Hype um Kruses Eskapaden geht Union langsam auf die Nerven

Max Kruses Zocker-Ausflug in eine Shisha-Bar beschäftigt die Berliner Medien auch weiterhin. Und seinem Klub dämmert nun, womit sie künftig wohl leben müssen.

Max Kruse in einem Livestream bei Twitch
Schöner wohnen geht anders: Max Kruse gewährt beim Gaming-Portal "Twitch" auch Einblicke in seine noch nicht wirklich eingerichtete Berliner Wohnung. Bild: Radio Bremen | Rebecca Küsters

Man sollte meinen, dass man schon weiß, worauf man sich einlässt, wenn man Max Kruse verpflichtet. Doch den Verantwortlichen von Union Berlin scheint das erst am vergangenen Wochenende so wirklich klargeworden zu sein.

Die Fragen nach dem Vorfall, der sich als unüberlegt, leichtsinnig und überflüssig einordnen lässt, reißen einfach nicht ab. Und Union-Trainer Urs Fischer ist vom Kruse-Dauerthema inzwischen genervt.

Wir haben uns klar geäußert, dass wir es nicht gut finden. Aber irgendwann ist doch auch mal gut oder werde ich noch fünf Mal darauf angesprochen? Irgendwann, tut mir leid, finde ich es langweilig, und es nervt, muss ich auch sagen.

Union-Trainer Urs Fischer am Montag in einer Presserunde

Kohfeldt ließ Kruse bewusst an der langen Leine

Seine Ecken und Kanten sind kein bloßes Image-Label, das Werbezwecken dienen soll. Kruse ist, wie er ist – authentisch. Was man sieht, bekommt man auch. Angepasst war der inzwischen 32-Jährige noch nie, hat sich immer seine Freiheiten herausgenommen und Dinge gemacht, an denen er Spaß hatte.

Kruse nach Werder-Kritik: "Bin nicht für das Berliner Nachtleben hier"

Video vom 7. August 2020
Max Kruse schaut mit ernstem Gesicht bei seiner Vorstellung bei Union Berlin.
Bild: DPA | Annette Riedl

In Bremen wusste Werder-Coach Florian Kohfeldt genau, warum er seinen Kapitän an der langen Leine ließ. Denn meistens war es so: Ging es Kruse gut, spielte er auch gut. Dann durfte er eben mal bis morgens um fünf den Super Bowl gucken, wenn er dafür beim Training um 11 Uhr seine Leistung brachte. Und am Ende profitierten beide Seiten von dieser Absprache.

Union mit mahnendem Appell an die Mannschaft

Bei Werder ging es meistens gut, die Eskapaden hielten sich in Grenzen – zumindest jene, von denen man erfuhr. Die mediale Gemengelage in Berlin ist jedoch eine völlig andere und das Echo deutlich massiver als im beschaulichen Bremen. Zumal Kruse zu seinem Ausflug in die Shisha-Bar, bei dem er ohne viel Abstand und ohne Masken um Geld zockte, selbst bei Instagram aufgerufen hatte. Verstecken will sich Kruse ganz sicher nicht, im Gegenteil. Union Berlin gefällt angesichts der steigenden Corona-Fallzahlen und des strengen DFL-Hygienekonzepts das Bild natürlich nicht, das Kruse mit seiner Aktion abgab.

"Klare und deutliche Worte", hatte Sportchef Oliver Ruhnert laut Fischer an die Mannschaft gerichtet und angemahnt, "sich wieder konsequent an die Regeln zu halten". Kruse schweigt bisher weiterhin zu diesem Vorfall. Man darf annehmen, dass er irgendwann bei Facebook ein Video mit einem sarkastischen Seitenhieb darauf posten wird. Das hat er immer so gemacht.

Kruse streamt sich beim "Call of Duty: Warzone"-Spielen

Max Kruse spielt in einem Livestream bei Twitch
Ballerspiele vor Publikum: Max Kruse braucht offenbar immer eine Bühne. Bild: Screenshot twitch.tv

Ändern wird ihn auch Union Berlin nicht mehr, so viel ist nach dem vergangenen Wochenende klar. Kruse sieht sich selten im Unrecht bei seinen Eskapaden, doch in Berlin fehlt ihm nach vier Spieltagen und einem Tor, ohne bisher durchgespielt zu haben, noch das Standing. Nach dem Zocker-Ausflug stand er gegen Freiburg zwar in der Startelf, überzeugte jedoch nicht. Seine Leistungen müssen aber bald wieder stimmen, ansonsten wird es irgendwann schwer, die bunten Schlagzeilen zu entkräften.

Und die wird er sicherlich – ob gewollt oder ungewollt – weiter liefern und das nicht bloß, weil er und Fenerbahce Istanbul sich gegenseitig auf 18 Millionen Euro verklagen. Noch vor einer Woche streamte sich Kruse beim Gaming-Portal "Twitch", wie er "Call of Duty: Warzone" spielte – bis morgens um eins. Beim virtuellen Herumgeballere gewährte Kruse auch einen Einblick in seine Wohnsituation in Berlin, die ihm viel Häme seiner Mitspieler im Stream einbrachte. Angekommen scheint Kruse zumindest aus Sicht eines Innendekorateurs noch nicht zu sein. Zwischen Kartons und Kram wirkt es, als hause er in einer Rumpelkammer. "Muss alles ja noch werden", entgegnete Kruse locker – das scheint auch für sein neues Lebenskapitel in Berlin zu gelten.

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Autorin

  • Petra Philippsen Redakteurin und Moderatorin und Autorin

Dieses Thema im Programm: NDR, Bundesliga am Sonntag, 18. Oktober 2020, 21:45 Uhr