Rechte in Bremerhaven: "Im Grunde bin ich Nationalsozialist"

Vier Parteien treten in Bremerhaven im rechten oder populistischen Spektrum an. Keine davon präsentiert sich so eindeutig als Neonazi-Partei wie "Die Rechte". Besuch auf einer Kundgebung.

Zu sehen ist der Van der Rechten und einige Parteimitglieder.

"Arschloch!", brüllt es aus dem Riesenlautsprecher vor dem Bremerhavener Stadttheater. Der Song "Schrei nach Liebe" der Band "Die Ärzte" ist für ein paar Theaterleute und Passanten das adäquate Mittel gegen das, was auf dem Theaterplatz gerade passiert.

Dort hält die Partei "Die Rechte" eine Wahlkampfveranstaltung ab. Eine Handvoll Parteivertreter, darunter Bremens Spitzenkandidat Alexander von Malek, bemühen sich um Aufmerksamkeit: "Hören Sie zu, dann können sie was lernen", ruft "Rechte"-Bundesvorstand Sascha Krolzig einem Passanten zu, der gegen die Rechten schimpft. Viel mehr Publikum hat er hier nicht. Noch bleibt es ruhig.

Vier rechte oder populistische Parteien in Bremerhaven

Vier Parteien treten in Bremerhaven im rechten oder populistischen Spektrum an. Davon ist "Die Rechte" wohl am weitesten rechts. Neben ihr steht noch die NPD auf dem Wahlzettel, außerdem die AfD und die "Bürger in Wut". Im Bremerhavener Wahlkampf setzen die letzten beiden stramm auf Recht und Gesetz und auf einen Wahlkampf gegen die "Eliten" im politischen System. Von der NPD weiß man nichts Genaues: Die Partei taucht im Wahlkampf der Stadt quasi nicht auf, ihr Abgeordneter Horst Görmann ist auf keinem Plakat zu sehen.

Alexander von Malek von der Partei "Die Rechte" Bremerhaven
Alexander von Malek, Ex-NPD-Mitglied, ist nun Spitzenkandidat der Rechten.

Bei "Die Rechte" gibt es hingegen kein Vertun. Schon die Plakate: "Israel ist unser Unglück" oder "Freiheit für Ursula Haverbeck" hängen überall in der Stadt. Haverbeck ist eine konsequente und mittlerweile inhaftierte Holocaust-Leugnerin. Spitzenkandidat für Bremen und Bremerhaven ist Alexander von Malek. Er war früher in der NPD, wechselte dann aber in "Die Rechte" – eine Vereinigung, die von vielen als "Mini-Partei" verniedlicht wird. In Dortmund sitzt sie aber schon im Stadtparlament, nun will sie es in Bremen schaffen.

Auch bei der Kundgebung von "Die Rechte" könnte man die Partei als Randphänomen wahrnehmen. Oder zumindest als eine, die keinen Rückhalt in der Bevölkerung hat. Von Passanten gibt es fast nur Kontra. Einige offenbar nicht ganz nüchterne Männer schreien hartnäckig gegen die Neonazis an, Passanten äußern immer wieder Unmut, eine Frau protestiert mit lautem Dauer-Fahrradklingeln. "Zerschlagt das EU-Monster", ruft Sascha Krolzig derweil. Er prangert die "Hintermänner der Überfremdungsmaschinerie" an, während vom Theater immer lautere "Nazis raus"-Rufe kommen.

Nationalsozialist? "Im Grunde ja"

Der Nazi-Begriff: Für die meisten ist er ein Schimpfwort. Der Bremer "Rechte"-Spitzenkandidat Alexander von Malek hat sich gegenüber buten un binnen schon einmal als "Nationaler Sozialist" bezeichnet. Drei Mal fragen wir nach: Ist er also ein Nationalsozialist? "Im Grunde ja", sagt er schließlich. Ob sich auch sein Gastredner Sascha Krolzig so bezeichnen würde, ist unklar. Er hat aber schon ein anderes Zeugnis: "Unwürdig und charakterlich ungeeignet für das Richteramt", befand das Verwaltungsgericht Minden, als Krolzig sich als Jurist einen Referendariats-Platz erklagen wollte. Dieses Team macht nun Wahlkampf in Bremerhaven.

Ein Mann wurde auf den Boden geschubst
Mit Gewalt hat ein Vertreter der Rechten einen Mann zu Boden gestoßen. Dafür wird gleich eine Bierdose auf die "Rechten" fliegen.

Mittlerweile haben sich die Anti-Rechten mit ihrer Lautsprecherbox dichter an die Neonazis herangewagt. "Deine Gewalt ist nur ein stummer Schrei nach Liebe, deine Springerstiefel sehnen sich nach Zärtlichkeit". Die Stimmung wird latent aggressiver, jetzt haben sich neben einzelnen Polizisten in Uniform und Zivil auch mehrere Mannschaftswagen in der Nähe postiert. Als die Rechten einen der Gegendemonstranten, der sich mit Händen in der Hosentasche zu dicht an die Redner wagte, mit Gewalt zu Boden schubsen, fliegt umgekehrt eine Bierdose.

Fassungslosigkeit und Gleichgültigkeit

Die Polizei kann die Situation schnell beruhigen. Doch es bleibt eine gespenstische Atmosphäre. Einer der Rechten spricht nun in seiner Rede davon "die Völker in Europa zu verteidigen". Um ihn herum gibt sich kein einziger Unterstützer zu erkennen, rund um den Theaterplatz blickt man nur Gesichter voll Fassungslosigkeit – oder Gleichgültigkeit.

"Die Rechten" wollen mit dieser Wahl in die Bremische Bürgerschaft einziehen. Dazu wollen sie durch Bremerhavens eigene Fünf-Prozent-Klausel schlüpfen. Für das Stadtparlament gibt es überhaupt keine Mindestklausel. Beides macht die Stadt für kleine Parteien interessant.

Ob sie sich am Ende erfolgreich einbringen können, steht auf einem ganz anderen Blatt. Alexander von Malek hat kommunalpolitisch jedenfalls eher wenig mitzuteilen: "Den Parteienfilz bekämpfen, der SPD ein paar Posten klauen", sagt er. Mit vielen zentralen Fragen hat er sich offenbar gar nicht befasst, gibt er mehrmals zu. "Da habe ich mir noch nicht groß einen Kopf drüber gemacht."

Autor

  • Boris Hellmers

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 21. Mai 2019, 19.30 Uhr