Interview

Ex-Keeper Reck: "Werder und Schalke stehen brutal unter Druck"

Oliver Reck hat bei Werder und bei Schalke im Tor gestanden, kennt noch die Erfolgszeiten. Dem Duell am Samstagabend sieht der 55-Jährige mit großer Sorge entgegen.

Video vom 25. September 2020
Der ehemalige Fußball-Profi Oliver Reck im Gespräch.
Bild: Radio Bremen
Herr Reck, für wen schlägt Ihr Herz am Samstagabend – für Werder oder Schalke?
Oh, das ist ganz schwer – mein Herz schlägt wirklich für beide Teams. Ich habe zwölf Jahre bei Werder gespielt und war sechs Jahre bei Schalke als Spieler und dann sechs Jahre als Trainer. Für mich muss das Spiel unentschieden ausgehen – aber das hilft ja leider keinem vom beiden...
Welche Erwartungen haben Sie an die Partie?
Eigentlich große Erwartungen. Aber es ist eine komische Situation, beide brauchen dringend die Punkte. Beide haben zum Beginn herbe Klatschen einstecken müssen. Für Schalke war die Niederlage vorherzusehen, aber man wollte nicht 0:8 verlieren. Die Schalker Seele kocht und brodelt nach 17 Spielen ohne Sieg. Werder hat wie in der vergangenen Saison so oft zu Hause verloren und muss jetzt unbedingt auswärts gewinnen. Beide Teams stehen brutal unter Druck.
Oliver Reck als Trainer von Regionalligist Jeddeloh an der Seitenlinie.
Oliver Reck ist seit Ende 2019 Trainer von Regionalligist SSV Jeddeloh II. Bild: Imago | Kirchner-Media
Sie sprachen Schalkes Negativserie an. Wäre es für Werder peinlich, dort zu verlieren?
Peinlich wäre es nicht. Man weiß schon die Klasse von Schalke richtig einzuschätzen. Und Werder hat ein gutes, positives Gefühl aus den Auftritten der letzten Jahre und so wird man in das Spiel hineingehen. Der Sieg in der letzten Saison, vier oder fünf Spieltage vor Schluss, war enorm wichtig, um schlussendlich in die Relegation zu kommen. Das hat Werder noch im Kopf. Und 90 Prozent der Spieler sind ja noch da und wissen daher, dass sie gegen diese Schalker Mannschaft gewinnen können. Und dazu sind vermutlich keine Zuschauer im Stadion, das ist auch eher für Werder ein Vorteil. Dennoch wird es sehr schwer werden.
Man hat bei beiden Vereinen den Eindruck, es hat sich im Vergleich zur Vorsaison nicht viel verändert. Sehen Sie das auch so?
Das liegt auch an der finanziellen Situation, da geht es Werder und Schalke ähnlich. Man kann nicht mehr in den oberen Regalen nach Spielern fischen wie früher. Man muss ein oder sogar zwei Kategorien runter gehen. Zum Beispiel musste Werder Patrick Erras aus der 2. Liga von Nürnberg holen. Früher hat man Spieler aus der Bundesliga oder aus dem Ausland geholt. Aber das wird immer schwieriger. Was kann Werder jetzt noch tun? Nicht mehr viel. Dass sie mit Rashica wohl ihren besten Stürmer noch verkaufen müssen, zeigt eigentlich Werders Lage sinnbildlich auf.
Die Vorbereitung lief ordentlich, aber der Bundesligastart ging daneben: Es scheint, als hätte bei Werder keine Weiterentwicklung stattgefunden.
Da sieht man einfach, dass die Vorbereitung überhaupt nichts zählt. Es zählt erst ab dem ersten Bundesliga-Spiel. Da war der Start jetzt nicht ideal, aber man muss abwarten: Was passiert in den nächsten Spielen? Es muss jetzt natürlich eine Reaktion von Werder kommen. Wieder direkt unten drinstehen, den Druck wieder jede Woche zu haben, gewinnen zu müssen, nicht verlieren zu dürfen - das darf nicht passieren.
Wird es dann auch für Trainer Florian Kohfeldt schon eng?
Das maße ich mir nicht an, dazu etwas zu sagen. Die Verantwortlichen von Werder müssen die Entscheidungen treffen. Sie stehen hinter ihrem Trainer, das haben sie in der vergangenen Saison gezeigt und das war auch alles richtig. Nur eines ist klar: Es muss immer eine Entwicklung stattfinden, in der Mannschaft und im Verein. Ich glaube, wenn Werder dieses Mal wieder die ganze Zeit nur unten drin steckt in der Tabelle, dann wird der Druck irgendwann zu groß. Das weiß jeder und das weiß auch Florian Kohfeldt.

(Das Interview führte Pascale Ciesla, aufgezeichnet von Petra Philippsen)

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Autorin

  • Pascale Ciesla Redakteurin und Moderatorin und Autorin

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 25. September 2020, 18:06 Uhr