Wie der Bremer Dom im Advent Tausende Besucher anzieht

In der Vorweihnachtszeit strömen 5.000 Menschen täglich in den Bremer Dom. Aber wer von ihnen weiß, was seine Fußbodenheizung mit einer archäologischen Sensation zu tun hat?

Der Bremer Marktplatz mit Rathaus und Dom, auf dem der Weihnachtsmarkt stattfindet.
Für viele Weihnachtsmarktbesucher gehört ein Abstecher in den Dom dazu. Bild: Imago | Imagebroker

Im Schnitt bleiben Dom-Besucher zehn Minuten und verbinden diese Stippvisite mit ihrem Weihnachtsmarktbummel. Umso mehr freut sich Pastor Christian Gotzen, wenn er erlebt, dass der St. Petri Dom dann und wann von Menschen auch als echter Ruhepol genutzt wird.

Für viele ist der Dom eine Oase der Ruhe. Sie zünden ein Licht an und nutzen ihn als Raum der Stille.

Christian Gotzen, Dom-Pastor

Ab Montagabend geht vom Dom eine ganz besondere Botschaft aus: Ab dann leuchtet dort traditionell wieder das Friedenslicht aus Bethlehem. Pfadfinder bringen es vom St. Petri Dom aus in viele weitere Kirchengemeinden im Land Bremen. Und wer will, kann auch selbst eine Kerze daran entzünden. Ein mitgebrachtes Windlicht schützt die Flamme auf dem Nachhauseweg. Symbolisch gibt man es danach als flackerndes Friedenssymbol an Familienmitglieder, Freunde oder Nachbarn weiter.

Weihnachtsmessen im Dom

Die beliebtesten Gottesdienste im Jahr sind auch im Bremer Dom die am Weihnachtstag. Am 24. Dezember sind die Messen um 15 und 17 Uhr besonders gut besucht. Aber auch um 23 Uhr finden sich noch rund 1.500 Nachtschwärmer im Dom ein. Der Tipp des Pastors: Sein Gottesdienst um 19 Uhr bietet erfahrungsgemäß noch etwas mehr Platz als die anderen, da dies für viele Familien mit der Bescherung daheim zusammenfällt.

Das sind besondere Momente. Der Dom im festlichen Kerzenglanz: Da macht sich die Sehnsucht nach Frieden breit und der Wunsch nach mehr Zusammenhalt der Gesellschaft.

Christian Gotzen, Dom-Pastor

Doch wie viele Weihnachtsbesucher wissen eigentlich um die Geschichte des Bremer Doms? Er hat in den vergangenen 1.000 Jahren so einiges überstanden: Brände, einen eingestürzten Turm, Besitzerwechsel, eine Reformation und schließlich noch Bombeneinschläge. Und in jüngster Geschichte sorgte er für eine besondere Überraschung.

Viele Menschen beim Gottesdienst im Bremer St. Petri Dom
Der St. Petri Dom strahlt eine besonders festliche Stimmung aus. Bild: Bremische Evangelische Kirche | Nikolai Wolff

Desolate Bausubstanz – was für ein Segen

Vor gut 45 Jahren – Ostern 1973 – will man eine Fußbodenheizung und neues Gestühl in die Kirche einbauen. Doch bei den Ausschachtungen muss Dombauherr Karl Henry Lamotte erkennen, dass die Bausubstanz im höchsten Grade desolat ist. Der Zufallsbefund stellt sich als großer Segen heraus: Der Dom wird auf Herz und Nieren überprüft und eine zügige Sanierung auf den Weg gebracht.

Die Statiker haben uns beglückwünscht, dass wir überhaupt mit der Domrestaurierung begannen, denn es bestand eine akute Einsturzgefahr an mehreren Stellen.

Karl Henry Lamotte, Dombauherr

Nach dem Befund geht es nun ums Ganze. Morsche Fundamente und hohle Säulen müssen jetzt schleunigst stabilisiert werden. Und: Die Bauarbeiten rufen die Bremer Landesarchäologen auf den Plan.

Mittelalterliche Bischofsgräber entdeckt

Bei der Domsanierung wird tief im Kirchenuntergrund gebuddeln, sozusagen am Ursprung der Stadt Bremen. Dort stößt man nicht nur auf Spuren aus der Zeit des ersten Doms im 8. Jahrhundert: Unter dem heutigen Domfußboden wimmelt es von Gräbern.

Kirchenbänke und Gewölbe mit Fenster

Seit Jahrhunderten sind hier die Bremer Erzbischöfe und Bischöfe bestattet worden, und deshalb ist der Fußboden praktisch völlig unterhöhlt.

Karl-Heinz Brandt, Landesarchäologe

Fußbodenheizung sei Dank: Die bei den Ausgrabungen gefundenen Bischofsstäbe, Kelche, Ringe und Textilien werden aufwendig restauriert – und sind heute im Dom-Museum zu sehen.

Die Ausgrabungen verzögern die Domsanierung um zwei Jahre. Nach insgesamt sechs Jahren Auszeit feiert die Domgemeinde mit Ende des ersten Bauabschnitts wieder einen Gottesdienst in ihrer runderneuerten Kirche. Das war im Dezember 1978. Vor genau 40 Jahren.

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  • Peter Meier-Hüsing
  • Eva Linke

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Die Chronik, 17. Dezember 2018, 7:50 Uhr