Wann ertrinkt der Bremer Roland?

  • Schmelzendes Eis am Südpol für rascheren Anstieg verantwortlich
  • Das besagt eine Studie, an der auch Bremerhavener Forscher beteiligt sind
  • Beitrag des Südpols zum Meeresspiegel-Anstiegs hat sich verdreifacht
Eisberg Antarktis mit Eisschollen
Weil das Eis in der Antarktis immer schneller schmilzt, steigt der Meeresspiegel stärker an als bisher. Bild: imago | AndréxGilden

Die Studie ist die umfangreichste Erhebung zur Massenbilanz des antarktischen Eisschildes, teilt das Alfred Wegener Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) mit. Nach der neuen Studie hat sich der Meeresspiegelanstieg in den letzten fünf Jahren beschleunigt. Vor dem Jahr 2012 verlor der antarktische Eispanzer kontinuierlich 76 Milliarden Tonnen Eis pro Jahr, das ist mehr als alles Wasser im Bodensee – und ließ damit den globalen Meeresspiegel jährlich um 0,2 Millimeter ansteigen.

Von 2012 bis 2017 aber betrug der Verlust an Eismasse 219 Milliarden Tonnen Eis, so dass sich der Beitrag zum Meeresspiegelanstieg auf 0,6 Millimeter pro Jahr verdreifacht hat. Damit trage die Antarktis mit etwa einem Drittel zur gegenwärtigen Beschleunigung des Meeresspiegelanstiegs bei, sagen die Forscher.

84 Wissenschaftler an Studie beteiligt

Der Eisverlust in den letzten fünf Jahren setzt sich laut der Studie zusammen aus einem schnelleren Abfluss von Gletschern in der Westantarktis und auf der Antarktischen Halbinsel sowie weniger Schneefall in der Ostantarktis. Dabei veränderte sich die Bilanz in der Westantarktis am stärksten: Verlor die Region in den 1990er Jahren 53 Milliarden Tonnen Eis pro Jahr, so stieg die jährliche Abnahme in den Jahren seit 2012 auf 159 Milliarden Tonnen an. An der Nordspitze des Kontinents hat der Zusammenbruch eines großen Eisschelfs an der Antarktischen Halbinsel seit Anfang der 2000er Jahre zu einem Anstieg des Eisverlustes um 25 Milliarden Tonnen pro Jahr geführt.

Der Roland ertrinkt 11,5 m über Meeres- spiegel ca.17,5 m über Meeres- spiegel ca. 3.800 Jahre ca. 5.800 Jahre

An der Studie haben 84 Wissenschaftler von 44 internationalen Organisationen mitgearbeitet – darunter das Alfred-Wegener-Institut. Sie kombinierten für ein großes Klimagutachten im Rahmen der Ice Sheet Mass Balance Inter-Comparison Exercise (IMBIE) Daten von 13 Satellitenmissionen.

Laut unseren Analysen ist es in den letzten zehn Jahren zu einer Beschleunigung des Massenverlustes in der Antarktis gekommen. Der Kontinent trägt gegenwärtig zu einem höheren Anstieg des Meeresspiegels bei als jemals zuvor in den letzten 25 Jahren. Es muss den Regierungen, denen wir vertrauen, ein Anliegen sein, unsere Küstenstädte und -gemeinden zu schützen.

Andrew Shepherd, Leiter der Studie, University of Leeds

Die Vergleichsstudie bilanziere die Massenverluste mit bisher unerreichter Genauigkeit, heißt es von den Forschern. Vom Alfred Wegener Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) sind der Klimawissenschaftler Ingo Sasgen und der Glaziologe Veit Helm beteiligt. "Wir haben Beiträge zur Landhebung und Eishöhenänderung in der Antarktis geleistet", berichtet Ingo Sasgen.

Doch das Abschmelzen der Gletscher lässt nicht nur den Meeresspiegel steigen sondern beschleunigt auch den Klimawandel. Ein Teufelskreis, wie die Eisforscherin Angelika Humbert vom AWI erklärt.

Es gibt Rückwirkungen auf die Atmosphäre. Wenn sich die Eismassen zurückziehen, dann liegt ja Fels oder Ozean an diesen Stellen frei. Dass heißt, die eingestrahlte Energie wird nicht mehr in dem Maße reflektiert, wie wir das von einer weißen Schnee- oder Eisoberfläche haben. Das ist ein zusätzlich verstärkender Effekt.

Angelika Humbert, Eisforscherin am AWI

Insgesamt steigt der Meeresspiegel im Durchschnitt jährlich mehr als drei Millimeter an.

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  • Birgit Reichardt

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 13. Juni 2018, 19 Uhr