Klimawandel: "Wir müssen uns auf höhere Pegel einstellen"

Bis zum Ende des Jahrhunderts, so melden Wissenschaftler aus den USA, könnte der Meeresspiegel doppelt so hoch steigen wie bisher angenommen. Angelika Humbert vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) Bremerhaven über das Forschungsergebnis.

Prof. Dr. Angelika Humbert
Prof. Dr. Angelika Humbert ist Glaziologin (Eisforscherin) am Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven.
Radio Bremen: Einen 30 Zentimeter höheren Meeresspielgel hatten Wissenschaftler für das Jahr 2100 bisher prognostiziert – die amerikanischen Forscher haben die Prognose nun drastisch erhöht. Wie sehen Sie die Ergebnisse aus den USA? Liegen die Forscher richtig?
Angelika Humbert: Ja, das ist sehr stark anzunehmen. Sie haben eine Untersuchung gemacht, wie die Meeresspiegel-Höhe sich in den vergangenen Jahren entwickelt hat – es war also eine Messung von dem, was tatsächlich schon stattgefunden hat. Die Wissenschaftler sind davon ausgegangen, dass sich die bisherige Kurve hält. Das muss nicht unbedingt der Fall sein, weil es auch noch viel stärker steigen könnte. Aber mit der Annahme, dass es sich so hält wie bisher, kommen sie bei einem Anstieg von 65 Zentimetern bis zum Jahr 2100 an.
Was sind denn die Gründe dafür? Warum steigt der Meeresspiegel nun plötzlich so viel schneller als erwartet?
Eine Ursache ist, dass die Ozeane wärmer werden und sich die Ozeanmassen dadurch weiter ausdehnen. Ein anderer Grund sind die Eisschilde, also die Gletscher in der Antarktis und in Grönland, die an Masse verlieren: Erstens, weil es in der Atmosphäre wärmere Luftmassen gibt, zweitens, weil auch die Ozeane wärmer werden und von unten an den Gletschern nagen.
Wie könnte sich dieser schnellere Anstieg auswirken? Was würde es konkret für unsere Region bedeuten?
Uns interessiert der regionale Aspekt hier an den Küsten ja am meisten – darum haben wir ein starkes Auge auf die Antarktis, weil sie hier in der nordeuropäischen Region den größten Beitrag hat. Wir müssen uns in der Zukunft auf höhere Pegel einstellen.
Kann man als Einzelner überhaupt konkret etwas gegen diese Entwicklung tun?
Jeder einzelne kann etwas dazu beitragen, den Anstieg zu reduzieren. Wir wissen, dass die Oberflächentemperaturen an den CO2-Ausstoß gekoppelt sind. Und diesen Ausstoß produzieren wir alle als Menschen.

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, 13. Februar 2018, 13:20 Uhr