Werder-Stürmer Selke: Wird er sein Flop-Image noch los?

Er kam als Retter und wurde zum teuren Missverständnis: Davie Selke will zur neuen Saison nochmal angreifen. Doch ist im System Kohfeldt überhaupt Platz für ihn?

Davie Selke steht frustriert mit den Händen in die Hüften gestützt auf dem Spielfeld zwischen seinen enttäuschten Kollegen.
So hatte sich Davie Selke (Mitte) die Rückkehr nach Bremen nicht vorgestellt: Nur im Pokal-Spiel gegen Dortmund traf der Stürmer das einzige Mal für Werder. Bild: Cathrin Mueller/M.i.S.//Pool/via Gumzmedia/Nordphoto

Im Januar war am Ende alles rasend schnell gegangen. Davie Selke unterschrieb bei Werder, packte innerhalb von zehn Minuten seine Klamotten zusammen, wurde im Privatjet nach Bremen geflogen, um nachmittags beim ersten Mannschaftstraining dabei zu sein und am Tag darauf gleich gegen den FC Augsburg mitzumischen. Selke als Retter. Er sollte Werder aus der Krise führen, mit seiner Präsenz im gegnerischen Strafraum die Torflaute beenden und die Teamkollegen aus ihrer Lethargie reißen. Doch nichts davon klappte. Selke wurde zum großen Missverständnis.

Nun packt Selke wieder seine Sachen, allerdings nicht, um nach Berlin zurückzukehren. Sondern um aus dem Parkhotel aus- und in seine neue Bremer Bleibe einzuziehen. Denn obwohl Selke bei Werder im Grunde abgemeldet ist nach null Toren und null Assists in der Liga, nicht einmal mehr zum Joker taugte und sogar in beiden Relegationsspielen gegen Heidenheim keine Minute spielte, ist eines klar: Hertha nimmt seine Leihgabe auf keinen Fall zurück. Mehr noch: Im kommenden Sommer, sollte Werder dann nicht abgestiegen sein, müssen die Grün-Weißen eine kolportierte Summe von bis zu 12,5 Millionen Euro für Selke bezahlen. Ein sehr kostspieliges Missverständnis.

"Brauche keine Kampfansagen"

Doch so trostlos die Lage für Selke derzeit auch ist, er selbst will sich gegen das Flop-Image wehren und zur Saisonvorbereitung noch einmal neu angreifen.

Ich lasse nicht zu, dass das Kapitel mit Werder Bremen und mir nicht aufgeht. Ich brauche keine Kampfansagen. Ich weiß, was ich imstande bin zu leisten, wenn ich zu 100 Prozent fit bin.

Werder-Stürmer Davie Selke in der "Sport-Bild"

Damit das gelingt, schuftete Selke nun mit einem eigenen Fitnesstrainer eine Woche lang im Urlaub in Extraschichten. Den Willen zur Besserung kann man Selke zumindest nicht absprechen. Ob es reichen wird, muss sich ab der kommenden Woche allerdings zeigen, wenn Werders Trainingsbetrieb wieder startet. Selke hatte in der Rückrunde die von ihm erhoffte Spritzigkeit gefehlt, er wirkte oft unglücklich in seinen Aktionen, traf im Spiel mitunter falsche Entscheidungen. Bisher blieb Selke ein Fremdkörper in der Bremer Mannschaft und hat nun zudem jede Menge Konkurrenz im Sturm. Niclas Füllkrug ist nach seinem Kreuzbandriss wieder fit und auch Joshua Sargent kam in der Rückrunde immer besser in Form.

Ist überhaupt Platz für Selke im Kohfeldt-System?

Davie Selke steht nach dem Spiel verschwitzt und mit leerem Blick auf dem Spielfeld.
Davie Selke spielte bereits zwischen 2013 und 2015 unter Florian Kohfeldt, damals noch als Co-Trainer. Bild: Gumzmedia/Nordphoto/Pool

Selke hat einen guten Draht zu Trainer Florian Kohfeldt. Der war Co-Trainer von Viktor Skripnik, als Selke von 2013 bis 2015 seine erste Zeit bei Werder verbrachte. Und Kohfeldt ist auch weiterhin überzeugt vom inzwischen 26-Jährigen. Doch der muss in der Vorbereitung mehr zeigen als bisher und vor allem muss sich Kohfeldt überlegen, wo in seinem System mit nur einem Stürmer eigentlich Platz für Selke wäre. Denn der Werder-Coach favorisiert ganz klar Füllkrug. Stellt Kohfeldt für Selke sein System um? Sicherlich nicht, wenn der nicht durchstartet.

Aber einen Spieler, der einen zweistelligen Millionenbetrag kostet und nach Davy Klaassen vermutlich der zweitteuerste Transfer der Vereinsgeschichte wird, kann man schlecht auf der Ersatzbank parken. Entweder Selke gelingt der Leistungsschub oder Werder schafft es irgendwie auf Umwegen, ihn doch noch loszuwerden. Doch die Gefahr ist groß, dass Selke neben dem Brasilianer Carlos Alberto einer der teuersten Transferflops der Werder-Historie werden könnte.

Werders Gerüchteküche brodelt: Wer kommt und wer geht?

Video vom 24. Juli 2020
Eine Grafik, auf der eine Herdplatte mit einem Topf und dem Wort "Gerüchteküche" zu sehen ist.
Bild: Radio Bremen

Mehr zum Thema:

Autorin

  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 10. Juli 2020, 18:06 Uhr