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Vorerst gerettet – aber wie geht es mit der "Seute Deern" nun weiter?

Das "süße Mädchen" aus Bremerhaven schwimmt wieder. Doch mit ihr tauchen auch die alten Probleme wieder auf. Viele Fragen zum Traditionssegler sind noch offen.

Seute Deern in Bremerhaven

Großes Aufatmen in Bremerhaven: In einem Kraftakt mit großem technischen und personellen Aufwand wurde der Traditionssegler wieder in seine alte Schwimmposition gebracht – nachdem ein erster Versuch am Samstag gescheitert war.

Doch damit ist für das süße Mädchen noch lange nicht alles klar. Die große Bergungsaktion hat nur ein akut neu entstandenes Problem gelöst. Nach dem Schiffskörper tauchen nun auch die alten Probleme wieder auf. Einige Fakten zur Zukunft des Schiffes.

Das Segelschiff Seute Deern

1 Die Bergung: Erfolgreich, aber noch nicht ganz vorbei

Die "Seute Deern" schwimmt zwar wieder, aber das Bergungsteam muss noch ein bisschen arbeiten. Das Schiff bleibt zunächst noch gesichert. Erst wenn es wirklich stabil liegt, können die in den letzten Wochen angebrachten Sicherungen wieder abgebaut werden, darunter die riesigen Schwimmballons und die Seile, die derzeit noch die Masten halten. Mit dem Pumpen ist es auch dann übrigens nicht vorbei: Der Dreimaster muss auch weiterhin regelmäßig entwässert werden, er ist seit vielen Jahren undicht. Darum muss nun wieder vom Maximal- auf den Normal-Pumpbetrieb umgestellt werden.

2 Nach dem Brand und nach dem Sinken: Zustand bleibt unklar

Die "Seute Deern" war am 30. August auf den Hafengrund gesunken. Schon im Februar hatte es zwischen den Bordwänden einen Brand gegeben, dabei war großer Schaden entstanden – das Traditionsrestaurant an Bord musste für immer schließen. Diese zwei kleinen Katastrophen und der ohnehin seit vielen Jahren schlechte Zustand des Schiffes machen es keineswegs sicher, ob das Schiff überhaupt noch saniert werden kann. In den nächsten Tagen will der Gutachter Hans-Joachim Möller mitteilen, wie er den Zustand des Schiffes nun einschätzt. Schon im Rahmen der Bergung hatte er es an Klarheit nicht mangeln lassen: Das Schiff bestehe zu großen Teilen nur noch aus Torf, sagte er unter anderem. Auch das Schifffahrtsmuseum als Besitzerin der "Seute Deern" will bald mitteilen, wie es weiter gehen soll.

3 Die Sanierung: Womöglich Streit um 34 Millionen – und mehr

Selbst wenn die "Seute Deern" saniert werden kann, wird das wohl nicht ohne Konflikte gehen. Nach ersten Kalkulationen soll die Sanierung 34 Millionen Euro kosten – wie bei fast allen öffentlichen Bauprojekten darf man wohl nicht ausschließen, dass es am Ende deutlich mehr würden. Das Geld würde zur Hälfte vom Bund kommen, vom Rest würde das Land Bremen 90 Prozent bezahlen, 10 Prozent davon müsste Bremerhaven stemmen. In der Stadt bekennen sich fast alle zu der Sanierung, das gehört hier quasi zur Staatsräson. Die Diskussion, ob ein so hoher Betrag für eine Schiffssanierung ein richtiges Signal ist, flammt aber nicht nur in den sozialen Netzwerken immer wieder auf. Und Gegenwind kam auch schon aus Bremen: "17 Millionen Euro sind viel Geld", meinte die damalige Finanzsenatorin Karoline Linnert (Grüne) – und Bremerhaven sage immer, es habe kein Geld. Deswegen müsse geprüft werden, ob die Investition wirklich nötig sei und es Alternativen gebe. Am Ende stimmten auch die Grünen für die Freigabe erster Planungsmittel.

Schiffe im Museumshafen Bremerhaven
Zahlreiche historische Shiffe liegen im Museumshafen.

Probleme könnte auch der laufende Unterhalt bringen. Das Deutsche Schifffahrtsmuseum wird vom Bund als Forschungsmuseum finanziert. Es hat immer wieder betont, dass es die Mittel für eine Sanierung nicht aufbringen kann und auch die laufenden Kosten der Museumsflotte eine Herausforderung seien: Mehr als ein Dutzend historischer Schiffe, Wasserfahrzeuge und Kräne stehen auf dem Außengelände, viele mit unübersehbarem Sanierungsbedarf. Schon an der Bergung am Wochenende konnte sich das Museum finanziell nicht beteiligen. Land Bremen und Stadt Bremerhaven mussten mit mindestens 1,1 Millionen Euro einspringen.

Die Seute Deern, an der orangene Luftsäcke angebracht sind.
  • Boris Hellmers

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 22. September 2019, 19.30 Uhr