Oh, Captain: Wird Moisander zu Werders Edel-Reservisten?

Trainer Florian Kohfeldt hatte sich ganz bewusst erneut für Niklas Moisander als Werder-Kapitän entschieden. Doch nun hat der 35-Jährige keinen Stammplatz mehr.

Niklas Moisander verlässt mit leicht hängendem Kopf den Platz in Weser-Stadion.
Keine leichte Zeit für Niklas Moisander: Der Werder-Kapitän hat in dieser Saison seinen Stammplatz verloren. Bild: Imago | Nordphoto

In der Seefahrt gibt es die unumstößliche maritime Regel, dass der Kapitän erst als Letzter von Bord geht. Denn er trägt die Verantwortung für das Schiff, die Besatzung und die Passagiere und das bedeutet, dass er im Angesicht des Untergangs schlimmstenfalls sein eigenes Leben opfern muss.

Um Leben und Tod geht es bei Niklas Moisander nicht, dennoch hat man auch beim Werder-Kapitän im Moment das Gefühl, dass er sich für das Wohl seiner Mannschaft selbst opfert.

Alles im Dienste seiner Mannschaft

Der 35 Jahre alte Finne spielt seit vier Jahren für die Bremer, der ruhige und smarte Abwehrchef gehört von jeher zu den Führungsspielern – doch nun sitzt der Kapitän meist auf der Bank. Von Moisander hörte man dazu bisher kein Murren, das würde er nicht tun. Doch die Degradierung ist hart für ihn, das war ihm am vergangenen Sonntag anzusehen, als er nur gegen Hoffenheim spielen durfte, weil weder Ludwig Augustinsson noch Bundesliga-Neuling Felix Agu einsatzfähig waren.

Es ist sehr schwierig für mich, das zu verstehen und zu akzeptieren, aber ich mache das für die Mannschaft.

Werder-Kapitän Niklas Moisander bei Sky über seinen Stammplatzverlust

Trainer Kohfeldt machte ihn bewusst nochmals zum Kapitän

Niklas Moisander konzentriert im Spiel gegen Hoffenheim beim Passpiel.
Mit Übersicht und guter Passquote: Werder-Kapitän Niklas Moisander im Spiel gegen Hoffenheim. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Beim Saisonauftakt gegen Hertha BSC hatte Moisander noch in der Innenverteidigung gespielt, aber – wie auch die meisten seiner Mitspieler an diesem Nachmittag – keine gute Figur abgegeben. Seither war der Kapitän draußen. "Natürlich will ich jedes Spiel spielen – und dann ist es schwierig, auf der Bank zu sitzen." Gegen Hoffenheim war Moisanders Leistung in Ordnung, auch wenn ausgerechnet jener Ball unglücklich von ihm abgefälscht wurde, der den Gegentreffer einleitete. Ob er am kommenden Samstag gegen Frankfurt wieder spielen darf, ist offen.

"Die Mannschaft steht über allem", sagte Moisander und es klang so selbstlos, wie es man es sich von einem Kapitän erwartet. Doch vorgestellt hatte er sich die Saison sicherlich anders, in der Trainer Florian Kohfeldt ihm sehr bewusst noch einmal die Armbinde überreicht hatte. Sicherlich nicht als Werders Edel-Reservist. Die Frage bleibt aber, warum Kohfeldt diesen Schritt trotz seines Verjüngungsplans getan und damit bei jeder Partie, die Moisander als Zuschauer auf der Bank verbringt, einer Diskussion um den Kapitän den Weg ebnet. Verdient hat der stets loyale Moisander das nicht, in seinem vermutlich letzten Jahr bei Werder. Der Finne wird trotzdem hoffen, dass der grün-weiße Frachter dann nicht untergegangen ist, wenn er von Bord geht.

Mehr zum Thema:

Autorin

  • Petra Philippsen Redakteurin und Moderatorin und Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Die Fußball-Bundesliga, 25. Oktober 2020, 18 Uhr