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4 Gewaltverbrechen: Die meisten Täter noch auf freiem Fuß

Vier schwere Verbrechen in nur fünf Tagen in Bremen: Zwei Tote, zwei Verletzte und Zerstörung durch eine Handgranate. Wie weit sind die Ermittlungen?

Eine Schießerei, eine Messerstecherei, ein brutaler Raubüberfall und eine explodierte Handgranate: Anfang November schockierten außergewöhnliche Polizeimeldungen die Bremerinnen und Bremer. Etwa drei Wochen später sind die meisten Täter nicht gefasst – bis auf einen, der sich der Polizei stellte.

1 Tödliche Schüsse in Oslebshausen

Am 2. November schießt ein Mann vor einem Supermarkt mehrfach auf einen 25-Jährigen aus Nordrhein-Westfalen. Das Opfer stirbt kurz darauf im Rettungswagen am Tatort. Der Schütze flüchtet und kann trotz groß angelegter Fahndung nicht gefasst werden.

Rettungswagen vor einem Supermarkt in Bremen-Oslebshausen.
Vor einem Supermarkt schoss ein 30-Jähriger einen 25-Jährigen nieder - das Motiv ist nicht bekannt.

Dann – drei Tage nach der Tat – stellt sich ein 30-Jähriger der Polizei und gesteht. Aber warum er geschossen hat, dazu schweigt der Verdächtige. Zeugenaussagen zufolge sollen die beiden Männer vor den Schüssen gestritten haben. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der mutmaßliche Täter gezielt und mit Tötungsabsicht feuerte.

2 Messerattacke im Viertel

Nur wenige Stunden nach den Schüssen in dem Supermarkt streiten am Ziegenmarkt mehrere Menschen. Die Situation eskaliert kurz nach 18 Uhr und zwei Männer im Alter von 20 und 21 Jahren werden niedergestochen. Einer der beiden Pakistaner stirbt wenig später im Krankenhaus, der 21-Jährige schwebt zeitweise in Lebensgefahr.

Vor einem Kiosk am Ziegenmarkt im Bremer Viertel wurde ein Mann erstochen.
Vor einem Kiosk am Ziegenmarkt im Bremer Viertel wurde der Mann erstochen.

Zeugen sagen aus, eine junge Frau und ein junger Mann seien in einem Supermarkt am Ziegenmarkt einkaufen gewesen. Dort habe eines der beiden späteren Opfer, die in unmittelbarer Tatortnähe in einem Imbiss gearbeitet haben sollen, der Frau Komplimente gemacht. Das habe den Begleiter der Frau verärgert und dieser habe schließlich auf der Straße auf den 21-Jährigen eingestochen. Der 20-Jährige sei daraufhin seinem Arbeitskollegen zur Hilfe geeilt und dabei vom Täter tödlich verletzt worden. Täter und Begleiterin flüchten. Die Polizei fahndet mit Fotos einer Überwachungskamera nach beiden.

Ein großer Mann mit kurzen schwarzen Haaren
Der Verdächtige ist zirka 1,75 bis 1,80 Meter groß. Bild: Polizei Bremen

Die Polizei teilt vier Tage nach der Tat mit, dass die Frau gefunden und vernommen worden sei. Gegen sie werde wegen Anstiftung zur gefährlichen Körperverletzung ermittelt. Zum mutmaßlichen Täter macht die Staatsanwaltschaft keine weiteren Angaben. Es werde gefahndet, heißt es lediglich. Die Polizei warnt davor, den Mann anzusprechen oder gar festzuhalten. Hinweise auf den Gesuchten nimmt die Polizei entgegen.

3 Brutaler Überfall auf 90-Jährige

Am 5. November schließt eine 90-Jährige am Mittag ihre Wohnungstür in der Karl-Lerbs-Straße auf. In diesem Moment tritt ein etwa 1,80 Meter großer Mann mit braunen nach hinten gekämmten Haaren von hinten an die Seniorin heran, drängt sie in die Wohnung, bedroht sie mit einer Schusswaffe und schlägt sie nieder. Als die Frau um Hilfe ruft, flüchtet der etwa 50-jährige Täter ohne Beute. Die 90-Jährige muss wegen Kopfverletzungen in einem Krankenhaus aufgenommen und behandelt werden.

Am 10. November verteilen in der Nachbarschaft 30 Polizisten 2.000 Flugblätter mit einem Fahndungsaufruf und Täterbeschreibung. Zusätzlich setzt die Staatsanwaltschaft eine Belohnung von 3.000 Euro aus. Doch Hinweise auf einen konkreten Verdächtigen fehlen nach wie vor.

4 Handgranate in der Vahr

Ein Auto, unter dem eine Handgranate explodierte hinter Polizei-Absperrband
Das Auto wurde durch die Explosion zerstört.

In der Nacht zum 7. November explodiert in der Vahr eine Handgranate unter einem Auto. Es habe sich wahrscheinlich um eine gezielte Warnung gehandelt, sagte Oberstaatsanwalt Frank Passade einen Tag später. Aber eine gezielte Tötungsabsicht sei nicht erkennbar. Es gibt Spekulationen, dass die Tat mit dem Verschwinden eines ehemaligen Hell-Angels-Rockers in Zusammenhang steht. Rezan Cakici wurde zuletzt im Juli in Oldenburg gesehen und gilt seitdem als vermisst.

Im Juli war Cakicis Onkel in Oldenburg erschossen worden. Der mutmaßliche Täter sitzt in Haft. Das Auto, das durch die Explosion in der Vahr zerstört wurde, soll der Familie von Cakici gehören. Wer die Handgranate in der Nacht unter den Wagen legte und warum, ist laut Staatsanwaltschaft bislang noch unklar.

  • Alexander Drechsel

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 22. November 2017, 23:20 Uhr