Mehr als ein Hobby: Auch bei Bremer Amateurfußballern rollt der Rubel

Bild: Imago | Marcel Lorenz

Laut ARD-Recherchen sind im Amateurfußball jährlich 1,2 Milliarden Euro im Umlauf, knapp die Hälfte ist mutmaßlich Schwarzgeld. Auch in Bremen werden Hobbykicker bezahlt.

Jubeln wie die Stars, dribbeln wie die Großen: Nicht nur Nachwuchsfußballer, auch Amateurkicker schauen sich Tricks und Kniffe gerne mal bei den Profis ab. Mittlerweile jagen jedoch viele der unterklassigen Spieler nicht mehr nur für Titel, Triumphe oder nur zum Spaß dem Ball nach, sondern auch für Geld. Laut Recherchen der ARD fließen deutschlandweit pro Jahr rund 1,2 Milliarden Euro an Amateurspieler. 

Mehr als 10.000 Umfrage-Teilnehmer

Dass auch in Bremens Amateur-Ligen beträchtliche Summen in Umlauf sind, ist Björn Fecker, dem Präsidenten des Bremer Fußball-Verbands (BFV), ebenfalls bekannt. Wenig überraschend sähe Fecker die Investitionen lieber an anderen Stellen. "Ich würde mir wünschen, dass das Geld in erster Linie in eine gute Nachwuchsförderung, qualifizierte Übungsleiter und vernünftiges Material investiert wird." Denn seine eigenen Talente später in der ersten Mannschaft spielen zu sehen, sei immer noch die nachhaltigste Förderung.

Entscheiden sich die Vereine jedoch dafür, stattdessen in Zahlungen an Amateur-Spieler zu investieren, so sind dem Verband in dem Fall die Hände gebunden. Denn nach der DFB-Spielordnung sind Zahlungen in bestimmten Umfängen auch in den unteren Ligen erlaubt – und sogar gang und gäbe, wie eine Umfrage im Zuge der Recherche unter mehr als 10.000 Fußballern und Fußballerinnen zeigt. Insgesamt 23 der Befragten kamen aus Bremen. Einer von ihnen schreibt: "Die Bezahlung von Spielern im Amateurfußball gerät außer Kontrolle."

Oft genug schmückt sich die 'Basis' damit, noch dem echten Fußball nachzugehen. Aber wie echt kann der Fußball sein, wenn teilweise in der 8. oder 9. Liga Geld bezahlt wird?

Ein Umfrageteilnehmer aus Bremen

Die Ergebnisse sind zwar nicht repräsentativ, aber aussagekräftig: 60 Prozent der befragten Spieler, die in der 8. Liga oder höher auflaufen, erhalten Geld. Je höher die Liga, desto größer ist der Anteil der bezahlten Spieler. Durchschnittlich bekommen die Kicker zwischen 200 und 500 Euro. Wie bei den Profis gilt also auch hier: Wer zahlt, kriegt die besten Spieler. Folglich werden auch schon in der Kreisliga die Teams zusammengekauft.

Der BFV sieht angesichts solcher Praktiken seine Aufgabe darin, Aufklärungsarbeit über die Risiken, die damit einhergehen, zu leisten. Und zwar für den "Moment, in dem aus einer Geldzahlung ein Beschäftigungsverhältnis entsteht". Denn in dem Fall muss zum einen der Verein sozialversicherungspflichtige Abgaben zahlen, zum anderen der Spieler seine Einnahmen versteuern.

Zahlungen bis 250 Euro sind steuerfrei

Björn Fecker, Präsident des Bremer Fußball-Verbands, gibt ein Interview.
Würde sich wünschen, dass Gelder statt in Spielerzahlungen eher in den Nachwuchsbereich investiert würden: Björn Fecker, Präsident des Bremer Fußball-Verbands. Bild: Radio Bremen

Zahlungen bis zu einem Betrag von 250 Euro sind steuerfrei. Darüber hinaus werden allerdings Steuern und Sozialabgaben fällig. Die Spieler aber bekommen ihr Geld oft bar im Umschlag: Laut Umfrageteilnehmern soll etwa die Hälfte der Zahlungen nicht schriftlich dokumentiert worden sein oder bar stattgefunden haben. Aus der Umfrage ergeben sich so mutmaßliche Schwarzgeld-Zahlungen in Höhe von 500 Millionen Euro.

In solchen Fällen liege die Verantwortung aber nicht mehr bei den Fußballverbänden, so Fecker: "Wenn es um illegale Zahlungen geht, ist es Aufgabe der Finanz- und gegebenenfalls der Strafverfolgungsbehörde, sich darum zu kümmern", so der BFV-Präsident. Kurzum: Auch der Amateur-Fußball ist somit ein Milliarden-Spiel geworden – mit Risiken und Nebenwirkungen sowohl für Vereine als auch Spieler.

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Bild: Radio Bremen

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Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 19. Januar 2021, 18:06 Uhr