20 Jahre Pokalsieg: Als Werder den "Super-Pfau" zurechtstutzte

Stefan Efffenberg, Mario Basler, Lothar Matthäus – die Bayern waren mit ihrer kompletten Mia-san-mia-Combo zum Pokalfinale 1999 angerückt. Doch der Fußballgott war Bremer.

Siegerehrung für Werder Bremen im Berliner Olympiastadion

Es war eine dieser magischen Pokalnächte, die in Bremen wohl niemand je vergessen wird. Denn selten hatte sich eine Abreibung des Erzrivalen aus München so zuckersüß angefühlt wie an jenem Abend des 12. Juni 1999.

Wie so oft gingen die Bremer als krasser Außenseiter gegen Bayern München ins Finale. Es sei wie ein Duell "Käfer gegen Ferrari", hatte Werder-Manager Willi Lemke vorher angekündigt – und keine Frage, er sah sich natürlich eher am Steuer des Kleinwagens. Und auch sonst hatte wohl niemand einen Bremer Sieg erwartet. Schließlich hatte sich Werder mit seinem jungen Trainer Thomas Schaaf gerade erst vor dem Abstieg gerettet. Und so stellten die Bayern ihre breiteste Brust samt Mia-san-mia-Attitüde zur Schau – doch der Hochmut kam eben vor dem Fall. Und so war es durchaus verständlich, dass Bremens Andreas Herzog sich nach dem 6:5-Triumph ein wenig Häme nicht verkneifen konnte.

Basler? Wird ausgeschlossen. Und der Pfau, der Super-Pfau, der nur herumpludert, der Herr Effenberg? Verschießt. Es gibt doch einen Fußballgott.

Werder-Stürmer Andreas Herzog

Immer voll auf die Knochen

Stefan Effenberg (li.) und Mario Basler (beide Bayern), der auf Andreas Herzog (Werder) losgeht.
Hitziges Pokal-Duell: Stefan Effenberg (links) in Rage, während Mario Basler auf Andreas Herzog (rechts) losgeht – beide sehen dafür Gelb. Bild: Imago

Vielleicht hatte der Fußballgott ja wirklich mitgeholfen an diesem Abend im Berliner Olympiastadion. Die Bremer jedenfalls gingen früh in Führung, die Bayern glichen noch vor der Halbzeitpause aus.

Die Emotionen kochten immer weiter hoch: Sechs Gelbe Karten musste der Schiedsrichter zücken und schickte damit auch einen sicheren Elfmeterschützen aus der Bayern-Elf vom Platz – das sollte sich für die Münchner am Ende rächen. Ausgerechnet der ehemalige Werderaner Mario Basler hatte Herzog hart attackiert und in der Nachspielzeit die Gelb-Rote Karte für diese Tätlichkeit kassiert. Werder rettete das 1:1 über die Zeit und sich ins Elfmeterschießen.

Und "Super-Pfau" Effenberg verschießt

Und das wurde ein packender Krimi: Es begann sofort mit einem Stich ins Herz für die Bremer, denn Jens Todt vergab den ersten Elfmeter. Danach patzte keiner mehr – bis Stefan Effenberg, Herzogs "Super-Pfau", selbstsicher zum Punkt schritt. Er war Bayerns letzter Schütze. Wenn er traf, wären die Bayern Pokalsieger.

Mit dem selbstbewussten, mitunter arroganten Bayern-Regisseur waren die Bremer Spieler in diesem heißen Pokalfight wieder und wieder aneinandergeraten. Und nun hätte ausgerechnet Effenberg "einen Schuss für die Ewigkeit setzen" können, wie es Reporter Hans-Peter Pull damals kommentierte. Doch der "Super-Pfau" patzte – sein Schuss segelte weit über das Tor hinweg.

Matthäus fand in Rost seinen Meister

Lothar Matthäus scheitert am Bremer Torhüter Frank Rost.
Letzter Bayern-Schütze: Lothar Matthäus scheitert am Bremer Torhüter Frank Rost. Bild: DPA | Sven Simon

So ging auch das Elfmeterschießen nochmal in die Verlängerung. Bei Werder trat nun Frank Rost gegen Oliver Kahn an. Im Duell "Torwart gegen Torwart" verlud Rost eiskalt und lässig den Münchner Keeper.

Die Bayern mussten nun unbedingt ausgleichen und vertrauten in dieser Situation ihrem erfahrensten Mann: Lothar Matthäus. Doch es wurde der große Moment des Frank Rost und Matthäus fand seinen Meister. Rost ahnte die Ecke und lenkte den Schuss von Matthäus zur Seite – die Sensation war perfekt: Werder Bremen krönte sich zum Pokalsieger 1999. "Ich konnte es eigentlich nicht glauben", staunte Schaaf nach dem Triumph: "Es war so spannend, erst verschießt Jens, dann Effenberg und Frank macht das am Ende einfach nur souverän. Unglaublich." Und am Ende der legendären Pokalnacht im Olympiastadion war vom herumgeplusterten "Mia san mia"-Gehabe nicht viel übrig geblieben.

Ich muss jetzt einen Basler-Satz sagen. Der hat gesagt: 'Der zweite Platz ist auch schön.' Dann kann er ja jetzt mit dem zweiten Platz ein bisschen rumfeiern.

Werder-Spieler Torsten Frings
Werder-Trainer Thomas Schaaf reicht auf der Tribüne den goldenen Pokal an Marco Bode weiter.
Da ist das Ding: Werder-Trainer Thomas Schaaf (rechts) reicht den Pokal an Marco Bode weiter. Bild: DPA | Sven Simon
Mannschaftsfoto DFB Pokalsieger Werder Bremen
Bild: Imago | Horstmüller

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Autor

  • Steffen Hudemann

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Die Chronik, 12. Juni 2018, 7:50 Uhr