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Corona-Tests bringen Bremer Labore ans Limit – wie lange geht das gut?

Mit der steigenden Zahl an Corona-Tests erreichen Labore ihre Grenzen. Gearbeitet wird am Wochenende, mehr Personal wird gesucht. Langfristig könnte das schwierig werden.

Mitarbeiterinnen in einem Labor untersuchen Corona-Tests.
Im vergangenen Monat ist die Zahl der Testungen in Bremen deutlich gestiegen. Bild: Reuters | Axel Schmidt

Seit Mitte Juli dürfen sich Rückkehrer aus Risikogebieten in Bremen kostenlos auf Corona testen lassen. Seit dem 8. August besteht sogar bundesweit eine Testpflicht. Nach ersten Schätzungen dürfte sie in Bremen etwa 20.000 Reisende betreffen, verteilt über die Sommermonate. Für die Labore bedeutet dies wachsende Arbeit. Und einige von ihnen kommen an ihre Grenzen.

So wie das Medizinische Labor Bremen (MLHB): Dort hat man die Grenze offenbar bereits erreicht. Die Gesamtkapazität des Labors beträgt 700 Testungen am Tag. Und man habe diese Kapazität in den letzten Wochen fast ausgeschöpft, sagt der kaufmännische Leiter, Ralf Heitmann.

Das ist nicht ganz unproblematisch für uns hier, weil man mal für einen Tag oder zwei Tage ein bisschen darüber hinaus gehen kann, aber dann wird es kritisch. Weil man die Tests dann maschinell und personell nicht mehr abarbeiten kann.

Ralf Heitmann, kaufmännischer Leiter im MLHB

Die Zahlen seien durch die Testung der Menschen ohne erkennbare Symptome in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen. "Bisher war es für uns in Bremen so, dass wir immer noch Restkapazitäten hatten und die Proben taggleich abarbeiten konnten." Durch die Testungen der Reiserückkehrer könnten jedoch in den kommenden Wochen bis zu 1.200 mehr Proben am Tag landesweit kommen, schätzt Heitmann. "Weder wir noch das Labor in Bremen-Mitte können dann diese Kapazitäten erfüllen."

Netz aus Laboren soll für Entlastung sorgen

Noch macht sich der kaufmännische Leiter allerdings keine großen Sorgen. "Es gibt noch Labore, mit denen wir zusammenarbeiten, die noch Ressourcen haben", sagt er. Die Proben könnten dann an Labore in andere Bundesländern geschickt werden. Man müsse nur schauen, wie man die Proben an die richtigen Stellen bringen könne, fügt Heitmann hinzu. Dafür habe man mittlerweile bundesweit eine "Overnight-Logistik" aufgebaut.

Das MLHB ist außerdem nicht das einzige Labor in Bremen, das Corona-Proben auswertet. Sieben Einrichtungen gibt es im gesamten Bundesland, wie das Gesundheitsressort mitteilt. In der vergangenen Woche wurden im Land Bremen etwa 7.500 Corona-Tests durchgeführt. Gerade seien in Bremen rund 1.600 Tests pro Tag möglich, sagt Ressortsprecher Lukas Fuhrmann. Theoretisch habe man derzeit also noch einen Puffer von gut 3.700 Tests.

Wir werden deutlich mehr testen in den kommenden Wochen, den Puffer brauchen wir auch.

Lukas Fuhrmann
Lukas Fuhrmann, Sprecher der Gesundheitssenatorin

Anzahl durchgeführter Corona-Tests im Land Bremen

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Schließlich zeigen die Zahlen für Bremen, dass immer mehr Tests durchgeführt werden. Waren es Mitte April noch durchschnittlich knapp 280 pro Tag, sind es Anfang August mehr als 1.000 gewesen. Mehr präventive Testungen in Schulen, Heimen und bei Reisenden werden die Zahl vermutlich noch in die Höhe treiben.

Langfristig könnten Tests rar werden

Die Labore haben offenbar bereits nachgerüstet. Lange Zeit habe man von einer Grenze von 1.200 möglichen Tests pro Tag gesprochen, führt Fuhrmann aus, doch die Kapazitäten seien mindestens seit Mitte Mai auf die Zahl von 1.600 erhöht worden. "Seit Beginn der Corona-Pandemie wurden die Testkapazitäten an den Bedarf angepasst und sukzessive ausgebaut", fasst er zusammen. Die Labore hätten ihr Material aufgestockt, einige Krankenhäuser hätten kleine Labore eingerichtet. Auch die Versorgung mit den Reagenzien soll mittlerweile sichergestellt sein.

Seit Beginn der Pandemie haben alle Labore aufgestockt, an manchen Kliniken sind kleine Labore entstanden, die jetzt auch Testungen durchführen.

Lukas Fuhrmann
Lukas Fuhrmann, Sprecher der Gesundheitssenatorin

Auch das MLHB versucht gerade, für die Zukunft vorzusorgen, indem es neue Mitarbeiter rekrutiert. "Wir haben schon einige eingestellt und suchen noch weiter, damit wir uns zeitlich ausdehnen können – in den Morgen- und Abendstunden. Um die vorhandenen maschinellen Ressourcen zu nutzen", sagt Heitmann. Eine räumliche oder maschinelle Vergrößerung des MLHB ist indes nicht geplant. "Es ist nicht damit getan, dass man sich eine Maschine da hinstellt. Wir müssten auch geschultes Personal haben. Wir werden weder personell noch operativ leisten können, das kurzfristig aus dem Boden zu stampfen", sagt Heitmann.

Auch das Material sei anfangs zeitweise knapp gewesen, doch momentan sei die Versorgung gesichert. Wie es in Zukunft aussehen wird, wenn die Tests zunehmen, sei allerdings noch unklar. Gerade würden die Labore "erste Hinweise aus der Diagnostika-Industrie vernehmen, dass Tests nur in einem begrenzten Ausmaß zur Verfügung stehen", gibt der Prokurist zu bedenken.

Arbeiten auch am Sonntag

Die Corona-Krise hat den Arbeitsalltag im Labor verändert. "Das gesamte Labor arbeitet in der Regel an sechs Tagen in der Woche. Mittlerweile arbeiten wir aber in der Molekularbiologie auch am Sonntag, damit wir das Probenaufkommen bewältigen können", erzählt Heitmann.

Außerdem arbeite man jetzt länger: "Einige Proben kommen erst spät am Nachmittag zu uns", sagt er. Sie würden dann in den Spätschichten analysiert, damit die Ergebnisse bis zu 22 Uhr rausgeschickt werden könnten. Die Tests kämen üblicherweise verteilt über den Tag aus den Arztpraxen, Krankenhäusern, Corona-Zentren oder von den Patienten, die direkt zum Labor fahren. "Die Proben kommen in der Regel über die Kurierdienste zu uns ins Labor. Sie werden dann in mehreren Läufen bearbeitet", so Heitmann. Die Bearbeitung beinhalte sowohl das Empfangen der Proben am Eingang als auch die Analyse und den Versand der Ergebnisse an Ärzte oder Patienten.

Gegenüber anlasslosen Massentestungen zeigt sich Heitmann skeptisch. "Ich bin guter Hoffnung, dass sich die Menschen an Hygienevorschriften halten werden, und ich finde, dass die Regierung eine sehr gute Arbeit bisher gemacht hat. Aber wir müssen aufpassen, dass wir durch die Untersuchung asymptomatischer Patienten nicht unnötig Ressourcen verschwenden. Das ist ein ganz entscheidender Punkt."

Wenn man jetzt anfängt, an allen Flughäfen bundesweit zu screenen, sind das natürlich Kapazitäten, die geschaffen werden müssen.

Ralf Heitmann, kaufmännischer Leiter Medizinisches Labor Bremen

So lief der erste Tag mit der Corona-Teststation am Bremer Flughafen

Video vom 31. Juli 2020
Ein Junger Mann mit Nase-Mund-Schutz, der vor einem Tisch steht, an dem zwei weitere Männer sitzen. Über ihnen an der Wand ein Plakat mit der Aufschrift "Corona Test Center".
Bild: Radio Bremen

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Autorin

  • Serena Bilanceri

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 31. Juli 2020, 19:30 Uhr