Wäre Kruse Werders Rettung?

Ohne ihn brach das Werder-System zusammen, nun ist Max Kruse wieder auf dem Markt. Sein Comeback wäre kein Bremer Neustart, aber wohl ein schneller Weg aus der Krise.

Kruse breitet mit martialischer Geste und Gebrüll seine Arme zum Siegerjubel aus.
Kehrt er zurück zu Werder? Die Bremer hatten beim sportlichen Absturz der vergangenen Saison ihren Unterschiedsspieler schmerzlich vermisst. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Max Kruse urlaubt erst einmal auf Ibiza. Entspannung ist angesagt für den 32-Jährigen, der Mitte Juni seinen Vertrag bei Fenerbahce Istanbul gekündigt hatte. Der türkische Erstligist war ihm seit Februar Gehaltszahlungen schuldig geblieben und vor allem des guten Geldes wegen hatte Kruse ja die Jobofferte von Istanbul angenommen. Dann reichte es ihm.

Richtig gut ist das Abenteuer Türkei also nicht für ihn gelaufen und so sehnt sich Kruse nun zurück nach der heimischen Bundesliga und hat vor dem Urlaub kräftig die Werbetrommel für sich gerührt. "Das Portemonnaie ist nicht mehr so wichtig", betonte Kruse in der Sendung "Sky 90" und schob hinterher: "Ich glaube, dass ich für fast alle Klubs in der Bundesliga bezahlbar bin. Ruft mich an." Ein bisschen klang er wie das Werbeplakat einer Reste-Rampe: "Heute alles billiger – Rabatte, Rabatte, Rabatte". Doch sein Plan ging auf. Schon am Wochenende kamen die ersten Gerüchte auf, Kruse ist offenbar noch gefragt – zumindest als Schnäppchenangebot.

Kruse kokettiert mit Union-Gerüchten

Mit Union Berlin sei er in Verhandlungen, berichtete die türkische Nachrichtenagentur DHA. Auch die "Bild"-Zeitung schrieb, dass Klub und Spieler in Kontakt gewesen seien. Doch Union äußerte sich bisher nicht und Kruse spielte einmal mehr auf seiner Instagram-Seite mit diesen Gerüchten. In seiner Story sah man ihn auf einer Massagebank liegen, vor einer rot und weiß gestrichenen Wand, den Vereinsfarben der Berliner. Kruse liebt diese Spielchen mit seinen Followern. Doch er schrieb dazu, dass es nichts Neues gäbe.

In Bremen wird man das vielleicht nicht ungern gehört haben – sowohl, dass mit Union noch nichts fix ist und vor allem, dass Kruse auf exorbitantes Gehalt verzichten will. Denn sollte eine Rückholaktion zu Werder überhaupt realistisch sein, so ginge das nur über geringere Forderungen des ehemaligen Kapitäns.

Ohne Kruse brach das Werder-System zusammen

Werder-Angreifer Max Kruse mit Werder-Trainer Florian Kohfeldt auf dem Trainingsplatz.
Wichtige Verbindung: Werder-Trainer Florian Kohfeldt (rechts) und Kapitän Max Kruse hatten ein enges Vertrauensverhältnis. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Am Freitag wollte Werder-Coach Florian Kohfeldt noch nicht zugeben, dass man bereits über ein Kruse-Comeback an der Weser nachgedacht hatte. Doch dass man den Abgang seines Unterschiedsspielers in der vergangenen Saison nicht kompensieren konnte, erkannte Werder in der Nachbereitung schließlich noch als einen der Gründe für den sportlichen Absturz der Mannschaft. "Ich mag Max, aber ich habe noch nicht darüber nachgedacht", meinte Kohfeldt: "Es ist ein Gerücht. Deswegen möchte ich das nicht kommentieren."

Kruse war bei Werder der Goalgetter, der Spielgestalter, der Anführer. Einer, der Kohfeldt auch mal die Meinung sagen konnte und es auch sollte. Der das wichtigste Bindeglied zwischen Spieler und Trainer war und Kohfeldt stets die Stimmung in der Mannschaft verdeutlichte. Auf elf Tore und zehn Assists brachte es Kruse in der Bundesligasaison 2018/19 für Werder. Auf ihn war Verlass. Und um ihn herum baute Kohfeldt sein Spielsystem auf. Als "schwimmende Neuneinhalb" bezeichnete sich Kruse mal selbst, als eine Mischung aus Stürmer und Zehner. Als er ging, brach das Bremer Mannschaftskonstrukt in sich zusammen. Wäre Kruses Rückkehr also Werders Rettung?

Werder braucht dringend einen Anführer

Ein Symbol für Zukunft und Neuanfang wäre die Verpflichtung Kruses natürlich nicht. Doch der 32-Jährige hatte in der Türkei bewiesen, dass er immer noch ein Leader ist (sieben Tore und sieben Assists in 20 Ligaspielen) und er könnte für Werder die kurzfristige Lösung aus der schweren Krise sein. Dass den Bremern charismatische Führungsspieler fehlen, die auch verbal präsent sind, war in der vergangenen Saison deutlich zu sehen. Kruse würde diese Rolle wieder ausfüllen. Sein enger Draht zu Kohfeldt dürfte auch kein Nachteil sein. Und da Milot Rashica unbedingt verkauft werden muss, würde es in der Bremer Offensive eine Vakanz geben.

Einzig unklar ist aber wohl, inwieweit das Verhältnis zwischen Werder und Kruse gelitten hat nach dessen Abgang. Unmöglich sei nichts, hatte zumindest Kruse im Hinblick auf ein Comeback in Bremen angedeutet. Aber Werder muss sich fragen, welches Signal sie mit einer Rückholaktion senden. Doch nach einem großen Neuanfang sieht es im Verein ohnehin nicht aus, nachdem die gesamte Führungsriege nach dem Fast-Abstieg nun weitermacht.

Werder-Profis günstig abzugeben

Video vom 13. Juli 2020
Mehrere Karten, auf denen die aktuellen Spieler von Werder Bremen gedruckt sind.
Bild: Radio Bremen

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Autorin

  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 29. Juni 2020, 23:30 Uhr