Ablösen, Rückkehrer, Gehälter: Klassenerhalt kostet Werder Millionen

Werder kämpft gegen Heidenheim in der Relegation gegen den Abstieg. Doch auch, wenn das gut geht, wird es für die Bremer in diesem Sommer richtig teuer.

Florian Kohfeldt mit grüner Gesichtsmaske neigt vor der leeren Tribüne enttäuscht den Kopf.
Abstieg oder Klassenerhalt? So oder so kommen auf Trainer Florian Kohfeldt und Werder finanziell schwere Zeiten zu. Bild: Reuters | Pool

Wenn Werder am Donnerstag und Montag zur Relegation gegen den 1. FC Heidenheim antritt, dann geht es für die Bremer um Millionen – so oder so. Der Abstieg ist auch über diesen Umweg noch möglich und er ist nach wie vor das Schreckensszenario für den Traditionsklub von der Weser, besonders finanziell. Doch auch im Falle des Klassenerhalts haben die Bremer Kosten in Millionenhöhe vor der Brust.

Dass die Corona-Pandemie auch Werder in die Verschuldung getrieben hat, ist längst bekannt. Finanzchef Klaus Filbry rechnet im Worst-Case mit Einbußen von bis zu 40 Millionen Euro, gespart wird schon jetzt an allen Ecken und Enden. Doch auch, wenn Werder in der Bundesliga bleibt, wird es richtig teuer.

Toprak und Bittencourt muss Werder kaufen

Offiziell endete die Saison und damit endeten auch die laufenden Verträge der Werder-Profis am 30. Juni, durch die Relegation wurden diese noch bis zur kommenden Woche verlängert. Aber an Vereinbarungen, die vor der Pandemie geschlossen wurden, lässt sich nicht mehr rütteln. Das bedeutet: Die Leihspieler mit Kaufverpflichtung müssen nun auch gekauft werden.

Das gilt für Ömer Toprak (Borussia Dortmund) und Leonardo Bittencourt (TSG Hoffenheim). Davie Selke kam zudem Ende Januar aus Berlin und wurde bis 2021 mit Kaufpflicht ausgeliehen. Der Stürmer wird die Bremer wohl mindestens zehn Millionen Euro kosten, sollte Werder bis dahin die Europa League erreichen, sogar bis zu 15 Millionen Euro. Diese Summe steht Werder zusätzlich bevor, ob sie auch im Juli fällig wird oder im nächsten Jahr ist unklar. Fest steht, in diesem Sommer müssen die Bremer dem Vernehmen nach für Bittencourt sieben Millionen Euro überweisen, für Toprak 4,5 Millionen Euro.

Was bringt Rashica noch ein?

Besonders im Fall von Toprak ist es viel Geld für einen Spieler, der hauptsächlich verletzt gewesen ist. Nur 718 Minuten stand der 31 Jahre alte Verteidiger für Werder in der Bundesliga auf dem Rasen. Offenbar aber genug, damit die Klausel der Mindestanzahl von Einsätzen im Vertrag greifen konnte. 11,5 Millionen Euro muss Werder also im Sommer definitiv zahlen, käme Selke schon jetzt hinzu, wären es über 20 Millionen Euro. Diese Summe sollte eigentlich mit dem Transfer von Milot Rashica kompensiert werden. Doch seit der Corona-Krise sind die Marktwerte im Sinkflug. Rashicas Formtief in der Rückrunde war dabei auch wenig hilfreich.

Wie sich der Transfermarkt durch die Pandemie kurzfristig entwickeln wird, ist schwer abzusehen. Dass sich die astronomischen Ablösen der vergangenen Jahre relativieren werden, davon geht man auch bei Werder aus. "Ich bin absolut davon überzeugt, dass die Umsätze auf dem Transfermarkt in diesem Sommer zurückgehen werden", betonte Sportchef Frank Baumann bereits im April in der Sendung "Wontorra: Allein zu Hause" bei Sky: "Die Anzahl der Transfers wird sich gar nicht so sehr verändern. Aber der Gesamtumsatz wird definitiv einbrechen."

Harnik ist zurück auf Werders Gehaltsliste

Baumann rechnet zwar damit, dass es "Schnäppchen" auf dem Transfermarkt geben wird, doch das gilt dann eben auch umgekehrt. Für Rashica bekommt Werder dann wahrscheinlich nicht mehr die Wunschsumme von kolportierten 38 Millionen Euro. Das Portal "Transfermarkt.de" senkte inzwischen den Marktwert aller Spieler aufgrund der Pandemie kategorisch um 20 Prozent. Rashicas Wert fiel damit von 35 auf 28 Millionen Euro, doch das sind nur geschätzte Zahlen. Und auch bei anderen Spielern, die Werder verkaufen würde, könnte der Preis sinken.

Dafür haben die Bremer nun Spieler wieder auf der Gehaltsliste, die man eigentlich schon losgeworden zu sein glaubte. Martin Harnik kehrte aus Hamburg zurück, da der HSV am Aufstieg gescheitert war. Der 33-Jährige zählt zu den Besservierdienern und hat noch bis 2021 einen Vertrag bei Werder. Ausleihen wird eher schwierig, der Verein wird so oder so draufzahlen müssen. Trainer Florian Kohfeldt hat jedenfalls keine Verwendung mehr für den Stürmer. Sein Gehalt muss Werder seit dem 1. Juli trotzdem wieder bezahlen. Es wird ein teuer Sommer für die Grün-Weißen, so oder so.

So angespannt ist Werder vor der Relegation gegen Heidenheim

Video vom 1. Juli 2020
Eine Werder Bremen Fahne, die an einem Balkon aufgespannt wurde.
Bild: Radio Bremen

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Autorin

  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 2. Juli 2020, 18:06 Uhr