Warum die Bremer Domuhr manchmal aus dem Takt gerät

Wenn es auf die Minute ankommt, dann reicht der Blick zur Turmuhr am Bremer Dom manchmal nicht aus. Dafür gibt es einen ganz überraschenden Grund.

Turm des Bremer Dom, mit Turmuhr.
Im Nordturm schlägt die Uhr des Doms. Jeden Monat wird das Uhrwerk gewartet Bild: Radio Bremen | Martin von Minden

Seit vier Jahrzehnten klettert Henning Paulsen einmal im Monat den Nordturm des Bremer St. Petri Doms hinauf. Er ist der Domuhrmachermeister. 127 Stufen sind es bis zum Uhrwerk, ein enges Treppenhaus, immer im Kreis herum.

Das Uhrwerk ist ein Getriebe aus vielen Zahnrädern – kompliziert für den Laien, aber sehr zuverlässig und fast störungsfrei. Gebaut wurde es 1962 von der Firma Eduard Korfhage & Söhne in Melle. Wenn doch mal etwas kaputt geht oder ausgetauscht werden muss, dann ruft der Bremer Domuhrmachermeister dort an.

Bremens Zeithüter muss regelmäßig nachjustieren

Ein Holzpendel schwingt im Uhrwerk der Domuhr hin und her.
Das Pendel aus Buchenholz ist der Grund, weshalb die Domuhr ab und zu die falsche Zeit anzeigt. Bild: Radio Bremen | Sven Weingärtner

Dass das Uhrwerk so gut funktioniert, liegt aber auch daran, dass Henning Paulsen so regelmäßig vorbeikommt. Er prüft, ob noch überall genug Öl vorhanden ist. Und gegebenenfalls korrigiert der 69-Jährige dabei auch gleich die Zeit. Denn die stimmt nicht immer mit den Atomuhren der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig überein. Der Grund dafür: das knapp ein Meter lange Holzpendel im Uhrwerk.

Das Pendel ist aus Buchenholz gefertigt, einem Holz, dass sich bei Temperaturschwankungen nur wenig verändert. Aber doch immerhin so viel, dass die Uhr etwas langsamer oder schneller tickt. Wenn es kälter wird, schrumpft das Pendel und wird schneller. Wenn es länger wird, hat das zur Folge, dass die Uhr nachgeht.

Das kann man bei mechanischen Uhren nicht ausschließen.

Henning Paulsen, Domuhrmachermeister
Domuhrmachermeister Henning Paulsen vergleicht die Zeit seiner Armbanduhr mit dem Uhrwerk der Domuhr.
Zeitabgleich: Henning Paulsen ist der Domuhrmachermeister. Bild: Radio Bremen | Sven Weingärtner

Normalerweise weicht die Domuhr in zehn Tagen maximal eine Minute von der tatsächlichen Zeit ab. Meist ist es weniger. Nur einmal, als der Domuhrmachermeister auf einer längeren Reise war, da kamen mal vier Minuten zusammen.

Die Domuhr ist eine der wenigen Kirchturmuhren in Bremen, die noch mechanisch läuft. Die meisten Turmuhren funktionieren heute über Funk. Sehr zum Bedauern von Henning Paulsen.

Heute ist es ja ganz grauselig. Dieses ist ja noch eine richtige Uhr!

Henning Paulsen, Domuhrmachermeister
Zwei große Glocken hängen im Nordturm des Bremer Doms.
Noch mal einige Stufen weiter oben hängen die Glocken der Domuhr. Wenn sie schlagen, sollte man möglichst nicht in der Nähe sein. Bild: Radio Bremen | Sven Weingärtner

Ob die Domuhr irgendwann auch auf Funk umgestellt wird, ist unklar. An sich müsste es auch langsam jemanden geben, der dem Domuhrmachermeister mal nachfolgt. Aber Nachwuchs ist rar in der Branche. Und noch kommt Henning Paulsen die vielen Stufen auch gut nach oben.

Der Bremer Dom: Tradition und junge Leute

Video vom 11. August 2020
Eine Luftaufnahme der Bremer Innensatd.
Bild: Radio Bremen

Autor

  • Sven Weingärtner Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Sonntagnachmittag, 20. September 2020, 14:38 Uhr