Füllkrug fällt aus: Wer schließt bei Werder "Lückes" Lücke?

Niclas "Lücke" Füllkrug ist im Bremer Sturm eigentlich unverzichtbar. Doch nun ist der Torgarant verletzt. Kann ihn Trainer Florian Kohfeldt überhaupt ersetzen?

Florian Kohfeldt an Rande des Trainings im Gespräch mit Niclas Füllkrug-.
Enge Beziehung: Werder-Coach Florian Kohfeldt (rechts) trainierte Niclas Füllkrug schon als dieser 13 Jahre jung war. Bild: Imago | Nordphoto

Mit Statistiken ist das so eine Sache. Es gibt nicht umsonst die schöne Redensart: "Traue keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast", doch im Falle von Niclas Füllkrug darf man sich auf die errechneten Werte ruhig verlassen. Laut Sportdaten-Zulieferer Deltatre holt Werder mit Füllkrug im Schnitt 1,5 Punkte im Durchschnitt, ohne ihn nur 0,7 Punkte. Vier der sieben Bremer Tore in dieser Saison gingen auf sein Konto, mit anderen Worten: Füllkrug ist für Werder unverzichtbar.

Doch Trainer Florian Kohfeldt wusste schon, warum er am Rande des Hoffenheim-Spiels die Frage nach Torgarant Füllkrug so beantwortete: "Eine Abhängigkeit von einem Spieler ist natürlich grundsätzlich gefährlich." Denn nun hat der, den sie bei Werder wegen seines markanten Spalts in seiner Zahnreihe "Lücke" nennen, eine buchstäbliche Lücke in der Bremer Offensive hinterlassen. Durch seine Wadenverletzung fehlt Füllkrug Werder mindestens gegen Frankfurt und Köln, doch Kohfeldt fürchtet, die Zwangspause könne sogar "bis Ende November" dauern.

Selke, Sargent oder Rashica?

Niclas Füllkrug reckt nach dem Treffer die Arme nach oben, Theodor Gebre Selassie ist neben ihm.
Werders Torgarant: Niclas Füllkrug (rechts) besorgte gegen Freiburg das 1:1 per Strafstoß. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Werders Sportchef Frank Baumann bedauert Fülllkrugs Ausfall zwar, ist aber überzeugt, man könne den Stürmer dieses Mal besser ersetzen. "Jetzt sind auch andere Spieler gefordert und können ihre Qualitäten unter Beweis stellen", sagte Baumann der "Bild"-Zeitung. Doch wer soll "Lückes" Lücke schließen?

Davie Selke wäre der erste Name, der genannt werden würde – der 25-Jährige leidet aber derzeit an Leistenproblemen und wird seit Freitag in Berlin von einem Spezialisten behandelt. "Davie wird auch bis Anfang kommender Woche dort bleiben", sagte der Sportliche Leiter Clemens Fritz am Mittwoch. Selke fällt also auch aus und hatte bisher ohnehin Füllkrug nicht von seinem Platz verdrängen können.

Keine "Lücken-Füller"-Kandidat scheint optimal zu sein

Damit liegt der Fokus auf Joshua Sargent, dem Überflieger aus der Vorbereitung, auf den Kohfeldt so große Stücke hält. Seit seinem Pokal-Tor gegen Jena hat der US-Amerikaner jedoch nicht mehr getroffen und tut sich mit der neuen Rolle als hängende Spitze sichtlich schwer. Zumindest das dürfte sich durch Füllkrugs Ausfall erst einmal erledigt haben und vielleicht fällt Sargent das Toreschießen auf der Wohlfühlposition wieder leichter. Obwohl er eben nicht über die wuchtige und kantige Präsenz Füllkrugs im Strafraum verfügt.

Bliebe damit noch Milot Rashica übrig, doch der Flügelflitzer ist körperlich noch nicht bei 100 Prozent und höchstens für eine halbe Stunde Spielzeit eine Option. Zudem fiel der Kosovare zuletzt nicht durch jene kämpferische Mentalität auf, die Füllkrug für Kohfeldt so besonders auszeichnet. Rashica ist mental noch nicht wieder voll bei Werder angekommen, so scheint es. Bereit, den echten Lücken-Füller zu spielen, ist er sicher nicht. Kohfeldt wird wohl in den kommenden Tagen kräftig tüfteln müssen.

Werders Füllkrug exklusiv über Kohfeldt, Krise und Konkurrenzkampf

Video vom 27. September 2020
Niclas Füllkrug strahlt während eines Fernsehinterviews mit dem Sportblitz.
Bild: Radio Bremen

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Autorin

  • Petra Philippsen Redakteurin und Moderatorin und Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Die Fußball-Bundesliga, 25. Oktober 2020, 18 Uhr