Nach erzittertem Klassenerhalt: Tabula rasa bei den Eisbären

Für Geschäftsführer Wolfgang Grube ist die verkorkste Saison der Bremerhavener Basketballer Anlass genug, für den großen Umbruch alles infrage zu stellen.

Trainer Arne Woltmann breitet am Spielfeldrand mit fragendem Gesicht die Arme aus.
Musste bis weit nach dem Abpfiff auf die erlösende Nachricht aus Jena warten: Eisbären-Coach Arne Woltmann. Bild: Imago | Nordphoto

Um ihn herum wurde "Oh, wie ist das schön" gesungen, und die Fans im Bremerhavener "Eisbären-Käfig" lagen sich freudetrunken in den Armen. Doch Wolfgang Grube war nicht in Feierlaune. Sicherlich, der Geschäftsführer der Eisbären Bremerhaven war ebenso erleichtert, dass es für seinen Basketballverein in der Bundesliga weitergeht. Mehr aber auch nicht. Denn der erzitterte Klassenerhalt in allerletzter Minute war der Schlusspunkt unter einer völlig verkorksten Saison für die Bremerhavener.

Eisbären-Geschäftsführer Wolfgang Grube im Gespräch mit dem Sportblitz.
Erleichtert, aber auch verärgert: Eisbären-Geschäftsführer Wolfgang Grube.

"Das war der Schreckschuss, den wir brauchten", betonte Grube und begann seine schonungslose Abrechnung: "Wir hatten keine gute Mannschaft. Die ist von Trainervorgänger Sebastian Machowski schlecht und falsch zusammengestellt worden. Das hat man an der Qualität ja gesehen. Wir hatten einige gute Spieler, aber von der Bank kam gar nichts."

Harsche Kritik an Machowski und Rathjen

Ende Dezember war Machowski als Cheftrainer entlassen worden, der neue Manager Arne Woltmann übernahm dessen Posten und für ihn rückte Grube übergangsweise in der Geschäftsführung nach. Und Grube will nun Tabula rasa bei den Eisbären machen – in jeder Hinsicht. "Wir müssen jetzt gucken, was wir falsch gemacht haben. Und mit nur acht Siegen von 34 Spielen haben wir einiges falsch gemacht. Das müssen wir ausmerzen."

Dieses Ausmerzen soll sich personell aber auch konzeptionell auswirken, denn in Grubes Augen schleppt der Verein zu lange Altlasten mit sich herum. "In den letzten sechs Jahren haben wir nie mehr die Playoffs erreicht, weil es keine Visionen in der Geschäftsführung gab", monierte Grube. Ein deutlicher Seitenhieb an seinen Vorgänger, den langjährigen Manager Jan Rathjen. Der saß als Zuschauer in der Stadthalle Bremerhaven und fieberte mit seinem alten Klub mit. Doch was Rathjen bei seinem überraschenden Ausscheiden im Mai 2017 hinterlassen hatte, schmeckt Grube überhaupt nicht. "Wir fangen jetzt von null an und müssen alles überdenken. Wir brauchen ein neues Modell, wir müssen konkurrenzfähiger werden", betonte Grube. Aufbruch statt Stagnation, das ist sein Mantra.

Wer bleibt, wer geht?

Coach Arne Woltmann und Co-Trainer Chris Harris gestikulieren verzeifelt am Spielfeldrand.
Bleiben wohl bei den Eisbären: Coach Arne Woltmann (rechts) und Co-Trainer Chris Harris. Bild: Imago | Nordphoto

Grube möchte an alte Erfolgszeiten der Eisbären anknüpfen, die seit dem Aufstieg im Jahr 2005 in der Bundesliga spielen. Doch ob er dafür Leistungsträger wie Jordan Hulls halten kann, ist völlig offen. Der US-Amerikaner mochte sich nach dem Herzschlagfinale noch nicht über seine Zukunft äußern. "Wer geht und wer bleibt, weiß ich noch nicht", sagte Grube: "Alles wird evaluiert."

Trainer Woltmann und dessen Co-Trainer Chris Harris hatten bereits angedeutet, dass sie bleiben wollen. Endgültig bestätigt ist aber auch das bisher nicht. Die Eisbären sollen wieder um die Playoffs mitspielen, das ist der Plan. Dafür muss ein neues Konzept her, neue Strukturen, neue Spieler. Der Weg ist weit, aber die Enttäuschung über die missglückte Saison ist Antrieb genug für den Neuanfang. Grube jedenfalls versprach, bei der Aufarbeitung "jeden Stein umzudrehen", damit der notwendige Umbruch beginnen kann. Wie genau das gelingen soll, ließ er allerdings offen.

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  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 2. Mai 2018, 18:06 Uhr