Wie fair ist Fair Trade wirklich? Diese 5 Fakten sollten Sie kennen

In Bremerhaven startet die zweite Fair-Trade-Aktionswoche. Nähen, kochen, Popup-Store: Alles dreht sich um fairen Handel. Doch wie erkennt man faire Produkte?

jemand hält ein Paket Fairtrade-Kaffee im Supermarkt
Fair-Trade-Produkte sind mittlerweile überall zu bekommen. Doch nicht hinter jedem Siegel steckt die selbe Qualität. Bild: DPA | Bernd Weissbrod

Zum zweiten Mal startet Bremeraven Fairtrade-mäßig durch: An sechs Tagen laufen 16 Veranstaltungen, in der City wurde ein eigener Laden eröffnet. Hinter der Aktion steht ein Aktionsbündnis aus Politik, Stadt, Unternehmen und Gewerkschaften. Doch viele fragen sich: Wie fair ist Fair Trade eigentlich? Wie erkennt man wirklich fair gehandelte Ware? Und wo wird mit Siegeln und Infos getrickst?

1 Welche Siegel es gibt – und wie streng sie sind

Es gibt viele Nachhaltigkeitssiegel – denn im Gegensatz zu "Bio" sind Begriffe wie "Fair Trade" oder "Fairer Handel" nicht geschützt. Darum gib es viele Siegel, die sich Hersteller oder Handelsketten selber basteln. Dahinter stehen oft dann aber keine unabhängigen Institutionen, die überprüfen, ob die Standards eingehalten werden. Die Stiftung Warentest hat 2016 sechs Organisationen überprüft, die selbst prüfen. Vier davon bekamen ein "gut" bei den Anforderungen an Produzenten: Naturland Fair, Transfair Fair Trade, Rapunzel Hand in Hand und Gepa fair plus. Zwei Siegeln bescheinigte der Test nur eine "mittlere Aussagekraft": Rainforest Alliance und UTZ. Bei beiden war das Anforderungsniveau an die Produzenten für die Tester nur "befriedigend".

Übersicht von sechs Nachhaltigkeitssiegeln.
Bild: Naturland Fair, Transfair Fairtrade, Rapunzel Naturkost Hand in Hand, Rainforest Alliance, UTZ, Gepa fair

2 Keine Kinderarbeit, faire Preise: Das müssen Hersteller garantieren

Die Anforderungen der Siegel-Organisationen sind unterschiedlich – es geht aber stets um ökologische, soziale und ökonomische Kriterien. So verlangen einige Siegel Mindestpreise für Rohwaren, andere fordern Bio-Qualität für Rohstoffe. Alle verbieten den Einsatz von Kinderarbeitern, einige wollen die Gewerkschaften fördern. Auf den Listen stehen außerdem transparente Handelsbeziehungen oder das Verbot von Gentechnik. Welches Siegel was fordert, hat die Stiftung Warentest zusammengefasst:

3 Verbraucherschützer loben Fair Trade – haben aber eine Forderung

Die Verbraucherzentrale in Bremen steht grundsätzlich hinter der Idee von Nachhaltigkeitssiegeln: "Mit dem Kauf fair gehandelter Produkte können Konsumenten faire Handelspraktiken und bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen für Arbeiter und Kleinbauernfamilien in den südlichen Ländern fördern und einen umweltverträglichen Anbau unterstützen", sagt Annabel Oelmann, Vorständin der Verbraucherzentrale Bremen. Sie hat zugleich aber auch eine Forderung: "Für nachvollziehbare Fairhandels-Kriterien brauchen wir eine gesetzliche Definition von 'fair'. Was fehlt, sind einheitliche Regeln, die definieren, was genau unter sozial, fair und umweltverträglich zu verstehen ist."

Dann könnten wir seriöse Anbieter beim Einkauf klar erkennen.

Dr. Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Bremen
Annabel Oelmann, Verbraucherzentrale Bremen

4 Fair Trade heißt nicht alles ist fair gehandelt

Wer Lebensmittel mit anerkannten Siegeln kauft, kauft grundsätzlich fair gehandelte Waren – aber nicht unbedingt zu 100 Prozent. Denn keines der Siegel fordert immer komplett aus Fair-Trade-Rohstoffen hergestellte Waren. Lediglich bei sogenannten "Monoprodukten" wie Kaffee, die nur aus einem Rohstoff bestehen, müssen bei drei der sechs Siegeln 100 Prozent Fair-Trade-Waren stecken. Bei Mischprodukten aus mehreren Rohstoffen müssen teils nur 20 Prozent der Zutaten aus Fair-Trade-Produktion kommen. Bei den meisten Siegeln muss der Anteil dann aber ausgewiesen werden.

5 Faire und konventionelle Produkte werden nicht immer getrennt

Es gibt bei vielen Fair-Trade-Produkten einen sogenannten Mengenausgleich. Hier können fair und konventionell gehandelte Produkte gemischt werden. "Ob überhaupt oder wie viel Prozent fairer Kakao in der Schokolade enthalten ist, erfährt der Verbraucher nicht", sagt Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale: "Es kann also sein, das die Fairtrade-Schokolade konventionellen Kakao enthält, während eine Schokolade ohne Fairtrade-Siegel den fairen Kakao enthält." Als Grund für diese Praxis gibt die Dachorganisation Fairtrade International an, es sei nicht immer möglich, beide Produktarten über den gesamten Produktionsprozess zu trennen. Auch ein Mengenausgleich muss auf der Verpackung ausgewiesen sein.

Was sind nachhaltige Anlagen?

Reporterin Maike Evers hält ein 10€ Geldschein in der Hand, neben ihr steht ihre Nachhaltigkeitspflanze.
  • Boris Hellmers

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 23. September 2019, 23.30 Uhr