Kollektiv katastrophal: Werder erwischt "grausamen Tag"

Nach dem desolaten 0:4 gegen Hoffenheim war man sich bei den Bremern sofort einig: Das war seit langem die schlechteste Leistung der Kohfeldt-Elf. "Das war gar nichts".

Marco Friedl schlägt sich nach dem Spiel frustriert die Hände vors Gesicht, Felix Agu steht konsterniert neben ihm.
Ein Abend zum Abhaken: Werder-Verteidiger Marco Friedl (Mitte) sah bei drei von vier Gegentreffern nicht gut aus. Bild: Nordphoto / Gumzmedia

Eines musste man den Bremern am Sonntagabend in Sinsheim lassen: Sie beschönigten nichts. Es wäre aber wohl auch vollkommen sinnlos gewesen, denn Werders fußballerischer Offenbarungseid gegen Hoffenheim war schließlich für jedermann unübersehbar gewesen und wurde auch in schönstem Full-HD nicht ansehnlicher. Im Gegenteil.

Über Werders desolaten Auftritt, der mit einer verdienten 0:4-Klatsche abgestraft wurde, gab es hinterher nur eine Meinung, die Trainer Florian Kohfeldt so bei Sky zusammenfasste: "Wir alle als Werder Bremen haben heute einen grausamen Tag erwischt." Er fand niemanden, der ihm widersprechen wollte.

Es ist schwer zu erklären, denn es hat faktisch überhaupt gar nichts funktioniert. Wir waren individuell, aber auch als Mannschaft, ganz ganz weit weg von dem, was wir in den letzten Wochen gezeigt haben. Das war kollektiv nix heute, das muss man ganz klar so sagen.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt bei Sky

Auch Toprak erwischt gebrauchten Tag

Dabei hatte seine Mannschaft noch zuletzt beim 0:0 gegen Freiburg demonstriert, dass die einstige "Schießbude der Liga" auf einmal hinten dicht ist. Besonders Abwehrchef Ömer Toprak hatte mit souveräner Führung für Stabilität in Werders Defensive gesorgt – doch gegen Hoffenheim war die Wackel-Abwehr zurück. Toprak war der erste, der sich selbstkritisch über diese schwache Leistung ärgerte.

Es hat heute nirgends gepasst, es war ein sehr sehr schlechtes Spiel von uns. Es war nichts. Weder fußballerisch, noch gegen den Ball, kein Zweikampfverhalten. Wir haben alles vermissen lassen, was wir die letzten Wochen gut gemacht haben. Dann verliert man halt auch verdient 4:0.

Werder-Abwehrchef Ömer Toprak bei Sky

Defensiv desolat, offensiv harmlos

Ömer Toprak, Manuel Mbom, Maximilian Eggestein und Marco Friedl zutiefst frustriert nach der Klatsche gegen Hoffenheim.
Frustrierender Abend für Werders zuletzt stabile Abwehr mit vier Gegentreffern gegen Hoffenheim. Bild: Nordphoto / Gumzmedia

Auch sein Abwehrpartner, Kapitän Theodor Gebre Selassie, ärgerte sich über die "viel zu billigen Gegentore", die sie kassiert hatten. Mit 0:2 ging Werder in die Halbzeitpause, der 0:3-Nackenschlag folgte vier Minuten nach Wiederanpfiff. Auch Verteidiger Marco Friedl sah bei drei Gegentreffern nicht sehr gut aus. Doch es war nicht nur ein schwarzer Sonntag für die Abwehr, auch die Offensive glänzte nur durch kollektive Harmlosigkeit.

So schmerzlich dieser schlechte Auftritt auch war, Toprak wusste jetzt schon, dass der Montag wohl weit unangenehmer werden würde: Denn sie würden sich die schlimmsten Szenen des Spiels nochmal in der Analyse anschauen müssen. "Es hilft ja nichts", sagte Toprak, "wir müssen aus diesen Fehlern ja lernen. Am Freitag kommt mit Frankfurt die formstärkste Mannschaft der Liga." Wenig Zeit also, um diese Klatsche aus den Klamotten zu schütteln, doch Toprak ist sich bewusst: "Wenn wir gegen Frankfurt nicht wach sind, wird es noch schlimmer als heute."

Werder-Sportchef Baumann nach 0:4-Klatsche: "Der Druck wird größer"

Video vom 22. Februar 2021
Frank Baumann vor einer Werbewand während einer Videokonferenz mit Journalisten.
Bild: Radio Bremen

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Autorin

  • Petra Philippsen Redakteurin und Moderatorin und Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Die Fußball-Bundesliga, 21. Februar 2021, 18 Uhr