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Auf Sanierungskurs: Zwischenbilanz nach drei Jahren

Die Jacobs University Bremen (JUB) hat sich 2013 auf einen fünfjährigen Sanierungspfad begeben. Danach soll sie mit der Hälfte der bisherigen Zuschüsse auskommen. Denn die staatlichen Subventionen fallen weg, und von der Jacobs Foundation soll es auch deutlich weniger Geld geben. Ein Blick in die Bilanzen lässt aber Zweifel aufkommen, ob die Privat-Uni das schaffen wird.

Überlebt die Jacobs University? - buten un binnen | regionalmagazin

Es macht den Eindruck, als wäre es die Quadratur des Kreises, was die Jacobs University hier vorhat. Sie will einerseits Spitzenforschung betreiben und mehr zahlende Studenten anlocken und gleichzeitig gewaltige Summen einsparen. Eine unmögliche Aufgabe? Seit dreieinhalb Jahre arbeitet die Präsidentin Katja Windt bereits an der Neuausrichtung ihrer Uni: Sie hat Mitarbeiter entlassen, Sachkosten reduziert, Studiengänge gestrafft, ausstehende Gelder eingetrieben.

Katja Windt
JUB-Präsidentin Katja Windt glaubt an den Sparkurs.

"Wir sehen uns auf dem richtigen Weg", ist Windt überzeugt. Es seien Erfolge erzielt worden und sie wolle diesen Weg konsequent fortsetzen. Klingt maximal zuversichtlich. Aber wird das die Universität retten? Ein Blick auf die Zahlen lässt zumindest Zweifel aufkommen. Noch bekommt die Uni jedes Jahr 18 Millionen Euro Zuschüsse: 15 Millionen von der Jacobs Foundation, drei Millionen Euro vom Land Bremen. Aber damit ist bald Schluss. In anderthalb Jahren gibt es keine öffentlichen Mittel mehr. Und auch die Jacobs-Stiftung will ihre Zuschüsse reduzieren: auf rund neun Millionen Euro.

Jahresfehlbetrag Jacobs University
Jahresfehlbetrag der Jacobs University, tatsächlich und zu erwarten ab 2015. Bild: Geschäftsbericht JUB

Kann die Uni damit auskommen?

Der Bremer Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel glaubt nicht, dass die Jacobs University mit dem jetzigen Finanzierungskonzept dauerhaft überlebensfähig ist. "Das kann man klar sagen, das reicht hinten und vorne nicht. Da braucht man nur in den Geschäftsbericht von 2014 schauen, dann sehen wir insgesamt einen Verlust von 22 Millionen Euro." Schon in den vergangenen Jahren lag das operative Minus der Privat-Uni im Schnitt bei 22 Millionen Euro, wenn man von Ausnahmen nach unten absieht, wie 2007 wegen zusätzlicher Spenden oder nach oben wie 2012, als die Uni nicht mehr eintreibbare Kredite abgeschrieben hat. Auch der Sanierungskurs hat daran nichts geändert. Um auf die anvisierten neun Millionen Euro zu kommen, müsste die Uni ihre Verluste um 60 Prozent reduzieren.

Hinzu kommt, dass die Zahl der Studierenden rückläufig ist. Heute sind 1.164 Studenten an der Jacobs University eingeschrieben. Vor dem Sanierungskurs waren es 200 mehr. Dabei sollte ihre Zahl eigentlich auf 1.500 erhöht werden. Auch das angestrebte Verhältnis von Professoren zu Studenten von 1:16 liegt in weiter Ferne. Nach wie vor betreut an der Jacobs University ein Professor zehn Studenten. Trotzdem glauben die meisten Politiker der Stadt an den Erfolg des Sanierungskurses der Uni.

Nachhaltiges Finanzierung-Konzept fehlt

Die Grünen-Politikerin Maike Schaefer ist optimistisch, dass die Privat-Uni es schaffen wird, sich bis 2018 so weit zu konsolidieren, dass sie selbstständig weiterarbeiten kann. Ähnlich sieht es der Koalitionspartner: Arno Gottschalk von der SPD glaubt, dass die JUB es "ganz gut hinkriegen" wird. Auch die CDU-Politikerin Susanne Grobien hat keinen Zweifel am eingeschlagenen Sanierungspfad und ist zuversichtlich. Woher kommt dieser Optimismus? Liegt es daran, dass die Universität ihre Bilanzierungsmethode geändert hat? Neuerdings verbucht die Uni die Zuschüsse von Bremen und der Stiftung als Einnahmen. Und schon liegt der Bilanzverlust nicht mehr bei 21, sondern bei 3,6 Millionen. Sieht schöner aus, täuscht aber über die wahre Lage hinweg.

Wenn man die JUB fortführen will, ist man verpflichtet, ja geradezu aufgefordert, endlich mal nicht so zu tun, als gäbe es keine Probleme, sondern wirklich mal ein seriöses, nachhaltiges Finanzierungskonzept zu entwickeln.

Rudolf Hickel, Wirtschaftswissenschaftler

Hickel fordert von der Politik, den Kopf nicht länger in den Sand zu stecken. Denn er wolle ja den Erfolg für das Projekt und sei ein großer Fan der JUB. Allerdings: Wenn man öffentlich über die Probleme diskutiere, gelte dies gleich als "höchster Hochverrat" – als Absage an das Projekt, kritisiert Hickel.

Dazu passt, dass auch der Bremer Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD) zurzeit kein Interview geben will. Ihn beschäftigt gerade eine große Anfrage der Fraktion "Die Linke". Deren wirtschaftspolitischer Sprecher Klaus-Rainer Rupp bemängelt, dass die Landesregierung den Sanierungskurs der Privat-Uni nicht lückenlos dokumentiert hat, obwohl sie dazu laut Vertrag verpflichtet ist. Er fordert, dieses Kontrolldefizit zu beheben. Denn er befürchtet, dass die Uni nicht noch mehr sparen kann und bald betriebswirtschaftlich in eine Lage kommt, in der Bremen dann mit seiner Bürgschaft einspringen muss. Und dabei geht es immerhin um 50 Millionen Euro.

Dabei bestreitet keiner, dass die Jacobs University große wissenschaftliche Erfolge ausweisen kann und für Bremen in vielerlei Hinsicht eine Bereicherung ist. Gerade deshalb ist es umso wichtiger, das Thema Finanzen zu diskutieren. Bis zum Jahr 2018 ist es nicht mehr lange hin.

  • Hanna Möllers

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 1. Juni 2016, 19:30 Uhr