Interview

Stürme ziehen über Bremen hinweg: Wann hört das endlich auf?

Das Wetter ist launisch in diesen Tagen: Wieder mal weht der Wind kräftig, bei ungewöhnlich milden Temperaturen. Über die Gründe haben wir mit einer Meteorologin gesprochen.

Video vom 16. Februar 2020
Spaziergänger an der Hafenpromenade in Bremerhaven während des Sturms Victoria

Erst vor etwa einer Woche fegte der Orkan "Sabine" über Bremen und Bremerhaven hinweg. Nun weht, wenn auch etwas weniger stark, "Victoria" durchs Land. Dazu stiegen am Sonntag die Temperaturen auf bis zu 16 Grad in Bremen. Von Winter also keine Spur. Was ist bloß mit dem Wetter los? Annika Brieber ist Meteorologin im Klimahaus Bremerhaven und kann erklären, was die Gründe für dieses launische Wetter sind.

Frau Brieber, erst letzte Woche gab es den Sturm "Sabine", nun also auch noch "Victoria". Wieso gibt es momentan so viele Stürme?

Im Moment haben wir einen sehr starken Temperaturunterschied zwischen dem Norden und dem Süden. Das bedeutet, über der Arktis ist sehr kalt und im Süden sehr warm. Dieser große Unterschied bei den Temperaturen sorgt dafür, dass wir auch große Druckunterschiede haben – und dadurch bilden sich diese Sturmtiefs.

"Victoria" ist ja ein sehr warmer Sturm. Was ist der Grund dafür?

Die Luft, die hier zu uns gepustet wird, kommt aus West und Südwest, teilweise auch direkt aus dem Süden und da ist es eben im Moment sehr warm. Zu uns wird somit also milde Meeresluft transportiert.

Meteorologin Annika Brieber steht in einem Raum mit Monitoren
Annika Brieber arbeitet als Meteorologin im Klimahaus Bremerhaven

Ist denn ein Ende der Stürme in Sicht?

Die heftigen Sturmtiefs sind dann erst mal vorbei. Es sieht also nicht so aus, als ob direkt das nächste nach kommt. Aber es zieht trotzdem ein Tief nach dem anderen durch. So ist momentan eben die Wetterlage in Deutschland.

Wir haben Februar und am Sonntag gab es stellenweise bis zu 16 Grad in Bremen. Das ist nicht gerade Winterwetter, oder?

Es ist viel zu warm. Der Januar war schon zu mild mit 4 Grad über dem Mittelwert und der Februar war bislang ebenfalls ähnlich zu warm. Das ist auf jeden Fall sehr untypisch für diese Jahreszeit. Auch die Nächte sind extrem warm und bleiben über dem Nullpunkt. Das wirkt sich letztlich dann natürlich auch auf den Durchschnittswert aus.

Wie erklären Sie sich das?

Eben durch diese Wetterlage, die wir momentan haben. Die Luftmassen kommen nicht aus dem kalten Norden oder Osten, sondern permanent aus dem Süden und Westen. Entsprechend wird die warme Meeresluft zu uns transportiert.

Vielen meinen, das sei der Klimawandel. Kann man solche Rückschlüsse ziehen?

Das kann man nicht direkt sagen und eins zu eins darauf zurückführen. Was man aber sagen kann, ist, dass die Wahrscheinlichkeit für solche Wetterlagen und Warmwinter durch den Klimawandel in Zukunft höher wird. Auf die Großwetterlage – also die Hauptwindrichtung, aus der der Wind kommt – hat der Klimawandel also auf jeden Fall einen Einfluss.

Ist denn überhaupt noch ein richtiger Winter in Sicht in diesem Jahr?

Bislang nicht. Um zuverlässige Vorhersagen treffen zu können, kann man aber nie weiter schauen als eine Woche. Da sieht es nicht nach richtigem Winter aus. Es kann trotzdem noch passieren. Wir hatten in der Vergangenheit ja auch schon Kälteeinbrüche im März. Aber momentan kann man das einfach nicht absehen.

Generell müssen wir uns wohl darauf einstellen, dass wir künftig seltener Schnee sehen, oder?

Das kann schon noch vorkommen. Es ist nicht so, dass wir nur noch warme Winter ohne Schnee bekommen. Aber wie gesagt, die Wahrscheinlichkeit nimmt ab. Wir bekommen zwar mehr Niederschläge im Winter, aber dieser Niederschlag fällt dann in Form von Regen und nicht in Form von Schnee.

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 16. Februar 2020, 19:30 Uhr