Interview

Welche Vögel sich beim Namen rufen – und wie sie klingen

Einige Vögel haben sogar eine eigene Grammatik. Vogelimitator Uwe Westphal war zu Gast in Bremerhaven. Er klärte auf über die "gefiederte" Kommunikation – mit klangvollen Beispielen.

Kolk-Rabe, rufend in einer Krokus-Wiese.
Raben sind intelligente und soziale Tiere, manche von ihnen können sich gegenseitig beim Namen rufen. Bild: DPA | T. Will/Blickwinkel

Amsel, Drossel, Fink und Star – weit mehr als hundert Vogelstimmen beherrscht der Imitator Uwe Westphal. Wenn er zwitschert, will er die Herzen seiner Zuhörer berühren. So, wie echte Vögel. Aber wie lassen die sich auseinanderhalten – und was haben Raben mit Delfinen gemeinsam? Der Biologe, Ornithologe und Autor aus Hamburg war beim Leher Kultursommer in Bremerhaven zu Gast.

Was Sie machen ist mehr als Vögel "nachzupfeifen". Wie würden Sie Ihre Arbeit beschreiben?
Was ich mache ist "Naturetainment". Ein furchtbares Wort, ich weiß, aber es gibt kein deutsches Wort, dass das so gut widergibt. Also auf unterhaltsame Weise Naturwissen zu vermitteln, das ist meine Spezialität. Die Leute lernen praktisch nebenbei. Die Vogelstimmen sind da nur Mittel zum Zweck. Ich habe auch CDs gemacht, da sind die Imitationen mit den Erläuterungen dabei.

Mensch oder doch der Vogel? Was hören Sie heraus?

Kolk-Rabe, rufend in einer Krokus-Wiese.
Bild: DPA | T. Will/Blickwinkel
Mit elf Jahren ging es los, auf dem Bauernhof der Großeltern. Konnten Sie da schon die Hühner imitieren?
Ja, Hühner und Kühe sicherlich. Seit meinem elften Lebensjahr beschäftige ich mich mit der Vogelwelt. Also seit genau 50 Jahren. Parallel dazu hatte ich immer Spaß mit meiner Stimme zu experimentieren und habe sie über die Jahre ausgebildet, wie ein Instrument. Aber nicht vor dem Hintergrund Vögel oder andere Tiere imitieren zu wollen, das hat sich daraus ergeben. Sehr schwierig ist zum Beispiel die Feldlärche, daran muss man schon Jahrzehnte üben.
Wie kommunizieren Vögel eigentlich? Auch mit Gefühl?
Mit Befindlichkeit auf jeden Fall. Es gibt verschiedenste Lautäußerungen. Die Gesänge, die man mit wenigen Ausnahmen nur im Frühjahr hört, das ist Werbegesang und Revierabsteckung. Dann gibt es verschiedene Warnrufe gegenüber Boden- oder Luftfeinden. Außerdem gibt es Flug-, Bettel- oder Standortrufe von Jungvögeln.

Bei Kohlmeisen gibt es nachweislich eine Grammatik. Bei sozial lebenden Vögeln wie Raben oder Spatzen muss man davon ausgehen, dass sie zu komplexerer Kommunikation in der Lage sind. Von Kolkraben ist bekannt, dass sie sich gegenseitig mit Namen rufen. Die sind hochintelligent. Das ist ähnlich wie bei Delfinen, jeder hat einen individuellen Ruf. Wenn die anderen einen persönlich kennen, kennen sie auch seinen Ruf. Wenn sie ihn ansprechen wollen, rufen sie ihn mit diesem Ruf an. Kohlmeisen können Gefahrensituationen beschreiben und Artgenossen herbeirufen, um mit ihnen zusammen Feinde anzuzetern.  
Auf welche Weise können Laien die gängigsten Singvögel auseinanderhalten?
Es gibt verschiedene Methoden, zum Beispiel Merksprüche. Zaunkönige kann man nicht imitieren. Sie haben einen rollenden, schmetternden Gesang, da habe ich den Merkspruch erfunden: "Ich, ich, ich, bin drrrrrr König, bin, ich, ich, ich, bin drrrrrr König." Wichtig ist, dass man nicht gleich im Mai anfängt, frühmorgens im Auwald. Sondern vielleicht im ausgehenden Winter im Park oder eigenen Garten, da sind viele Zugvögel noch nicht zurück. Dann kann viel leichter einsteigen.

Das Gespräch mit Vogelimitator Westphal zum nachhören:

Ein älterer Herr mit Glatze, grauem Bart und Brille steht vor einer Holzwand.
Mit seinen Vogelstimmen-Imitationen hat es Uwe Westphal aus Hamburg zu bundesweiter Bekanntheit gebracht.
  • Joschka Schmitt

Dieses Thema im Programm: Der Nachmittag, Bremen Zwei, 5. September 2019, 16:21 Uhr