So können Sie Komet Neowise über Bremen am besten sehen

Wer Neowise jetzt verpasst, hat erst in 7.000 Jahren wieder Gelegenheit. Laut Bremens Planetariums-Chef haben die Menschen in Norddeutschland eine besonders gute Sicht.

Komet Neowise am nächtlichen Himmel
Kometen-Spotting über Bremen: Wie lange Neowise zu sehen sein wird, ist schwer vorherzusagen. Bild: Andreas Vogel

Der ein oder andere hat den Kometen mit Namen Neowise am Bremer Nachthimmel in den letzten Tagen vielleicht schon gesehen: In für astronomische Verhältnisse recht nahen 103 Millionen Kilometern schrammt er an der Erde vorbei und sein Schweif ist auch mit bloßem Auge erkennbar.

Entdeckt wurde er am 27. März 2020 vom unbemannten NASA-Weltraumteleskop Wide-Field Infrared Survey Explorer (WISE), das Asteroiden auskundschaftet. Neowise hat den eher nüchternen systematischen Namen C2020/ F3. Er hat selbst nur einen Durchmesser von rund fünf Kilometern, doch in Sonnennähe zieht er einen Schweif aus Gas und Staub hinter sich her, der ohne Fernglas von der Erde aus zu erkennen ist. Ebenso wie – wenn auch kopfüber – von der Raumstation ISS.

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Die NASA hofft, dass der Besuch Astronomen die Möglichkeit gibt, mehr über seine Zusammensetzung und Struktur zu erfahren. Immerhin dürfte er nicht viel jünger sein als unser Sonnensystem, also rund 4,6 Milliarden Jahre. Für den Leiter des Olbers-Planetariums Bremen Andreas Vogel ist der Besuch des Kometen ein echter Glücksfall.

So einen hellen Kometen wie Neowise erleben wir vielleicht alle 20 bis 30 Jahre.

Andreas Vogel
Andreas Vogel, Leiter des Olbers-Planetariums Bremen

Ein vergleichbares Himmelsphänomen ist lange her: Hale-Bopp war Mitte der 90er Jahre knapp 600 Tage mit bloßem Auge am Nachthimmel zu sehen. Neowise wird deutlich kürzer von der Erde aus sichtbar sein: Vogel geht noch von einer Woche bis maximal zehn Tagen aus.

Zwischen dem 22. und 24. Juli kommt er der Erde am nächsten. Wie lange genau er aber so hell bleiben wird, dass man ihn von der Erde aus ohne Hilfsmittel erkennen kann, lässt sich nicht genau bestimmen.

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Für Kometen-Spotter bleibt also nicht mehr viel Zeit. Und wer Neowise verpasst, bekommt wohl die nächsten paar tausend Jahre auch keine zweite Chance dazu: "Neowise kommt erst in circa 7.000 Jahren wieder an der Erde vorbei", so Vogel. Um eine möglichst gute Sicht auf den Kometen zu erhaschen, beherzigt man am besten diese fünf Tipps des Experten.

1 Uhrzeit und Blickrichtung sind entscheidend

Komet Neowise am nächtlichen Himmel mit Hinweis zu benachbarten Sternzeichen
Der Große Wagen liegt direkt oberhalb der Kometenbahn. Bild: Andreas Vogel

Hier in der Region ist der Komet mit dem Einbruch der Dunkelheit zu beobachten: Ab etwa 23 Uhr ist er dann besonders gut im Nordwesten des Nachthimmels zu sehen – knapp unterhalb der Sternenkonstellation des Großen Wagens.

Wer dann schon schläft, hat in der Morgendämmerung eine weitere Chance, den Kometen zu beobachten. Dann ist er im Nord-Osten zu sehen. "Generell gilt: je weiter nördlich man ist, desto besser ist der Komet zu sehen", verrät Andreas Vogel.

2 Der richtige Ort

Fernab von Lichtquellen und bei möglichst freiem Blick zum Horizont ist der nächtliche Himmel am besten zu beobachten. Das gilt nicht nur bei Sternschnuppen-Regen, sondern auch für den Kometen Neowise. Eine Spritztour auf das Land wird mit besonders guter Sicht belohnt. Aber dunkle Orte in der Region muss man inzwischen suchen. Städte wie Bremerhaven oder Bremen sorgen für Lichtverschmutzung, die selbst in 30 bis 50 Kilometern noch für gelb-leuchtende Lichtschleier am Horizont sorgt. Es lohnt sich, vorab besonders dunkle Orte auf entsprechenden Lichtverschmutzungs-Karten im Internet auszukundschaften. Gerade bei Neowise ist außerdem eine wenig bewohnte Gegend von Vorteil, da der Komet knapp eine Handbreit über dem Horizont zu sehen sein wird.

3 Das Handy ausschalten

Neben der richtigen Umgebung ist aber auch Geduld gefragt. Das menschliche Auge braucht 30 bis 45 Minuten, um sich vollständig an die ungewohnten Lichtverhältnisse zu gewöhnen. Das bedeutet vor allem: Handy ausschalten. Denn ein einziger Blick auf das Display macht alle Bemühungen gleich wieder zunichte und die Augen müssen sich neu an die Dunkelheit anpassen. Beim letzten Neowise-Besuch hatten die Menschen diese Luxus-Probleme nicht. Die letzte Sichtung dürfte rund 6.000 bis 7.000 Jahre her sein. Damals erfanden die Ägypter gerade die Hieroglyphen und in Asien wurden die ersten Pferde domestiziert.

4 Die richtige Kamera-Einstellung

Die schlechte Nachricht zuerst: Um den Kometen zu fotografieren, reicht die kleine Handykamera wahrscheinlich nicht aus. Ideal ist für diesen Zweck eine gute Spiegelreflex- oder Systemkamera mit einem stabilen Stativ – neben genügend Geduld und etwas Übung.

Hier eine kurze Checkliste für die richtige Kameraeinstellung: Im manuellen Modus muss die Blende so weit geöffnet werden wie möglich, damit die maximale Menge an Licht eingefangen wird. Der Autofokus muss ausgeschaltet, der manuelle Fokus auf "unendlich" geschaltet werden – das Motiv ist schließlich sehr weit weg. Der ISO-Wert wird zur besonderen Herausforderung. Bei Dunkelheit benötigt man eigentlich einen höheren Wert, damit auf dem Bild etwas zu sehen ist. Gleichzeitig "rauscht" das Bild bei einer zu hohen ISO-Einstellung. Und am Ende noch die Belichtungszeit anpassen: Empfohlen werden mindestens 30 Sekunden, aber auch hier sollte man die Einstellungen variieren. Das Fotografieren wird also zur Mammutaufgabe. Und anstrengend für die Augen, die sich immer wieder an die Helligkeit des Kameradisplays anpassen. Gerade ungeübte Fotografen sollten sich also gut überlegen, ob sie versuchen, wirklich Bilder zu machen – oder doch lieber den Kometen mit einem Fernglas zu beobachten.

5 Risikofaktor Wetter

Eins kann alle Vorbereitungen zunichte machen: Schlechtes Wetter. Auch wenn derzeit der Himmel eher wolkenverhangen ist und dieser kein gänzlich ungetrübtes Kometenvergnügen ermöglicht, lassen die Vorhersagen auf buchstäblich bessere Aussichten Richtung Wochenende hoffen. Die aktuellen Wettervorhersagen für Kometenjäger hält butenunbinnen.de bereit.

Sternschnuppenzeit naht

Wer übrigens auf Sternschnuppenfang gehen möchte, hat im Juli und August wieder reichlich Gelegenheit dazu: Die Aquariiden erreichen ihr Maximum vermutlich in der Nacht auf den 30. Juli mit bis zu 25 Sternschnuppen pro Stunde. Die bald startenden Perseiden schaffen es Mitte August sogar auf über 100 Sternschnuppen pro Stunde.

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Video vom 29. Februar 2020
Das Bremer Planetarium von Innen
Bild: Radio Bremen

Autoren

  • Marie Roters
  • Eva Linke

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, Die Vier am Morgen, 14. Juli 2020, 9:50 Uhr