Depression an der Uni: Wenn das Studium zur Qual wird

Mit dem Wintersemester beginnt für viele Bremer Studenten auch eine Leidenszeit: Immer mehr von ihnen haben psychische Probleme. Doch es gibt Auswege.

Ein junger Mann sitzt in einem Wohnzimmer und versenkt den Kopf in den Händen.
Jeder sechste Student leidet an einer psychologischen Störung. Bild: DPA | Christin Klose

Im Oktober hat für mehr als 30.000 Studenten an Bremens Hochschulen das Wintersemester begonnen. Doch immer mehr von ihnen empfinden das Studium als Belastung. Dem von der Krankenkasse Barmer veröffentlichten Arztreport 2018 zufolge litten deutschlandweit knapp 17 Prozent der Studenten an einer psychischen Störung – zum Beispiel Panikattacken, Angststörungen oder Depressionen. Die Diagnose letzterer nahm dem Report zufolge zwischen 2005 und 2016 gar um 76 Prozent zu.

Swantje Wrobel vom Studierendenwerk Bremen überrascht das nicht. Die Leiterin der dort angesiedelten Psychologischen Beratungsstelle für Studierende (PBS) hat ähnliche Zahlen dokumentiert. 2017 sei das Stichwort "depressive Verstimmung" von rund 30 Prozent der beratenen Studenten auf dem Fragebogen angekreuzt worden, sagt Wrobel – gefolgt von Selbstzweifeln und Arbeitsschwierigkeiten. Hier sorgt vor allem die Prokrastination, das ständige Aufschieben von Aufgaben, für Probleme.

Die Zahlen sind erschreckend.

Swantje Wrobel, Leiterin der Psychologischen Beratungsstelle für Studierende in Bremen

Allein 2017 ließen sich 1.063 Studierende bei der PBS beraten. Das sind 3,5 Prozent aller Studierenden in Bremen. Die Dunkelziffer jener, die sich nicht melden, dürfte deutlich höher liegen, schätzt Wrobel.

Wer sich vor Ort in der Beratungsstelle, per Telefon, Mail oder auch anonym meldet, erhält meist nach zwei Wochen einen Termin. Was sind die Schwierigkeiten? Wie lange dauert das Leiden bereits an? Und hat es sich schon auf Studium oder Beziehungen ausgewirkt? Solche Fragen werden in der Beratung geklärt. "Und natürlich, welche Wege es gibt, das Problem zu lindern oder zu lösen", sagt Wrobel. Bei einem Drittel der Studierenden kommen die Berater nicht um einen Verweis an niedergelassene Psychotherapeuten, Fachärzte oder Kliniken herum.

Gründe noch nicht eindeutig geklärt

Die Gründe für die hohe Zahl depressiver Studenten sind noch nicht eindeutig geklärt. "Lange Zeit haben wir vermutet, dass es an der Umstellung der Studiengänge von Diplom und Magister zu Bachelor und Master liegen könnte. Das ließ sich aber in Studien nicht nachweisen", sagt Wrobel. Auch das Alter der Studenten lasse keine eindeutigen Schlüsse zu. "Die Erfahrung zeigt zwar, je länger jemand studiert, desto eher bieten die Umstände Anlass zu Selbstzweifel, finanziellem oder zeitlichem Druck." Gleichzeitig sei jedoch die Hälfte der Studenten, die in Bremen eine Beratung wahrnehme, im ersten bis dritten Semester.

Ein Grund könnte nach Ansicht Wrobels auch die stetig steigende Abiturquote in Deutschland sein. Junge Erwachsene würden häufiger ein Studium aufnehmen, obwohl sie in einer strukturierteren Ausbildung unter verschulteren Lernbedingungen besser aufgehoben wären. "Da kommen etliche Studienanfänger ins Schleudern", sagt Wrobel. Eine bundesweite Studienabbrecherquote von rund 28 Prozent spreche für sich.

Für jene Studierende, die an chronischen Krankheiten wie Depressionen litten, gebe es darüber hinaus Wege, diese unverschuldeten Nachteile auszugleichen. "Wenn zum Beispiel jemand depressiv erkrankt und einige Semester nicht studierfähig ist, kann er beantragen, keine Langzeitstudiengebühren zahlen zu müssen oder den Termin einer Prüfung zu verschieben." Dies nehme vielen der Betroffenen schon eine Last von den Schultern.

  • Kristian Klooß

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 5. Oktober 2018, 23:30 Uhr