Warum der Kaufmann Ludwig Roselius den Kaffee neu erfand

Er war der "König Ludwig" von Bremen: Zu Reichtum gekommen ist er durch Kaffee – mit Geschmack, aber ohne Umdrehung. Vor 75 Jahren starb Ludwig Roselius.

Ludwig Roselius am Schreibtisch bei einer Kaffeeprobe, zirka 1928
Ludwig Roselius setzte mit der Vermarktung seines Kaffees völlig neue Maßstäbe. Bild: Archiv Böttcherstraße Bremen

Dem Kaffee das Koffein zu entziehen, das war für Roselius eine Herzensangelegenheit, weil sein Vater, ein Kaffeeimporteur, schon mit 59 Jahren gestorben war. Ursache: zu viel Koffeingenuss. 1906 konnte Ludwig Roselius, der das Entkoffeinierungsverfahren selber ausgetüftelt hatte, die "Kaffee-Handels-Aktiengesellschaft" gründen: Kaffee HAG war geboren.

Kaffee HAG
Der rote Rettungsring war das Markenzeichen für den koffeinfreien Kaffee-HAG.

Roselius, 1874 in Bremen geboren, war Hanseat durch und durch. Aber auch ein gewiefter Marketing-Experte. Tamtam zu machen für das eigene Produkt? Das galt bei der Kaufmannschaft als "unhanseatisch". Roselius interessierte das nicht die Bohne. Mit viel Werbung wurde sein Kaffee weltbekannt: zunächst mit einem roten Rettungsring in einem Rhombus mit der Inschrift "Kaffee HAG" und später mit einem großen, roten Herz.

Sein Herz schlug aber nicht nur für Kaffee ohne Wumms, sondern auch für die bildende Kunst. Er war ein Sammler und schuf als "Krönung" sein eigenes Kunstwerk: die Böttcherstraße. Ludwig Roselius ließ an den Häusern der verfallenen Altstadtgasse expressionistische Backstein-Fassaden gestalten, einen Glockenturm und ein Museum für die Malerin Paula Modersohn-Becker bauen. Der Bildhauer Bernhard Hoetger errichtete aus Glas, Stahl und Beton das "Haus Atlantis" und gestaltete 1936 zu Ehren von Adolf Hitler das Bronzerelief "Der Lichtbringer".

Ich möchte – und das ist der tiefere Sinn der Böttcherstraße – den Bann brechen, der einst durch Halbwissen der Römer über unser Volk ausgesprochen wurde und der heute noch auf uns lastet.

Ludwig Roselius, in einer Rundfunkaufnahme 1932

Die germanische Kunst stünde der anderer Völker in nichts nach, sondern sie sei selbst schöpferisch gewesen und habe in fremden Ländern wiederum Kunst angeregt, die die Nachwelt irrtümlicherweise als selbstständige Schöpfung der betreffenden Länder wertete. "Ex oriente lux" heißt es immer, aber "ex occidente lux" müsste es heißen, davon war Roselius überzeugt. Germanenkult und völkisches Denken: Roselius fühlte sich dem Nationalsozialismus verbunden, wurde aber nie Parteimitglied. Als Hitler befand, der Böttcherstraßen-Stil-Mischmasch wäre "anarchisch" und "undeutsch", war das für Roselius ein vernichtendes Urteil. Trotz seiner Überzeugungen pflegte er Umgang mit Kommunisten und Sozialdemokraten und verehrte die Werke von Paula Modersohn-Becker, die von den Nazis als "entartet" verfemt wurden.

Das Ende des Zweiten Weltkriegs erlebte er nicht mehr, ebenso wie die Zerstörung seiner Böttcherstraße durch britische Bomber. Am 15. Mai 1943 starb der Bremer Kaffee-König Ludwig Roselius in Berlin im Alter von 68 Jahren.

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  • Katrin Krämer

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Die Chronik, 15. Mai 2018, 7:50 Uhr