Kohfeldt verärgert: Werder noch zu naiv für die Bundesliga

Werder wollte den Neustart, doch der ging gründlich daneben. Die 1:4-Schlappe gegen die Hertha zeigt, dass die Bremer immer noch die alten Probleme haben.

Florian Kohfeldt steht mit verschränkten Armen an der Seitenlinie und brüllt.
Neustart missglückt: Trainer Florian Kohfeldt kassierte mit Werder die nächste Heimspielpleite – in der vergangenen Saison gelangen im Weser-Stadion nur zwei Siege. Bild: DPA | Carmen Jaspersen

Es hatte nicht nur sein Gutes, dass am Samstag wieder 8.500 Zuschauer ins Weser-Stadion hinein durften. Die Werder-Fans gelten zwar gemeinhin als sehr genügsam und nachsichtig, doch schon zur Halbzeitpause quittierten sie den 0:2-Rückstand ihrer Mannschaft mit gellenden Pfiffen.

Nach dem Abpfiff und dem 1:4-Endstand gegen die Hertha wurde der Unmut auf den Rängen noch größer – ungewohnte Töne in Bremen, doch der Ritt der vergangenen Monate hat wohl selbst ihre Toleranzschwelle drastisch gesenkt.

Pfiffe sind absolut berechtigt, wenn du zur Halbzeit zurückliegst zu Hause. Das ist das gute Recht der Fans. Wir alle wissen, dass wir in einer ganz sensiblen Situation sind.

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Selke hat "Top-Mentalität" gesehen – Kohfeldt nicht

Sensibel ist die Situation der Bremer nun nach dem verpatzten Saisonstart. Und der Optimismus, den der Werder-Coach seit Beginn der Vorbereitung so konsequent zu verbreiten versuchte, er ist bereits nach dem ersten Bundesligaspiel verpufft. Neustart, Aufbruch, Wiedergutmachung – alles nur leere Hülsen. Die Probleme sind die alten geblieben. Bei Werder scheint sich nach dem haarscharf vereitelten Abstieg wohl doch nicht viel verändert zu haben.

"Das ist Blödsinn!", ärgerte sich Davie Selke, "dieser Satz ist absoluter Blödsinn." Endlich hatte der von Hertha ausgeliehene Stürmer seinen ersten Bundesligatreffer für Werder erzielt. Doch das 1:3 rüttelte seine Teamkollegen nicht mehr entscheidend auf. Und obwohl Selke fand, dass sie bis zum Ende eine "Top-Mentalität gezeigt" hätten, stand er mit dieser Meinung recht alleine da. Auch Trainer Kohfeldt sah das anders.

Wir sind in jedes Testspiel mit einer unglaublich guten Mentalität gegangen. Aber für die Bundesliga braucht es noch einen Schritt mehr und das haben wir heute noch nicht geschafft. Aber besser jetzt 1:4 direkt so verlieren, damit alle sofort richtig wach sind.

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Ernüchterung statt Aufbruchsstimmung

Relativ glatt waren die Bremer durch die Vorbereitung geglitten, ohne große Verletzungen, aber auch ohne echte Gegner in den Testspielen. Die Erfolge hat das Team offenbar in falscher Sicherheit gewogen. Schon die Probleme im Pokal-Spiel gegen Viertligist Jena zeigten, dass Werder nicht "einfach den Schalter umgelegt" hat, wie Kohfeldt hoffte. Nun herrscht Ernüchterung statt Aufbruchsstimmung.

Natürlich ist die Enttäuschung bei der Mannschaft und bei mir groß. Insgesamt war es in vielen Belangen nicht gut genug, um ein Bundesligaspiel zu gewinnen.

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Und dass es in vielen Belangen nicht reichte, ärgerte den ambitionierten Kohfeldt gewaltig. Seine Mannschaft habe gespielt, als sei es bereits der zehnte Spieltag, monierte der Coach, und "das Griffige, das Gallige war nicht da" und mitunter hätte sie sich zu naiv angestellt. Besonders die fahrige fünf Minuten vor der Halbzeitpause, als Werder die ersten beiden Gegentreffer kassiert hatte, waren fatal. Die Konsequenz: Kohfeldt verlangt einen extrem schnellen Lernprozess von seinen Spielern. Zeit bleibt bis zum nächsten Samstag, bis zum Auswärtsspiel auf Schalke.

Wir müssen sehr schnell lernen aus diesem Spiel. Lernen, dass wir sofort da sein müssen. Wir müssen diese unbedingte Geilheit, die uns am Ende der letzten Saison dann noch gerettet hat, dieses Angefasste, finden. Das war heute nicht da.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt in der ARD

Werder-Fans zurück im Stadion – aber nicht lange happy

Video vom 19. September 2020
Werder Bremen begeht das erste Heimspiel der Saison mit 8.500 Zuschauern im Weserstadion
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

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Autorin

  • Petra Philippsen Redakteurin und Moderatorin und Autorin

Dieses Thema im Programm: ARD, Sportschau, 19. September 2020, 19:45 Uhr