es nach dem 1:4 gegen Leverkusen gewaltig. Ex-Spieler wie Dieter Burdenski und Rune Bratseth attackierten Trainer Kohfeldt und die Bremer Führungsriege, der Coach und Geschäftsführer Frank Baumann reagierten öffentlich. Es war richtig was los am normalerweise beschaulichen Osterdeich. Doch Kohfeldt scheint es gelungen zu sein, durch diese Unruhe die Reihen geschlossen zu haben. Schon beim 1:0 in Freiburg am Samstag zeigte das Team endlich Abstiegskampf - mit Betonung auf Kampf.

3 Endlich richtig fit

Blick von oben auf das Werder-Training und sprintenden Spieler in der Unschärfe.
Das Fitnessprogramm während der Corona-Pause trägt Früchte: Werders Laufleistungswerte haben sich sichtlich gesteigert. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Der Sieg in Freiburg war ein Brustlöser und für das stark angeknackste Selbstvertrauen enorm wichtig. Nach nur einem Sieg aus den vorausgegangenen 13 Spielen war der Glaube an die Rettung futsch. Jetzt ist er wieder da. Auch, weil die Mannschaft körperlich in einem ganz anderen Zustand ist als vor der Corona-Pause. Gegen Gladbach waren es die Bremer, die in der Schlussphase auf den Sieg drängten. "Es hat sich bestätigt, dass wir körperlich auf einem anderen Level sind als vor der Pause. Das ist wichtig, weil wir so auch wieder zu unserem Spiel finden können", sagte Kohfeldt.

Das neue Wir-Gefühl gilt es nun zu behalten, schon am Samstag steht auf Schalke die nächste wichtige Partie an. "Mentalität und Physis müssen unbedingt genauso weiter gehen. Wir haben jetzt noch sieben Endspiele", sagte Kohfeldt: "Es sind noch vier Wochen, da werden wir alles reinstecken. Und dann bin ich überzeugt davon, dass es am Ende reicht."

So klang Werder "unplugged" am Weser-Stadion

Video vom 27. Mai 2020
Der Himmel hinterm Weserstadion ist gelb. Einige Personen spazieren an der Weser.

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Dieses Thema im Programm: ARD, Sportschau, 26. Mai 2020, 23 Uhr