Solo-Segler Herrmann auf Aufholjagd: "Es ist noch alles möglich!"

Nach der kraft- und nervenraubenden Umseglung Kap Horns hat sich der 39-Jährige wieder gefangen. Inzwischen liegt Herrmann sogar wieder in Schlagdistanz zur Spitzengruppe.

Segler Boris Herrmann schaut aufs Wasser.
Hat wieder die vorderen Plätze im Blick: Vendee Globe-Teilnehmer Boris Herrmann. Bild: Boris Herrmann Racing

Der gebürtige Oldenburger Boris Herrmann hat sich bei der Vendee Globe im Kampf um die Podiumsplätze zurückgemeldet. Nach mehreren Rückschlägen vor Kap Hoorn und einer Aufholjagd in den vergangenen Tagen rückte der 39-Jährige bei seiner Weltumseglungs-Premiere am Dienstag auf Höhe Rio de Janeiros auf Platz sechs vor. "Seit ich Kap Hoorn gerundet habe, habe ich das Gefühl, es geht bergauf", sagte Herrmann im Gespräch mit dem "NDR".

Ich habe diesen dunklen Tunnel verlassen, diesen harten Süden. Es wird graduell wärmer und das macht ganz viel für die Psyche.

Solo-Segler Boris Herrmann im Gespräch mit dem "NDR"

Nachdem der Solo-Segler am Montag noch rund 350 Seemeilen (etwa 650 Kilometer) hinter der Spitze des Feldes fuhr, liegt der Rückstand auf den Gesamtführenden Charlie Dalin aus Frankreich inzwischen nur noch bei wenig mehr als 100 Seemeilen (etwa 180 Kilometer). "Die Regatta lebt noch! Es ist noch alles möglich! Für uns alle", sagte Herrmann im Gespräch mit einem französischen TV-Sender. Die Aufholjagd mit Geschwindigkeiten von über 30 Knoten (etwa 55,5 Kilometer pro Stunde) verlangte ihm jedoch einiges ab. "Das Segeln ist bei solchen Geschwindigkeiten nicht einfach", so Herrmann, "der Preis dafür sind angespannte Nerven und fast kein Schlaf."

Herrmann verfügt über das beste Boot

Die Aussichten könnten aktuell aber nicht besser sein für den 39-Jährigen. Denn unter den vorderen sechs Seglern ist er mit der "Sea Explorer" im Besitz des leistungsfähigsten Bootes. So müssen die führenden Dalin und Thomas Ruyant beide mit gebrochenen Backbord-Foils (Tragflächen) zurechtkommen. Der drittplatzierte Yannick Bestaven und Louis Burton haben hingegen kleinere Foils und der auf dem fünften Rang liegende Paralympics-Sieger Damien Seguin hat gar keine Foils. Herrmann wiederum verfügt über die größten, besten und intakten Foils. 

Bei der der Weltumseglungs-Regatta, die Anfang November startete, deutet somit auf den verbleibenden etwa 4.500 Seemeilen (rund 8.100 Kilometer) vieles auf einen langen atlantischen Finalkrimi hin. Die führenden Boote werden jedoch nicht vor Ende Januar im Start- und Zielhafen in Les Sables-d'Olonne an der französischen Altlantikküste erwartet.

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  • Helge Hommers Autor

Dieses Thema im Programm: NDR, Hamburg Journal, 12. Januar 2021, 19:30 Uhr